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Akupunktur hilft. Unklar bleibt: Sind es nur Placebo-Effekte?

Artikel 0182 Akupunktur ist wirksam: Sowohl die Akupunktur nach den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als auch die sogenannte Sham-Akupunktur, bei der an (vermeintlich unwirksamen) Punkten gestochen wird, wirken besser gegen chronische Kreuz- und Knieschmerzen als die konservative Standardtherapie. Das sind die ersten Ergebnisse der weltweit größten Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur gerac (German Acupuncture Trials), die in der Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Ruhr-Universität Bochum koordiniert werden.

Je über 1000 Patienten mit länger als sechs Monate dauernden Kreuz- bzw. Knieschmerzen nahmen an den Studien teil. Sie wurden zufällig einer der drei Gruppen - TCM-Akupunktur, Sham-Akupunktur oder Standardtherapie - zugeordnet und erfuhren nicht, welche Art Akupunktur sie erhielten. Sechs Monate nach Ende der jeweiligen Therapie zeigte sich: Die Akupunktur nach TCM-Regeln erreichte bei 71% der Patienten einen Erfolg (Schmerzlinderung und/oder Funktionsverbesserung), die Sham-Akupunktur war in 68% der Fälle erfolgreich, die Standardtherapie jedoch nur in 58%. Ähnlich sehen die Ergebnisse drei Monate nach dem Behandlungsende für die Teilstudie Kniegelenksverschleiß (Gonarthrose) aus. "Die vergleichbar hohe Wirksamkeit der TCM- und der Sham-Akupunktur wirft weitere Fragen auf, ohne dass der beobachtete Effekt aus den vorhandenen Ergebnissen erklärt werden kann", erklärten die Wissenschaftler. Die Referate der Wissenschaftler zu den Studien sind verfügbar auf der Homepage der gerac - Deutsche Akupunktur Studien.

Dass Akupunktur wirksam ist, aber nicht mehr als ein Placebo (Scheinmedikament), schien wenige Monate zuvor eine andere deutsche Studie widerlegt zu haben. Die Allgemeingültigkeit dieser Befunde ist nun durch die gerac-Studie bei chronischen Kreuz- und Knieschmerzen wieder in Frage gestellt. Im Juli 2005 hatten Wissenschaftler der Berliner Charite (Leitung: Claudia Witt) in einer Presseerklärung festgestellt: Nach acht Wochen hatten Patienten, die unter Kniearthrose leiden, in der (echten) Akupunkturgruppe deutlich weniger Beschwerden als die Teilnehmer der Scheinakupunkturgruppe. Bei der unbehandelten Wartegruppe waren die Beschwerden erheblich höher. Nach sechs Monaten allerdings zeigte sich kein Unterschied mehr und der Effekt der Akupunkturbehandlung war deutlich abgeschwächt. Die Ergebnisse waren auch in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht worden.

Bei Migränepatienten war der schmerzlindernde Nutzen der Akupunktur bereits zuvor festgestellt worden. Das Zentrum für naturheilkundliche Forschung des Klinikums rechts der Isar hatte bei 270 Patienten mit chronischem Kopfschmerz und Migräne festgestellt: Akupunktur verringerte die Migräneattacken um knapp die Hälfte, dabei spielt es jedoch keine Rolle, ob die Akupunkturnadeln gemäß der traditionellen chinesischen Lehre gesetzt wurden oder wenige Zentimeter davon entfernt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift JAMA, frei zugänglich ist ein Abstract. Dieter Melchart, Leiter des Zentrums für naturheilkundliche Forschung im Klinikum rechts der Isar, ist skeptisch, dass Akupunktur nur auf einem Placebo-Effekt beruht: "Die Akupunktur ist mehr als eine Placebopille. Die Nadelreize lösen vermutlich im Gehirn spezifische Vorgänge aus, die unsere Schmerzwahrnehmung drosseln. Hinzu kommt der psychologische Effekt der intensiven Betreuung durch den Therapeuten und die Entspannung, die der Patient während der Behandlung erfährt."

Tatsächlich haben englische Forscher herausgefunden, dass Akupunktur-Nadeln medizinisch nachweisbare Effekte im Gehirn auslösen. Das Team um George Lewith von der University of Southampton hatte berichtet, dass selbst die Behandlung mit Placebo-Nadeln gewisse Schmerzzentren in der Großhirnrinde aktiviert. Die echte Akupunktur erregt darüber hinaus noch ein weiteres Areal, über dessen Aufgaben man noch relativ wenig weiß. Ein Abstract der Studie ist hier: Expectancy and belief modulate the neuronal substrates of pain treated by acupuncture

Gerd Marstedt, 17.11.2005