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Übersichtsstudie zeigt: Keine einzige Diät hilft auch langfristig zur Gewichtsabnahme

Artikel 0652 Erst im März 2007 hatte eine in der renommierten Zeitschrift "JAMA" veröffentlichte Studie gezeigt, dass die sogenannte "Atkins"-Diät anscheinend überaus erfolgreich ist, um überflüssige Pfunde zu verlieren. Nun hält eine Veröffentlichung dagegen, die die Ergebnisse von 31 Langzeit-Untersuchungen noch einmal neu zusammengefasst hat. Berücksichtigt wurden dabei nur Diät-Studien, die zumindest zwei Jahre lang den Erfolg des Abspeckens kontrolliert hatten. Ergebnis: Betrachtet nicht kurzfristige Effekte, sondern langfristige Wirkungen über einen Zeitraum von 2-5 Jahren, dann ist keine einzige wissenschaftliche untersuchte Diät in der Lage, eine dauerhafte Gewichtsabnahme zu erzielen.

Vier verschiedene Diäten waren in einer Studie von Forschern der kalifornischen Stanford-Universität getestet worden. Dabei zeigte sich, dass die sogenannte Atkins-Diät, die eine Einnahme von Proteinen empfiehlt und zur Meidung von Kohlehydraten rät, bessere Ergebnisse als andere Methoden erzielt. Jedenfalls zeigte sich nach einem Zeitraum von zwölf Monaten bei den 311 übergewichtigen Teilnehmerinnen im Alter von 20 bis 50 Jahren, dass diese mit Abstand am meisten abgenommen hatten, nämlich im Durchschnitt 4,7 kg. Im Vergleich dazu war der Gewichtsverlust mit den übrigen Diät-Formen deutlich geringer. Mit der Zone-Diät (ungesättigte Fettsäuren, komplexe Kohlenhydrate), der Ornish-Diät (wenig Fett) oder der LEARN-Diät (fettarm und kohlenhydratreich) verloren die Teilnehmer nur etwa 1,6 - 2,6 kg. Deutlich wurden aus der Veröffentlichung der Studie aber bereits zwei methodische Schwachstellen: Zum einen befolgte sehr viele Frauen während des einjährigen Versuchs die vorgeschriebene Diät nicht mehr und stiegen aus. Zum anderen wurde der Effekt nicht objektiv geprüft, sondern nur anhand der telefonisch übermittelten Angaben der Teilnehmerinnen.
Ein Abstract der Studie ist hier nachzulesen: Comparison of the Atkins, Zone, Ornish, and LEARN Diets for Change in Weight and Related Risk Factors Among Overweight Premenopausal Women (JAMA. 2007;297:969-977)

Eine jetzt in der April-Ausgabe der Zeitschrift "American Psychologist", dem Fachblatt der American Psychological Association, veröffentlichte Studie hat nun gezeigt: Auch die Atkins-Diät ist, ebenso wie eine Vielzahl anderer bekannter Methoden zur Gewichtsabnahme langfristig wirkungslos. In der Übersichtsarbeit wurden insgesamt 31 schon veröffentlichte Studien ausgewertet. Berücksichtigt wurden dabei nur methodisch fundierte Studien, die auch einen längeren Beobachtungszeitraum von zwei bis fünf Jahren aufwiesen. "Zu Beginn einer Diät. in den ersten sechs Monaten, kann man durchaus 5-10% des Körpergewichtes verlieren", erklärte Traci Mann, Hauptautorin der Studie in einer Pressemitteilung der University of California, Los Angeles. "Danach zeigt sich jedoch nur noch bei einer kleinen Gruppe von Diät-Teilnehmern, dass sie dieses Gewicht halten können. Die große Mehrheit jedoch nimmt nach diesem Zeitraum wieder zu. Ein erheblicher Teil, je nach Studie ein Drittel bis zwei Drittel, nimmt sogar so stark zu, dass das Körpergewicht höher ist als vor Beginn der Diät."

Dass in Zeitschriften immer wieder über wissenschaftlich belegte Erfolge von Diäten berichtet wird, liegt nach Meinung der Forscher sehr stark an methodischen Defiziten dieser Studien. Drei Mängel heben sie besonders hervor: Erstens gehen viele Studien von den Aussagen der Teilnehmer aus und nicht von objektiven Gewichtsmessungen. Bei solchen Aussagen besteht jedoch die Tendenz, das eigene Verhalten auch als erfolgreich zu bewerten und nicht zu sagen: "Die Diät hat nichts gebracht." Zum zweiten berücksichtigen viele Studien bei den Endergebnissen jene Teilnehmer nicht, die vorzeitig die Diät abgebrochen haben. Bei vielen von den Wissenschaftlern näher analysierten Studien lag die Teilnehmerquote am Schluss weit unter 50%. Bei Abbrechern ist jedoch zu vermuten, dass sie ganz überwiegend wieder an Gewicht zugenommen und deshalb aufgehört haben, was die Ergebnisse natürlich massiv verfälscht. Und zum dritten schließlich laufen viele Studien nur über einen sehr kurzen Beobachtungszeitraum, in dem tatsächlich Gewichtsverluste zu beobachten sind. Dieser Erfolg hält jedoch nicht mehrere Jahre an.

Häufige Gewichtsverluste durch Diäten und anschließende Gewichtszunahmen, so die Forscher, sind nicht nur auf lange Sicht betrachtet unnütz, sondern sogar gesundheitsriskant. Es gibt Hinweise, dass solche ständigen Änderungen des Körpergewichts auch ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes und veränderte Immunfunktionen mit sich bringen. Anstelle von Diäten empfehlen die Wissenschaftler daher, die tägliche Kalorienmenge ein wenig einzuschränken und regelmäßig Sport zu treiben oder anderweitig körperlich in Bewegung zu bleiben.

Der Aufsatz erscheint in der April-Ausgabe der Zeitschrift American Psychologist
Eine Pressemitteilung der University of California (Los Angeles) mit den wichtigsten Ergebnissen ist hier zu finden. Dieting Does Not Work, Researchers Report

Gerd Marstedt, 6.4.2007