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Patienten
Hausärztliche und ambulante Versorgung


Wie verlässlich oder reliabel sind allgemeinärztliche ICD-10-Diagnosen - und zwar auch ohne die GKV-Beihilfe beim Up-Coding? (22.10.16)
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Patienten-Selbstmanagement: Kostensparend, therapiefördernd und trotzdem wenig verbreitet

Artikel 0657 Chronische Erkrankungen erfordern zumeist dauerhafte und lebenslange therapeutische Maßnahmen und sind deshalb besonders kostenintensiv. In den USA umfassen die Ausgaben für die medizinische Versorgung von Herz-Kreislauf-, Krebs- und anderen chronischen Krankheiten rund 70-75% aller Kosten im Gesundheitswesen. Bei chronischen Erkrankungen ist aber zumeist auch eine aktive Mitwirkung des Patienten Voraussetzung für eine Linderung von Beschwerden und Vermeidung von Komplikationen. Aus beiden Gründen läge es im Grunde nahe, Patienten darin zu stärken, sehr viel autonomer im Umgang mit ihrer Krankheit zu handeln als bislang: Durch Selbstdiagnosen, eigenständige Dosierung und Einnahme von Medikamenten. In einem Aufsatz in der Online-Zeitschrift "PloS Medicine" setzen sich Harold DeMonaco und Eric von Hippel, zwei Wissenschaftler aus Boston mit dem Thema "Self Management" detailliert auseinander, stellen Hilfsmittel für Patienten vor und erörtern die ökonomischen und medizinischen Vorteile dieser noch wenig verbreiteten Praxis.

Überraschend ist für die Forscher die noch geringe Verbreitung von Selfmanagement-Techniken, weil mittlerweile eine Reihe von Studien vorliegen, die recht deutlich aufzeigen, dass die Stärkung der Patientenautonomie erhebliche Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen und auch bessere therapeutische Ergebnisse bewirkt, vergleicht man sie mit der herkömmlichen Praxis, bei der Patienten ständig in der ärztliche Sprechstunde erscheinen, nur um Routine-Untersuchungen und einfach durchzuführende Diagnosen zu erstellen. Bei der Volkskrankheit Diabetes, an der in Deutschland etwa 6 Millionen, rund 8 Prozent der Bevölkerung leiden, ist dieses Vorgehen auch bereits recht weit verbreitet: Patienten werden geschult, ihren Blutzuckerspiegel mit einem einfachen Messgerät selbst mehrfach am Tag zu messen und aufbauend auf diesen Befunden entsprechende Handlungen durchzuführen, durch Einnahme entweder von Glukose (bei Unterzuckerung) oder durch Spritzen von Insulin (bei überhöhten Werten). Sie lernen darüber hinaus, ihre Maßnahmen individuell zu verändern und auch in Einklang zu bringen mit ihren Ess- und Trinkgewohnheiten.

Warum aber, so fragen die beiden Wissenschaftler, findet man diese Selbstmanagement-Techniken nicht auch häufiger bei anderen Erkrankungen? Als Beispiel führen sie den Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder auch Depressionen an und zeigen zugleich, dass es bereits Hilfsmittel gibt, die Patienten ein sehr viel eigenständigeres Vorgehen bei Selbst-Diagnosen und Arzneimittel-Dosierungen erlaubt. Solche "Selfmanagement-Toolkits", also Werkzeuge und Hilfsmittel zum autonomen Umgang mit der Krankheit, liegen auch schon vor für Patienten mit einer Herzinsuffizienz und sie sind so gestaltet, dass auch Patienten mit sehr geringem Bildungsniveau damit zurecht kommen.

Eine fundierte und empirisch belegte Erklärung für das heutige Mauerblümchen-Dasein von Selfmanagement-Techniken liefern die Autoren nicht. Ihre Annahme geht jedoch dahin, dass solche Maßnahmen "dazu führen, dass das traditionelle Arzt-Patient-Verhältnis sich radikal verändert. Dies wiederum birgt für viele Ärzte das Risiko in sich, ihren Status, wenn nicht gar ihren Job zu verlieren." Allerdings sehen sie auch Licht am Ende des Tunnels: Erst vor kurzem hat eine evidenz-basierte Studie gezeigt, dass Selfmanagement-Techniken mit Antikoagulantien (Gerinnungshemmer, Blutverdünner; häufig verordnet bei Herzrhythmusstörungen) zu qualitativ sehr viel besseren Ergebnissen durch Senkung der Risiken kommen. vgl. Barriers to patient self-testing of prothrombin time: National survey of anticoagulation practitioners (Pharmacotherapy. 2005 Feb;25(2):265-9)

Der Aufsatz in "PloS Medicine" steht hier im Volltext zur Verfügung: Reducing Medical Costs and Improving Quality via Self-Management Tools

Gerd Marstedt, 17.4.2007