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US-Studie zeigt: Nutzer alternativer Heilmethoden haben einen gesünderen Lebensstil

Artikel 0887 Eine Befragung von über 31.000 US-Amerikanern hat jetzt noch einmal Ergebnisse früher Studien bestätigt: Nutzer alternativer Medizin weisen öfter einen gesünderen Lebensstil auf als andere Bürger. Deutlich wurde dies insbesondere daran, dass diese Anhänger der Komplementärmedizin in ihrer Freizeit sehr viel mehr Sport treiben und körperliche Bewegung suchen. Darüber hinaus zeigte sich auch, dass der Gesundheitszustand eine große Rolle spielt. Wer von einer Behinderung betroffen ist, aufgrund von Erkrankungen überdurchschnittlich oft zum Arzt gegangen ist, versucht ebenfalls sehr viel häufiger eine effektive Behandlungsmöglichkeit außerhalb der Schulmedizin zu finden.

Basis der Studie sind Befragungsdaten aus dem im Jahr 2002 in den USA bundesweit durchgeführten "National Health Interview Survey". Einbezogen wurden in die Analysen insgesamt 31.044 Erwachsene. Als unabhängige Variablen wurden einerseits Aspekte des Gesundheitsverhaltens erhoben (Rauchen, Alkoholkonsum, Sport und körperliche Bewegung, Body Mass Index), andererseits auch sozialstatistische Aspekte (Alter, Geschlecht, Bildungsniveau usw) und Daten zum Gesundheitszustand sowie die Inanspruchnahme medizinischer Versorgung.

Als zentrale abhängige Variable wurde berücksichtigt, ob jemand in den letzten 12 Monaten alternative Heilmethoden erprobt hatte. Dazu zählten sehr unterschiedliche Behandlungen, wie unter anderem Akupunktur, Biofeedback, Ayurveda, Chiropraktik, Hypnose, Naturheilmittel und Naturheilverfahren, Yoga, Tai Chi, Quigong und andere Entspannungstechniken.

Als Ergebnis zeigte sich:
• Wie schon in vielen Studien zuvor, wiesen Jüngere (unter 65), Frauen und Befragte mit höherem Bildungsniveau deutlich öfter Erfahrungen mit alternativer Medizin auf. So hatten 52% derjenigen mit einem Bildungsabschluss Master oder Doktor solche Erfahrungen, aber nur 21% mit dem niedrigsten Bildungsniveau. Ähnliche große Differenzen fand man für die Einkommenshöhe.
• Eine große Rolle spielt der Gesundheitszustand. Studienteilnehmer mit Behinderungen, mit einer großen Zahl von Erkrankungen oder Arztbesuchen im vergangenen Jahr hatten etwa doppelt so oft Methoden der Komplementärmedizin ausprobiert.
• Schließlich ist aus das Gesundheitsverhalten von Bedeutung. Mehr Erfahrungen mit alternativer Medizin weisen Personen auf, die in ihrer Freizeit regelmäßig und intensiv Sport betreiben. So liegt die Erfahrungsquote bei intensivem Sport bei 47%, bei gelegentlichem Sport bei 41% und bei keinerlei Sport bei 23%. Ähnliche Zusammenhänge zeigen sich für Personen, die gelegentlich Alkohol trinken, aber keine regelmäßigen Trinker sind. Besonders niedrig ist die Kenntnis der Alternativmedizin andererseits bei lebenslangen Abstinenzlern.

Im Rahmen einer multivariaten Analyse, die den Einfluss sozialstatistischer Variablen zusätzlich zu anderen Einflussfaktoren mitberücksichtigt, wurde ein Teil dieser beobachteten Effekte leicht abgeschwächt. Der zentrale Befund hatte jedoch Bestand: "Those engaging in positive health behaviors and exhibiting fewer health risk factors are more likely to use CAM than those who forgo positive health behaviors or exhibit more health risk factors."

• Hier ist ein Abstract der Studie: Richard L Nahin u.a.: Health behaviors and risk factors in those who use complementary and alternative medicine (BMC Public Health 2007, 7:217 -doi:10.1186/1471-2458-7-217)
• Für die komplette Studie gibt es auf der Website von BMC Public Health eine provisorische PDF

Aus einer repräsentativen deutschen Bevölkerungsumfrage (Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung) waren unlängst ähnliche Befunde hervorgegangen. Dort hatte sich gezeigt, dass "Anhänger" der Alternativmedizin auch - nach eigener Aussage - etwas stärker auf ihre Gesundheit achten, häufiger an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen und auch öfter regelmäßig Sport betreiben. Diese Studie hatte noch weitere Merkmale der typischen Nutzer von alternativen Heilmethoden identifiziert. Dies sind Patienten, die
• sich im Alltag gesundheitsbewusster verhalten, ein anderes Verhältnis zu ihrem Körper haben, eine "sanftere" Medizin bevorzugen und Selbstheilungskräften eine große Rolle für Therapie und Rekonvaleszenz zuerkennen
• mehr Kommunikation und soziale Unterstützung in der medizinischen Versorgung suchen, zum Teil auch emotionalen Beistand und "Seelsorge", mehr "sprechende Medizin" und im weitreichendsten Fall sogar psychotherapeutische Momente
• das Thema Gesundheit und Krankheit für sich selbst entdeckt haben, sich sehr intensiv um Informationen zu Krankheitsursachen wie Therapie-Möglichkeiten bemühen
• die alleinige Experten-Rolle des Arztes nicht anerkennen, im Behandlungsprozess aktiv mitwirken und auch Entscheidungen selber treffen oder zumindest mittragen möchten.
vgl.: "Alternative Medizin" - was steckt hinter der boomenden Nachfrage?

Gerd Marstedt, 30.8.2007