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Patienten
Arzt-Patient-Kommunikation


Mehr Transparenz über verordnete und gekaufte Medikamente für PatientInnen und ÄrztInnen durch Medikationsplan!? Ja, aber…. (26.10.17)
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"Well, palliative is, oh God, where people go to hospital to die." Die Rolle von Begriffen und Einbettungen im Gesundheitswesen (25.4.16)
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Schäden von Krebsfrüherkennung 2 - Quantität und Qualität der Studien zu psychischen Folgen von Krebsfrüherkennung unzulänglich (19.2.15)
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Schäden von Krebsfrüherkennung - 4 neuere Studien (19.2.15)
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Präferenzfehldiagnose bei Stentimplantation und beim Prostatakrebs (28.7.14)
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"Noncompliance kann tödlich enden" oder warum es beim Entlassungsmanagement in Kliniken manchmal um mehr als warme Worte geht (29.5.14)
Bessere Behandlungsergebnisse durch Information und Beteiligung (16.5.14)
Nutzung von elektronischen Patienteninformationen und Entscheidungshilfen kann Arzt-Patient-Kommunikation negativ beeinflussen (29.1.14)
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Wie kommt es zu mangelnder Therapietreue? Ergebnisse einer qualitativen Studie mit an rheumatoider Arthritis erkrankten Menschen (11.8.13)
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Mehr Wirtschaft als Gesundheit - Staatliche Förderung für IgeL (9.8.12)
Nicht nur "offensichtlich" sondern empirisch sicher: Wirkungen nonverbalen Verhaltens von Ärzten und Pflegekräften auf Patienten (20.7.12)
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Autoritäres Verhalten von Ärzten verhindert Shared Decision Making (16.6.12)
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Viele Patienten können ihrem Arzt nicht sagen, welche Medikamente sie einnehmen (22.10.2007)
Beispiel Statine: Ärzte ignorieren und verschweigen oft Beschwerden von Patienten über Arzneimittel-Nebenwirkungen (29.8.2007)
Ärzte sind auch nur Menschen: Sympathie und unterschwellige Urteile sind ein zentraler Faktor für die Patientenzentrierung des Arztes (4.6.2007)
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Viele Patienten können ihrem Arzt nicht sagen, welche Medikamente sie einnehmen

Artikel 0974 Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten, die einem Patienten verschrieben werden, sind eine der häufigsten Ursachen für unerwünschte und zum Teil überaus gesundheitsriskante Nebenwirkungen. Daher sollte ein Arzt vor der Verschreibung eines neuen Medikaments Bescheid wissen, welche andere Arzneimittel sein Patient schon einnimmt. Zumeist ist er dabei auf dessen persönliche Angaben angewiesen. Und genau hier gibt es ein Problem, denn viele erinnern sich bei der Frage des Arztes nicht an den Namen oder die Dosierung der Medikamente oder vergessen einige gänzlich. Dies hat jetzt eine Studie aus Chicago gezeigt, die in der Zeitschrift "Journal of General Internal Medicine" veröffentlicht wurde.

Beteiligt waren 119 Patienten, die in einem von drei medizinischen Versorgungszentren wegen Bluthochdrucks in Behandlung waren. Bei ihnen wurden verschiedene Angaben erfasst, darunter sozialstatistische Daten wie Alter oder Geschlecht. Darüber hinaus wurde aber auch ihre "Gesundheitskompetenz" ("health literacy") anhand eines Fragebogens überprüft, also ihr allgemeines Grundwissen in medizinischen und gesundheitlichen Fragen. Dann wurden sie gebeten, anhand einer Liste all jene Medikamente anzukreuzen, die ihnen gegen ihren Bluthochdruck von Ärzten verschrieben worden waren. Diese Angaben wurden dann verglichen mit der Krankenakte bzw. den Abrechnungsunterlagen, aus denen die tatsächlich verordneten Medikamente hervorgingen. Heraus kamen Erschreckendes:

• Lediglich bei 30% aller Befragten stimmten persönliche Angaben und tatsächliche ärztliche Verordnungen exakt überein.
• Bei jedem vierten (24%) gab es zumindest teilweise Übereinstimmungen.
• Bei fast der Hälfte der Studienteilnehmer jedoch (46%) fand sich keine einzige Übereinstimmung, das heißt, sämtliche persönlichen Angaben über verordnete Medikamente waren falsch. Entweder wurden Arzneien genannt, die ihnen nicht verschrieben worden waren, oder tatsächlich verschriebene Mittel wurden nicht genannt. Ein Großteil aus dieser Gruppe (40% aller Studienteilnehmer) musste überdies bei dieser Aufgabe vollständig passen, sie waren nicht in der Lage, den Namen auch nur eines einzigen ihnen verordneten Medikaments zu nennen.

Dabei wurden auch erhebliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen deutlich. Besonders großen Einfluss hatte dabei die "Gesundheitskompetenz" ("health literacy"). Bei niedriger Kompetenz lag die Quote der Patienten mit unzureichenden und falschen Angaben bei 65%, bei guter Kompetenz nur bei 38%.

Der für die Studie leitende Wissenschaftler Stephen Persell erkennt in den Befunden seiner Studie eine doppelte Problematik. Einerseits werden vermutlich aufgrund der Fehlinformationen durch die Patienten sehr viel mehr Arzneimittel verordnet und abgerechnet als tatsächlich nötig ist, andererseits könnten durch den unzureichenden Informationsstand des Arztes auch Medikamente verordnet werden, die durch ihre wechselseitige Unverträglichkeit problematische Nebenwirkungen hervorrufen.

Das Ergebnis der Studie scheint zunächst den Befürwortern der elektronischen Gesundheitskarte Argumente zu liefern, denn auf der Karte sollen ja in Deutschland zumindest in weiterer Zukunft auch alle Medikamentenverordnungen gespeichert werden. Persell sieht darin jedoch noch keine umfassende Lösung, zumindest für die USA: "Patientenakten oder ähnliche elektronische Aufzeichnungen sind keine Lösung. Denn viele Patienten benutzen ganz alte Rezepte, um sich ihre Medikamente in der Apotheke zu holen, auch dann noch, wenn der Arzt das Medikament oder die Dosierung geändert hat. Die einzige Lösung wäre es, dem Patienten zu sagen: Beim nächsten Mal bringen Sie bitte die Packungen aller Arzneimittel, die Sie zur Zeit einnehmen, hier in die Praxis mit."

• Hier ist eine Pressemitteilung der Northwestern University mit den wichtigsten Ergebnissen: Patients Can't Recall Their Medication to Tell Doctors
• Hier ist der kostenlose Volltext der Veröffentlichung: Stephen D. Persell u.a.: Limited Health Literacy is a Barrier to Medication Reconciliation in Ambulatory Care (J Gen Intern Med 22 (11): 1523-6, DOI: 10.1007/s11606-007-0334-x)

Gerd Marstedt, 22.10.2007