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1140 - 1880

1881 - 1914

1915 - 1932

1933 - 1945

1946 - 1953

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Zeitepoche: 1881-1914
1881

Kaiserliche Botschaft 17. November 1881
 

1882

Robert Koch entdeckt den Tuberkulose-Bazillus
 

1883

"Gesetz betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter" vom 15. Juni 1883 (in den Reichstag eingebracht am 28. April 1882 und mit 216 gegen 99 Stimmen verabschiedet)

Versicherungspflicht für alle Arbeiter sowie Betriebsbeamte, deren Tagesverdienst 6 2/3 Mark nicht überstieg; Gemeinden konnten per statutarische Anordnung die Versicherungspflicht auf weitere Personengruppen ausdehnen

Gesetz galt nicht für Beamte öffentlicher Körperschaften

Befreiungsmöglichkeit für Personen, die im Krankheitsfall mindestens 13 Wochen durch den Arbeitgeber verpflegt und unterstützt wurden

Versicherungsberechtigung für nicht versicherungspflichtige Personen, die bis zu 3.000 Mark im Jahr verdienten

Weiterexistenz der bestehenden Krankenkassen und Gründungsmöglichkeit neuer Kassen (Ortskrankenkassen)

Finanzierung mit Beiträgen (2/3 Versicherte, 1/3 Arbeitgeber) zwischen 1,5 und 6 % des Arbeitsverdienstes

Bei Hilfskassen Beiträge allein von Versicherten

Leistungsanspruch für mindestens 13 Wochen für freie ärztliche Behandlung (Krankenkassen nahmen einzelne Ärzte unter Vertrag), freie Arzneimittelversorgung sowie Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit ab dem 4. Tag nach Eintritt der Krankheit in Höhe von mindestens 50 % des verbeitragten Arbeitsentgeltes

Im Bedarfsfall Übernahme der Kosten einer Krankenhausbehandlung

Sterbegeld mit mindestens dem Zwanzigfachen des Tageslohnes und Wöchnerinnenunterstützung für mindestens vier Wochen nach der Niederkunft (nur, wenn die Frau selber versichert war!)

Grundsätzliches Sachleistungsprinzip

Durch Satzungsbeschlüsse konnten die Kassen gesetzliche Mindestleistungen verbessern: z. B. Krankenunterstützung bis zu einem Jahr, Krankengeld auf 75 % erhöhen, Verdoppelung des Sterbegeldes und Wöchnerinnenunterstützung bis zu sechs Wochen nach der Geburt; außerdem konnten per Satzung Familienangehörige in den Kreis der Leistungsberechtigten einbezogen werden (durch solidarische Finanzierung oder per Zusatzbeitrag)
 

1884

Unfallversicherungsgesetz vom 6. Juli 1884

Der Gesetzgebungsprozess dauerte bereits seit dem 8. März 1881 und wurde durch massive Divergenzen zwischen der Regierung und Teilen des Parlaments z.B. über einen Reichszuschuss von 25 % zu den Ersatzleistungen und die Einrichtung einer Reichsversicherungsanstalt.

Auch wenn die Berufsgenossenschaften reine Unternehmerangelegenheit waren, bestand von Beginn an die Möglichkeit, Vertreter der Versicherten in die Tätigkeit der Genossenschaftsvorstände einzubeziehen. Dies wurde aber zunächst nicht gemacht.
 

1884

Reichskanzler Bismarck am 26.11.1884 im Reichstag: "Wenn es keine Sozialdemokraten gäbe und wenn nicht eine Menge sich vor ihnen fürchtete, würden die mäßigen Fortschritte, die wir überhaupt in der Sozialreform bisher gemacht haben, auch noch nicht existieren."
 

1885

Ca. 11 % der Wohnbevölkerung sind Mitglied in Pflicht- und Ersatzkassen
 

1885

18.971 Krankenkassen; 4,294 Mio. Mitglieder; 4,671 Mio. Versicherte und 10 % Anteil an der Wohnbevölkerung
 

1885

20 % aller Versicherungspflichtigen sind in freien, aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangenen, Hilfskassen versichert und entgehen damit der Versicherung in den gesetzlichen Krankenkassen
 

1885 bis 1903

Insgesamt 11 Abänderungsgesetze zu den drei Sozialversicherungsgesetzen. Inhaltlicher Schwerpunkt war die Ausdehnung des versicherungspflichtigen Personenkreises
 

1888

Österreich: Arbeiterkrankenversicherungsgesetz
 

1889

Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz vom 22. Juni 1889

Altersrente ab dem 70. Lebensjahr

Einführung der Selbstversicherung; Eintrittsmöglichkeit bis zum 40. Lebensjahr
 

1890

Gründung von 31 Renten-Versicherungsanstalten - Vorläufer der Landesversicherungsanstalten ( LVAs )
 

1890

Verhältnis Geld- zu Sachleistungen 1,7:1
 

1892

Erstmals umfassende Regelung der Beziehungen zwischen Krankenkasse und Leistungserbringern: Alle Krankenkassen erhielten Recht ihr Arztsystem, d.h. auch die Zahl und Personen der Kassenärzte in ihrer Satzung zu bestimmen. Außerdem hatten die Kassen die Möglichkeit, die Lieferung von Arzneimitteln nur durch ausgesuchte Apotheker sowie die Kuren in bestimmten Krankenhäusern durchführen zu lassen.
 

1893

Emil von Behring: Serum gegen Diphterie
 

1894

Gründung des "Centralverband von Ortskrankenkassen im Deutschen Reich" als Dachverband der Ortskrankenkassen
 

1895

Wilhelm Conrad Röntgen (vormals Gießen) entdeckt die X-Strahlen / Röntgenstrahlen (x-ray)
 

1896

Inkrafttreten der Preussischen Gebührenordnung (Preugo) für Ärzte, die in ihrer Struktur bis in die letzten Jahre hinein die Struktur der Gebührenordnungen für ambulant tätige Ärzte prägte.
 

1900

Gründung des Hartmannbundes (nach seinem Gründer Hermann Hartmann) als Selbsthilferganisation deutscher Ärzte, die aktiv an der Gesundheitspolitik mitwirken wollen (2009=etwa 62.000 Mitglieder)
 

1901

Boykott der Apotheken durch die Kassen. Grund war die Weigerung der Apotheker die von der Kasse geforderten Rabattsätze zu gewähren
 

1901

Aufbau von Selbstabgabestellen der Krankenkassen für Heilmittel
 

1902

Nach großen karies-statistischen Untersuchungen von Zahnärzten in den Jahren 1894 bis 1902 Gründung von Schulzahnkliniken in Darmstadt und Altona
 

1903

Errichtung der ersten Zahnklinik einer gesetzlichen Krankenkasse durch die Firma Krupp. Vor dem Beginn des ersten Weltkriegs gab es schon 22 Zahnkliniken im gesamten deutschen Reich.
 

1903

"Novelle zum Krankenversicherungsgesetz" vom 25. Mai 1903:

Verdoppelung der Bezugsdauer von Krankengeld auf 26 Wochen

Wöchnerinnenunterstützung von vier auf sechs Wochen erhöht

Streichung der Bestimmung, dass Geschlechtskranken das Krankengeld verweigert werden konnte
 

1911

Nach einer seit 1903 laufenden Diskussion über eine Zusammenfassung der Versicherungen oder zumindest einer Verbindung von Kranken- und Unfallversicherung, kam es zwar nicht zu organisatorischen Lösungen, aber nach der 1908 erfolgenden Veröffentlichung von auch sofort massiv von den einzelnen Sozialversicherungsträgern kritisierten "Grundzügen" zur Verabschiedung der "Reichsversicherungsordnung (RVO)" am 19. Juli 1911, die in zunächst 1.805 Paragraphen das Recht der drei Hauptsäulen der Sozialversicherung in einem in sechs Bücher (Gemeinsame Vorschriften für alle Zweige, Krankenversicherung, Unfallversicherung, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung, Rechtliche Beziehungen der Versicherungsträger zueinander und zu anderen Verpflichteten, Verfahren) gegliederten Gesetzbuch zusammenstellte.

Wichtige strukturelle Bestimmungen der RVO:

"itio in partes"-Prinzip in der Selbstverwaltung, das bedeutet, dass es in bestimmten Fragen (z.B. beim Vorsitzenden oder der Anstellung von bezahlten Kassenbeamten) einer gruppenübergreifenden Einigung bedurfte (1/3 Arbeitgeber hatten damit dasselbe Gewicht wie 2/3 Versichertenvertreter)

Ausdehnung der Versicherungspflicht u.a. auf land- und forstwirtschaftliche Arbeiter, Dienstboten, Arbeiter im Wandergewerbe, Lehrer und Erzieher sowie Lehrlinge

Halbierung der Anzahl der Kassen

Abschaffung der Generalversammlung in Kassen mit weniger 500 Mitgliedern und Einsetzung von Ausschüssen

Erweiterung der Leistungen der Wochenhilfe

Einführung der Hauspflege

Der mit der RVO verbundene Verrechtlichungsschub der Krankenversicherung lässt sich u.a. quantitativ daran ablesen, dass zu den zuvor für sie existierenden 87 Paragraphen 280 hinzu kamen.
 

1911

In dem am 20. Dezember 1911 verabschiedeten "Versicherungsgesetz für Angestellte" wurden die Angestellten im Bereich der Alterssicherung als eine eigenständige soziale Gruppe zwischen Arbeitern und Beamtentum gesellschaftlich anerkannt, abgesichert und letztlich privilegiert (die Beiträge waren höher als die zur Arbeiterrentenversicherung, führten aber auch zu deutlich besseren Leistungen).
 

1911

Einbeziehung der Land- und forstwirtschaftlichen Arbeitnehmer in die GKV
 

1912

Einführung der Witwenrenten für Arbeiter-Rentenversicherte und der Waisenrente in der Arbeiterrentenversicherung bis zum 15. und der Angestelltenrentenversicherung bis zum 18. Lebensjahr
 

1913

Das so genannte "Berliner Abkommen" vom 23. Dezember1913 führte erstmalig und zunächst nur für einige Krankenkassen eine Verhältniszahl für die Anzahl der Kassenärzte (mindestens ein Arzt auf 1.350 Versicherte) ein, und damit ein Zulassungsrecht. Dies wurde dann 1923 generalisiert.

Beginn der Vertragsgestaltung durch Kollektivverträge und Einzelverträge nur noch mit der Zustimmung eines paritätisch besetzten Vertragsausschusses. Einschränkung der Vertragsfreiheit der Kassen beim Abschluss von Arztverträgen. Anstellungsautonomie der Krankenkassen für die von ihnen beschäftigten Ärzte wurde beseitigt.
 

1913

Ersterscheinen von Mosse/Tugendreich "Krankheit und soziale Lage"
 

1913

21.492 Krankenkassen; 14,556 Mio. Mitglieder; 23,000 Mio. Versicherte und 34,3 % Anteil an der Wohnbevölkerung
 

1914

Inkrafttreten der "Reichsversicherungsordnung" (RVO) am 1. Januar 1914
 

1914

Durch ein Krankenkassennotgesetz wurden alle Mehrleistungen gestrichen und die Beiträge für die Dauer des Krieges auf 4,5 % des Grundlohns festgeschrieben.