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1140 - 1880

1881 - 1914

1915 - 1932

1933 - 1945

1946 - 1953

1954 - 1969

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Verwissenschaftlichung von Sozial- und Gesundheitspolitik

Zeitepoche: 1933-1945
1933

Entwicklung der Allgemeinen Deutschen Gebührenordnung (ADGO) des Hartmann-Bundes als Weiterentwicklung der Preussischen Gebührenordnung (Preugo) für Ärzte
 

1933

Erste Röntgenröhre in Kugelform wird auf den Markt gebracht. Sie hält hohe Belastungen aus, kann direkt ans normale Stromnetz angeschlossen werden und prägt die Röntgengeräte bis in die 1980er Jahre.
 

1933

Am Ende der Weimarer Republik waren 60 % der Bevölkerung gesetzlich krankenversichert.
 

1933

Mit der "Verordnung über die Krankenversicherung" vom 1. März 1933, der ersten sozialpolitischen Maßnahme der nationalsozialistischen Regierung und der "Verordnung zur Neuordnung der Krankenversicherung" vom 17. März 1933 wurde die Möglichkeit geschaffen, Kommissare in der GKV einzusetzen und die Kassenverbände unter die Aufsicht des Arbeitsministeriums zu stellen. Der Reichskommissar für den Hauptverband Deutscher Krankenkassen löste u.a. die Eigeneinrichtungen der Ortskrankenkassen (z.B. Kliniken, Labore, Ambulatorien, Selbstabgabestellen für Heil- und Hilfsmittel) auf. Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen-Spitzenverbände.
 

1933

Das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 ermöglichte es auch, Kassenangestellte wegen "nichtarischer" Abstammung oder "staatsfeindlicher" politischer Aktivitäten zu entlassen. Etwa 2.500 bis 4.000 der insgesamt bei den Ortskrankenkassen beschäftigten Angestellten wurden wegen ihrer politischen Einstellung entlassen, d.h. maximal 22%. In der AOK Berlin waren es sogar über 50% und in den Unterweserstädten knapp unter 50%. Im "Hauptverband deutscher Krankenkassen" wurden sogar alle 27 Angestellten entlassen. Gleichzeitig wurden für 103 Kassen und 41 Kassenverbände staatliche Kommissare eingesetzt - 91 allein bei den Ortskrankenkassen.
 

1933

Durch das "Gesetz über die Ehrenämter in der sozialen Versicherung und der Reichsregierung" vom 18. Mai 1933 konnten Inhaber von Ehrenämtern auf Vorschlag von NS-Organisationen suspendiert werden und diese Ämter mit eigenen Anhängern besetzt werden. Dies war der Beginn der faktischen Beseitigung der Selbstverwaltung. Betroffen waren davon 32.026 ehrenamtliche Vorstandsmitglieder und 94.494 Ausschussmitglieder, die überwiegend Gewerkschaftsmitglieder waren.
 

1933

Durch die Verordnung zum Zulassungsrecht für Ärzte vom 22. April 1933 wurden nichtarische sowie Ärzte, die sich kommunistisch betätigt hatten von der Zulassung zur ärztlichen Tätigkeit ausgeschlossen. Dies betraf bis Ende 1933 rd. 2.800 oder 8 % aller Kassenärzte.
 

1933

Mit der Verordnung vom 2. August 1933 wurde die streng nach dem Führerprinzip verfasste Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands (KVD) alleiniger Träger der Beziehungen von Kassenärzten zu den Krankenkassen, was das Ende einzelvertraglicher Beziehungen zwischen Ärzten und Kassen bedeutete.
 

1933

Rückkehr vom Umlageverfahren zum Anwartschaftsdeckungsverfahren in der GRV
 

1933

Zerschlagung der Selbstabgabestellen für Heilmittel der Krankenkassen nach vorheriger Schwächung durch Herabsetzung der Rabatte, die Apotheken den Kassen gewähren mussten.
 

1933

Per Verordnung vom 28. Dezember 1933 wurde die Rezeptblattgebühr auf 15 Reichspfennige herabgesetzt
 

1933

"Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses" vom 14.Juli (Erbgesundheitsgerichte, Zwangssterilisation)
 

1934

Das "Gesetz über den Aufbau der Sozialversicherung" vom 5. Juli 1934 verfolgte das zunächst harmlos oder sogar berechtigt wirkende Ziel "die Zersplitterung und Unübersichtlichkeit in der Sozialversicherung zu beseitigen und durch eine einheitliche Zusammenfassung ihre Leistungsfähigkeit zu stärken" (Präambel des Gesetzes). Neben der Zusammenlegung von Kassen und der Zusammenlegung von parallelen Aktivitäten der Krankenkassen und Landesversicherungsanstalten (LVAen) erfolgte aber ein tiefgreifender personeller und organisatorischer Umbau. Dies bedeutete konkret die endgültige Entfernung jüdischer und sozialdemokratischer Beschäftigten, die Abschaffung der Sozialwahlen zur Selbstverwaltung und stattdessen die Einsetzung eines "Leiters". In den ihnen zur Seite gestellten "Beiräten" saßen bestellte "Betriebsführer" und Arbeitnehmervertreter aus der "Deutschen Arbeitsfront". De facto kontrollierten die LVAen durch die Übertragung von "Gemeinschaftsaufgaben" an sie die Krankenkassen.
 

1934

Das "Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens" vom 3. Juli 1934 sah u.a. vor, ab dem 1. April 1935 staatliche Gesundheitsämter einzurichten. Deren wesentliche Aufgabe bestand in der einheitlichen und flächendeckenden Umsetzung des sozialdarwinistischen und faschistischen Erbgesundheitsgesetzes ("Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses") vom 14. Juli 1933
 

1935

Mit dem "Social Security Act" oder auch "Old Age Pension Act" vom 14. August 1935 wird die aus Beiträgen und Steuern finanzierte staatliche Rentenversicherung der USA gegründet und existiert bis heute
 

1935

Fast ein Drittel der nichtjüdischen deutschen Ärzte, d.h. 14.500 Ärzte waren bereits Mitglied im NSD-Ärztebund. Die Ärzte waren damit eine Berufsgruppe, die sich mit am stärksten in NS-Organisationen organisierte.
 

1935

Die Überführung weniger leistungsfähiger Krankenkassen in andere wird durch die "10. Ausführungsverordnung zum Aufbaugesetz" vom 26. September 1935 ermöglicht
 

1935 bis 1937

Neuregelung des Rechts der Ersatzkassen durch verschiedene Aufbauverordnungen zum Aufbaugesetz von 1934:

Völlige Integration der Ersatzkassen in das Gefüge der Reichsversicherung (bestehende Ersatzkassen werden zu Körperschaften öffentlichen Rechts erklärt) und Unterstellung der Reichsaufsicht

Trennung in Ersatzkassen für Arbeiter und Angestellte

Neue Ersatzkassen können nicht mehr gegründet werden
 

1936

Durch die Verordnung über das Verbot von Preiserhöhungen vom 26. November 1936 gab es auch einen Preisstopp für die Krankenhausleistungen mit entsprechendem Ausbaustopp bis Ende des 2. Weltkrieges und auch noch einige Jahre danach.
 

1936

Finanzierung der Kliniken erfolgte bis 1936 im Rahmen der Vertragsfreiheit; danach wurden Preiserhöhungen verboten.
 

1937

4.625 Krankenkassen; 11,292 Mio. Mitglieder
 

1938

Die "Verordnung" vom 14. April 1938 schrieb den Sozialversicherungsträgern vor, fast drei Viertel ihres Vermögens in Reichs- oder Staatsanleihen anzulegen. Dies trug dazu bei, dass die Sozialversicherung nach 1945 materiell ausgelaugt war.
 

1938

Adolf Hitler erklärt am 25. Juli 1938 "die vollkommene Ausschaltung der jüdischen Ärzte". Diese stellten 1933 nach NS-Maßstäben 13% aller in Deutschland praktizierenden Ärzte.
 

1938 bis 1943

Laufende Erweiterung des Kreises der Pflichtversicherten aus oft allgemeinpolitischem Interesse an der Integration für wichtig erachteter Gruppen. Dies galt für kleine Selbständige oder Hebammen, Wochenpflegnerinnen und Kriegshinterbliebene
 

1938

Zwangsmitgliedschaft der Ärzte in der Reichsärztekammer und der "Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands", die allein für die Verteilung der Vergütung für ärztliche Leistungen zuständig war.
 

1938

Versicherungspflicht für Handwerker in der Angestellten-Rentenversicherung
 

1939

Verabschiedung des Heilpraktikergesetzes in dem die Vorbedingungen für die Berufstätigkeit des Heilpraktikers erstmals geregelt werden.
 

1941

Aufnahme der Rentner in die Krankenversicherung bei Übernahme der pauschalierten Beiträge 1941 = 3,30 Reichsmark pro Monat) durch die Rentenversicherung
 

1938

Ausstattung der Jugendzahnpflege: über 170 motorisierte Schulzahnkliniken bzw. -einrichtungen mit 470 haupt- und 1.500 nebenamtlichen Schulzahnärzten
 

1941 bis 1945

Anders als in den Jahren davor gab es nach Beginn des 2. Weltkriegs eine Reihe von Leistungsverbesserungen:

Krankenpflege erfolgte unbegrenzt

Krankengeldzahlung per Gesetz für 26 Wochen und per Satzung bis 52 Wochen

Gleichstellung von Versicherten und Familienangehörigen, Beseitigung der Krankenscheingebühr und Erhöhung der Rezeptgebühr auf 50 Reichspfennig mit einer "Verordnung" vom 17. März 1945
 

1941 / 42

Ablösung des Beitragsmarkenverfahrens durch das Lohnabzugsverfahren
 

1941

Eheschließung nur zulässig, wenn beide Partner dem Standesbeamten "Eheunbedenklichkeitsbescheinigung" des Gesundheitsamtes vorlegen
 

1942

Veröffentlichung der "Denkschrift über Sozialversicherung" des konservativen britischen Sozial- und Wirtschaftspolitikers William Beveridge (Baron of Tuggal), welche die britische Sozialgesetzgebung u.a. für den steuerfinanzierten staatlichen "National Health Service (NHS)" im Jahr 1946 vorbereitete.
 

1943

Der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt spricht in seiner "State of the Union message" erstmals für die USA von einer Sozialversicherung, die von der "Wiege bis zum Grab" ("from the cradle to the grave") reichen solle.
 

1944

Der US-"The Social Security Board" empfiehlt in seinem Jahresbericht das erste Mal eine nationale Pflicht-Gesundheitsversicherung für die USA.
 

1945 bis 1948

Bestrebungen von SPD, den Verfassungen der Länder Hessen, Bremen und Rheinland-Pfalz, in Berlin und der "Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)" zur Bildung einer "einheitlichen Sozialversicherung"
 

1945

Gründung der Deutschen Zentralverwaltung für das Gesundheitswesen in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) am 15. April 1945.

Die wichtigen Entwicklungsetappen des Gesundheitswesens der SBZ und späteren "Deutschen Demokratischen Republik (DDR)" nachzuzeichnen ist aus mehreren Gründen nur eingegrenzt möglich. Zum einen lässt sich das Gesundheitswesen der DDR nicht problemlos auf andere Erfahrungen abbilden, etwa weil das System der Kinderkrippen dem Gesundheitssystem zugerechnet war, was für die Finanzierungsstruktur, die Personalentwicklung wie auch für die wissenschaftlichen Aufgaben Folgen hatte. Des weiteren waren zumindest teilweise wissenschaftliche Institutionen und Gremien, aber auch einzelne Wissenschaftler mit ihren z.T. sehr spezifischen Forschungsinteressen und -ergebnissen in die Vorbereitung politischer Entscheidungen maßgeblich eingebunden, was den gesamten gesundheitspolitischen Mechanismus beeinflusst hat. Eine der Folgen war ein mindestens latentes Konfliktpotenzial zwischen medizinischen Forschungsinteressen und versorgungsseitigen Bedarfslagen. Vor dem Hintergrund vielfältiger politischer und wirtschaftlicher Krisensituationen war dem Gesundheitswesen immer auch die Funktion zugewiesen, staatliche Stabilität zu gewährleisten. Erheblich konfliktträchtig war die Gesundheitspolitik zwischenzeitlich immer wieder bei teilpolitischen Interessenkonflikten jedoch gleichzeitigem Anspruch einem gesamtgesellschaftlich verantworteten und integrierten, gleichsam impliziten Gesundheitsschutz.
 

1945

Gründung der Versicherungsanstalt Berlin (VAB) durch die "Anordnung über den Wiederaufbau der Sozialversicherung" des Magistrats in Berlin vom 14. Juli 1945, die alle Zweige der Sozialversicherung umfasste. Die VAB wurde paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziert. Der Beitrag betrug 20 % vom Bruttoeinkommen mit einem Oberlimit.
 

1945

Ende 1945 ordnete die amerikanische Besatzungsregierung in Bremen und Bremerhaven die Schließung aller Sonderkassen an und wies der Ortskrankenkasse das Versicherungsmonopol und das Vermögen der anderen Kassen zu.