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1140 - 1880

1881 - 1914

1915 - 1932

1933 - 1945

1946 - 1953

1954 - 1969

1970 - 1976

1977 - 1993

1994 - 2009

 

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Arzneimittelregulation

Arztprofession

DDR

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Selbstverwaltung, Repräsentation von Versicherteninteressen

Soziales Klima

Vereinigungsprozess

Verhältnis Sach- und Geldleistungen in der GKV

Verschiebebahnhof-Politik

Versicherungsschutz

Verwissenschaftlichung von Sozial- und Gesundheitspolitik

DDR
1945

Gründung der Deutschen Zentralverwaltung für das Gesundheitswesen in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) am 15. April 1945.

Die wichtigen Entwicklungsetappen des Gesundheitswesens der SBZ und späteren "Deutschen Demokratischen Republik (DDR)" nachzuzeichnen ist aus mehreren Gründen nur eingegrenzt möglich. Zum einen lässt sich das Gesundheitswesen der DDR nicht problemlos auf andere Erfahrungen abbilden, etwa weil das System der Kinderkrippen dem Gesundheitssystem zugerechnet war, was für die Finanzierungsstruktur, die Personalentwicklung wie auch für die wissenschaftlichen Aufgaben Folgen hatte. Des weiteren waren zumindest teilweise wissenschaftliche Institutionen und Gremien, aber auch einzelne Wissenschaftler mit ihren z.T. sehr spezifischen Forschungsinteressen und -ergebnissen in die Vorbereitung politischer Entscheidungen maßgeblich eingebunden, was den gesamten gesundheitspolitischen Mechanismus beeinflusst hat. Eine der Folgen war ein mindestens latentes Konfliktpotenzial zwischen medizinischen Forschungsinteressen und versorgungsseitigen Bedarfslagen. Vor dem Hintergrund vielfältiger politischer und wirtschaftlicher Krisensituationen war dem Gesundheitswesen immer auch die Funktion zugewiesen, staatliche Stabilität zu gewährleisten. Erheblich konfliktträchtig war die Gesundheitspolitik zwischenzeitlich immer wieder bei teilpolitischen Interessenkonflikten jedoch gleichzeitigem Anspruch einem gesamtgesellschaftlich verantworteten und integrierten, gleichsam impliziten Gesundheitsschutz.
 

1947

Gesundheitspolitische Richtlinien der SED, Anknüpfung an die gesundheitspolitischen Forderungen der SPD und der KPD in der Weimarer Republik, insbesondere

Gesundheitsschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, der Wahrnehmung dem Staat und gesellschaftlichen Organisationen übertragen ist

Materielle Sicherstellung des Gesundheitswesen und die Finanzierungsträger der Sozialversicherungsleistungen sind zu trennen

allgemeine zugängliche und unentgeltliche Behandlung bei freier Arztwahl

prophylaktische Orientierung (Gesundheitsschutz und Betreuung statt Versorgung)

Bedarfsorientierung

poliklinisch organisierte ambulante Versorgung
 

1947

Verordnung "Über die Verbesserung der Versorgung der Versicherten und ihre Heranziehung zur Teilnahme an der Arbeit für die Sozialversicherung" (Begründung des Betriebsgesundheitswesens)
 

1949

Anordnung der Deutschen Wirtschaftskommission über den Aufbau der Gesundheitsverwaltung vom 2. März 1949, welche die Phase der Zentralisierung in der Gesundheitspolitik einleitete.
 

1949

In einer Anordnung der Deutschen Wirtschaftskommission vom 9. Februar 1949 wird von einer Einrichtung von Polikliniken ausgegangen, welche in Verbindung zu Krankenhäusern stehen. Außerdem soll eine stärkere Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung angestrebt werden.
 

1949

Verfassung der DDR mit der Definition folgender gesundheitlicher Grundrechte:

Artikel 16: Anspruch auf Erholung, Urlaub, Versorgung bei Krankheit und im Alter...einheitliche Sozialversicherung auf der Grundlage der Selbstverwaltung der Versicherten

Artikel 18: Arbeitsbedingungen müssen so beschaffen sein, dass die Gesundheit ... gesichert ist ... Frauen haben besondere Schutzrechte im Arbeitsverhältnis.

Artikel 32: Mutterschutz

Artikel 33: Diskriminierungsverbot für außereheliche Geburten
 

1949

Mit den Anordnungen der Deutschen Wirtschaftskommission vom 23. Februar 1949 und vom 23. März 1949 zur Niederlassung der Ärzte und Zahnärzte wurde die freie Niederlassung der Ärzte in der DDR nur in begrenzten Ausnahmefällen zugelassen.
 

1949

Gesetz zum Schutz der Arbeitskraft der in der Landwirtschaft Beschäftigten
 

1950

Die Anzahl der meist selbständigen Polikliniken außerhalb von Unikliniken beträgt 132.
 

1950

Gründung des Ministeriums für Gesundheitswesen
 

1950

Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz, Gesetz über die Rechte der Frau
 

1950

Verordnung über die Sozialversicherungspflicht der Studenten, Hoch- und Fachschüler
 

1950

VO über die Neuwahl von Bevollmächtigten der Sozialversicherung
 

1950

Einführung der Schulspeisung an allen Grund-, Über-, Hoch und Fachschulen sowie in Kindergärten und Kindertagesstätten
 

1950

Rechtliche Regelung zu den Berufskrankheiten
 

1950

Gründung des Ausschusses Arbeit und Gesundheitswesen der Volkskammer
 

1951

Verordnung über die Sozialversicherung
 

1951

Verordnung zum Schutz der Arbeitskraft
 

1951

Eröffnung der 1. Gesundheitseinrichtung, die ein Krankenhaus und eine Poliklinik integriert
 

1951

Erstmalige Durchführung einer sog. Gesundheitswoche im Verwaltungskreis Grevesmühlen
 

1951

Übertragung der Verantwortung und Finanzierung des betrieblichen Gesundheitswesens an das staatliche Gesundheitswesen.
 

1952

Ab 1952 Schaffung eines dichten Netzes von Beratungsstellen für Schwangere, Mütter, Kinder und Jugendliche
 

1952

Verordnung über die Meldung von Geschwulstkrankheiten
 

1952

Schaffung der sportärztlichen Beratungsstellen
 

1952

Gründung des DRK
 

1952

Durch eine staatliche "Arbeitsrichtlinie" vom 19. März 1952 wurde der Aufgabenbereich der Einrichtungen des betrieblichen Gesundheitswesens auf die Behandlung der Betriebsangehörigen und auch ihrer Angehörigen ausgedehnt. Erst danach kamen die betriebsbezogenen prophylaktischen Aufgaben zum Zuge.
 

1952

Gründung der Hygieneinspektionen
 

1953

Die Anzahl der jetzt meist mit Krankenhäusern verbundenen Polikliniken außerhalb von Unikliniken beträgt 260.
 

1953

Rechtliche Regelung über die Finanzierung der Aufwendungen für betriebliche Kultur-. Sozial-, Gesundheits-, Ausbildungs- und sonstige Einrichtungen und Zwecke
 

1953

Schaffung von Ärzteberatungskommissionen (analog vertrauensärztlicher Dienst)
 

1954

Beschluss des Ministerrats über die weitere Entwicklung des Gesundheitsschutzes in der DDR vom 8. Juli 1954.
 

1954

Mit der 9. Durchführungsbestimmung zum Gesetz über den Staatshaushalt vom 26. April 1954 wurde das Betriebsgesundheitswesen endgültig als Aufgabe des staatlichen Gesundheitswesen geregelt.
 

1954

Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau
 

1954

Schaffung integrierter Betreuungs- und Beratungsstellen für speziell exponierte Bevölkerungsgruppen und Indikationsbereiche, in Anlehnung an französische, britische und skandinavische Entwicklungen seit dem 17. Jahrhundert Dispensaires genannt
 

1954

Anordnung über regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche, Anordnung über die Jugendzahnpflege
 

1954

Ab 1954 erhebliche Zunahme der Abwanderung von Ärzten, Zahnärzten und Apothekern in die Bundesrepublik (Anzahl entsprach zeitweilig der Hälfte der Studienabgänger)
 

1954

Gründung des "Zentralinstituts für medizinische Aufklärung" für die in der DDR schon früh für sehr wichtig erachtete Gesundheitserziehung
 

1955

Bildung von Inspektionen für Arbeitsschutz und technische Sicherheit
 

1955

Ab 1955 wachsende politische Auseinandersetzungen um die wissenschaftliche Grundlagen der Medizin mit deutlich wissenschaftsfeindlichen Tendenzen besonders gegen die biologische Forschung, die Psychosomatik und in wachsendem Maße auch gegen die Sozialepidemiologie.
 

1957

Richtlinien für die Arbeit in den Einrichtungen des Betriebsgesundheitsschutzes
 

1958

Obwohl die Anzahl der frei niedergelassenen Ärzte gewollt sank, versorgten diese Ärzte 1958 50,2 %, die Polikliniken und Ambulatorien 37,7 % und die Einrichtungen des Betriebsgesundheitswesens 12,1 % aller ambulanten Behandlungsfälle.
 

1958

Einrichtung so genannter "Staatlicher Arztpraxen" insbesondere auf dem Land mit angestellten Ärzten (oftmals ältere Praxisinhaber) und Entwicklung eines Mischkonzepts zwischen zentraler und dezentralen Versorgungseinrichtungen.
 

1958

Gründung des medizinischen Dienstes des Verkehrswesens
 

1959

Anteil der durch staatliche Einrichtungen behandelten Behandlungsfälle stieg auf 54 %.
 

1960

Gesundheitskonferenz der DDR in Weimar mit dem Bemühen einer Neuorientierung der gesundheitspolitischen Programmatik
 

1961

Der Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung beim Minister für Fragen der Wiedervereinigung der Bundesrepublik veröffentlicht Übergangsregeln auf dem Gebiet des Gesundheitswesens im Falle der Wiedervereinigung: ..."die öffentlichen Einrichtungen zur ambulanten Behandlung (Polikliniken, Ambulatorien und der gleichen) sollen Gemeinschaften privater Ärzte zur Verfügung gestellt oder überlassen werden. aus der werkärztlichen Tätigkeit im Betrieb sind die ihr wesensfremden Aufgaben der medizinischen Behandlung herauszunehmen. ...Die dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund seinen Einzelgewerkschaften sowie der Deutschen Versicherungs-Anstalt) der DDR, e.A.) übertragenen politischen, organisatorischen und finanziellen Befugnisse für die Sozialversicherung erlöschen. ... Der Haushalt der Sozialversicherung soll nicht mehr Bestandteil des Etats der Sowjetischen Besatzungszone sein."
 

1962

Gemeinsame Anweisung des Ministeriums für Volksbildung und des Ministeriums für Gesundheitswesen zu Verstärkung der Erziehung der Schüler und Kinder zu hygienischen Verhaltensweisen und zur Gewährleistung der hygienischen Sicherheit in den Einrichtungen der Volksbildung
 

1962

Konstituierung des Rates für Planung und Koordinierung der medizinischen Wissenschaft
 

1963

Neuordnung der staatlichen Hygieneinspektion auf den Gebieten Lebensmittel- und Ernährungshygiene, Infektionsschutz, Impfwesen, Hygiene gesellschaftlicher (öffentlicher ) Einrichtungen, Bauhygiene, Lärmhygiene, Lufthygiene, Desinfektion und Sterilisation einschl. Wäschereihygiene, Medizinische Parasitologie
 

1963

Perspektivplan der medizinischen Wissenschaft und des Gesundheitswesens mit den Zielen Sicherung des wissenschaftlichen Vorlaufs und Ausbau des Gesundheitsschutzes
 

1963

1. Internationale Symposium über Psychiatrische Rehabilitation, Verabschiedung der sog. "Rodewischer Thesen" zur Reform der psychiatrischen Therapie
 

1965

Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten
 

1966

Nationales Symposium zur Facharztausbildung
 

1967

Facharzt/Fachzahnarztordnung, Festlegung einer obligatorischen 5jährigen Facharztausbildung für alle 33 Fachrichtungen, darunter zum Facharzt für Allgemeinmedizin und zum Fachzahnarzt für allgemeine Stomatologie
 

1967

Parteitag der SED mit Beschlussfassungen bis 1975 zur Prävention und zur Verbesserung der Qualität und Effektivität medizinischer Versorgungsleistungen und Festlegungen zur Überwindung von Mängeln in der ambulanten medizinischen Versorgung
 

1967

Symposion des Rates Planung und Koordinierung für Medizinische Wissenschaft "Sozialismus, wissenschaftliche -technische Revolution und Medizin", Ziel: Konzentration der medizinischer Forschung auf ausgewählte Schwerpunktthemen von vorrangiger praktischer Bedeutung
 

1967

Neufassung der Schulordnung, u.a. mit der Festlegung von pädagogischen Maßnahmen zur Sicherung der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen
 

1967

Neufassung des Impfkalenders Tbc, Poliomyelitis, Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Pocken, Masern, Influenza
 

1968

Begründung der verfassungsrechtlichen Rechte und Pflichten bezüglich der Gesundheit durch die Verfassung

Analog: Kindergartenordnung
 

1968 / 1969

III: Studienreform, u.a. Einführung des Diploms als erste medizinische Graduierungsstufe
 

1969

Anordnung zur Sicherung des Rechts auf Arbeit für Behinderte
 

1970

Verschärfung von materiellen und technischen Defiziten in der Ausstattung der Einrichtungen des Gesundheitswesens, Auflösung von stark zentralisierten und überregional vereinigten Gesundheitseinrichtungen, den sog. Vereinigten Gesundheitseinrichtungen (VEG), ursprünglich gebildet, um den Verwaltungsaufwand zu reduzieren und den inhaltlichen Zusammenhang unterschiedlicher Leistungsbereiche besser zu integrieren
 

1972

Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft
 

1972

Anordnung über die Förderung von Studentinnen mit Kind und von schwangeren Studentinnen
 

1972

Anordnung über die Förderung und finanzielle Unterstützung von Müttern im Lehrverhältnis
 

1972

Einführung des PKU-Screenings
 

1972

Parteitag der SED beschließt die Strategie der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, Gesundheit sollte zum Bestandteil "der von den Bürgern mitgestalten Lebensweise" werden, Stadt-Land-Unterschiede in der medizinischen Versorgung sollten abgebaut werden, Qualitätsfragen der Prävention, Diagnostik und Behandlung thematisiert und die Beziehungen von Bürgern und Ärzten, bzw. Mitarbeitern des Gesundheitswesens verbessert und demokratisiert werden.
 

1972

Konferenz der Kreisärzte in Gera mit einer deutliche kritischen Analyse der Leistungsfähigkeit und Qualität der medizinischen und zahnärztlichen Grundversorgung
 

1972

Freigabe des Schwangerschaftsabbruchs
 

1972

Ab 1972 komplexe Programme zur Verbesserung der Qualifikation der Leitungen von Gesundheitseinrichtungen
 

1973

Beschluss über die Hauptrichtungen der Sozial- und Gesundheitspolitik "Gemeinsamer Beschluss des Politbüros der SED, des Ministerrats und des Bundesvorstandes des FDGB, u.a. mit Festlegungen zur Verbesserung der medizinischen Grundversorgung speziell in der Allgemeinmedizin und der Kinderheilkunde, Verbesserung der Versorgung in Arbeiterzentren, Abbau von Diagnostik- und Wartezeiten
 

1973

Anordnung über die Aufgaben und die Arbeitsweise von Kinderkrippen
 

1973

DDR wird Mitgliedsstaat der Weltgesundheitsorganisation
 

1974

Programm zur Investitionssteigerung im Gesundheitswesen bis 1980 um 230 %, Ausbau der Dringlichen Medizinischen Hilfe, der Intensivtherapie, der Dialysezentren, der Unfall- und Kinderchirurgie und der Urologie sowie der Zentren für Herz-, Neuro- und Transplantationschirurgie
 

1974

Etwa ab 1974 sozialepidemiologische Studien werden zunehmend erschwert, während gleichzeitig klinische Interventionsstudien, Screeningprogramme zur Gesundheitsüberwachung und Gesundheitserziehungskonzepte an Bedeutung gewinnen
 

1974

Umwandlung der Berufsausbildung mittlerer medizinischer Berufsgruppen in eine Fachschulausbildung
 

1974

Verfassung der WHO vom 22. Juni 1946 in der Fassung vom 28. Mai 1959 wird per Gesetz als für die DDR als bindend anerkannt
 

1975

Einführung verbindlicher Screenings zur Früherfassung und Frühförderung entwicklungsgestörter Kinder
 

1975

Maßnahmen zur Verbesserung ärztlicher Hausbesuchsdienste ab 1975
 

1976

Absolventen von medizinischen Fachschulen erhalten das Bewerbungsrecht auf eine Medizinstudium
 

1976

Maßnahmen zur Messung und Beurteilung der Qualität und Wirksamkeit medizinsicher Leistungen durch Leistungsvergleiche und den sog. sozialistischen Wettbewerb anhand Qualitätskennziffern
 

1977

Arbeitsgesetzbuch der DDR
 

1977

Etwa ab 1977 Studien zu den Gesundheitsproblemen der DDR-Bevölkerung verweisen zunehmend auf Stagnation und z.T. auf die Verschlechterung von epidemiologischen Daten und signalisieren so die zunehmende wirtschaftliche und soziale Krise
 

1977

Die medizinisch-wissenschaftlichen Gesellschaften beginnen in der Zeitschrift für ärztliche Fortbildung medizinische Leitlinien für ausgewählte häufige Behandlungskrankheiten etwa ab 1977 zu veröffentlichen.
 

1978

Bildung von betrieblichen Rehabilitationskommissionen
 

1978

Verordnung über das Betriebsgesundheitswesen und die Arbeitshygieneinspektion
 

1978 / 79

Ende 1970er Jahre: Experimente mit einem so genannten Bereichsarztsystem, etwa analog zum britischen "gatekeeping", wird wegen der Einschränkung der freien Arztwahl nach Protesten aus der Bevölkerung und der Gewerkschaften wider zurückgenommen
 

1979

Rahmenkrankenhausordnung mit dem Ziel der Profilierung der Krankenhäuser und der effektiveren Einheit von Krankenhaus und angeschlossener Poliklinik
 

1979

Ende der 1970er Jahre: Verschärfung der wirtschaftlichen Krise, u.a. infolge hoher Rüstungsaufwendungen, Reduzierung der billigen Erdöllieferungen der Sowjetunion an die DDR, Verschärfung subventionsbedingte Disproportionen zwischen Warenwerten und -preisen von negativen Folgen für die Wirtschaftszyklen und auch für die materielle Absicherung der Krankenversorgung und den vorbeugenden Gesundheitsschutz besonders an den Arbeitsplätzen und im Umweltschutz

Es entstehen Forderungen ineffektive und wirtschaftlich nicht leitbare Projekte besonders des vorbeugenden Gesundheitsschutzes aufzugeben und sich stärker auf die Hochleistungsmedizin (auch mit Exportinteressen) zu konzentrieren, zulasten der Verhältnisprävention wird die Gesundheitserziehung verstärkt propagiert und das gesundheitsgerechte Verhalten als Merkmal einer "sozialistischen Persönlichkeit" propagiert. Der Medizin soll in der Prävention nur noch die Rolle der Bekämpfung von Risikofaktoren zugewiesen sein.
 

1980

Einführung der International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps
 

1981

Anweisung über die Arbeit der Bezirks- und Kreisärzte mit beauftragten und beratenden Ärzten sowie mit beratenden Gremien im Gesundheits- und Sozialwesen: Grundlage für die Qualitätsverbesserung der Diabetikerbetreuung, der Dispensairebetreuung Nierenkranker, der Früherkennung von Geschwulstkrankheiten und der Betreuung von Geschwulstkranken (Dispensaires sind am ehesten mit Disease Management Programmen zu vergleichen)
 

1982

Forderungen nach einer Effektivitätserhöhung der medizinischen Versorgung werden nachdrücklicher, in der wissenschaftlichen Arbeit und in der Praxis wird die Rolle der Gesundheitsökonomie intensiver diskutiert, der Druck, die medizinische Versorgung stärker über den Wettbewerb zu steuern gewinnen ab 1982 (wieder) an Bedeutung
 

1982

Einrichtung des 1. Studiengangs "Diplomkrankenpflege"
 

1983

7. Nationale Konferenz für Gesundheitserziehung
 

1984

18 Bezirkskrankenhäuser werden von der Akademie für ärztliche Fortbildung, mit eigenen Lehrstühlen für die ärztliche Fortbildung sowie mit Promotionsrecht in allen Fachrichtungen, als Fortbildungszentren für ambulant arbeitende Ärzte benannt. Die bevorzugte Fortbildungsform wurden Gruppenhospitationen.
 

1984

Studie zum wissenschaftlichen Vorlauf für eine umfassenden Prophylaxe im Auftrag des Rates für Medizinische Wissenschaft mit erheblichen Kontroversen um die Perspektiven der Prävention mit einer erneuten positiven Anerkennung verhältnispräventiver Konzepte. Es bleibt jedoch schwierig, zu den sozialepidemiologischen Grundlagen empirisch zu forschen.
 

1985

Gesetz über die örtlichen Volksvertretungen, Regelung der Aufgaben und Zuständigkeiten für das Gesundheits- und Sozialwesen, der Zusammenarbeit mit dem DRK, der Volkssolidarität und die Kontrolle der Versorgungseinrichtungen
 

1986

Mängel in der Versorgung mit Arzneimitteln, Instrumenten und Verbrauchsmaterialen verschärfen sich, ebenso Mängel in der Grundversorgung in Großstädten und Industriezentren
 

1986

Das Politbüro der SED befasst sich außergewöhnlich kritisch mit "Informationen über die Entwicklung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung der DDR und mit Schlussfolgerungen für die Entwicklung des Gesundheitsschutzes".

Als Ursachen bzw. besondere Probleme werden herausgestellt: Mängel im gesundheitsgerechten Verhalten, "ungenügende Nutzung der Möglichkeiten zur psychischen Konditionierung", die Übergewichtigkeit, das Rauchen, der Alkoholmissbrauch und die Unfähigkeit vieler Menschen Probleme und Konflikte zu bewältigen; wiederum wurde der Verhaltensprävention der Vorrang vor der Wahrnehmung der sozialepidemiologischen Tatsachen, insbesondere der sozialen Stagnation gegeben.
 

1988

Beginn der Vorbereitungen zu einer "Nationalen Gesundheitskonferenz" der SED, der Regierung und der Gewerkschaften mit dem Ziel der Vorbereitung einer umfassenden Gesundheitsreform
 

1989

Nationale Gesundheitskonferenz in Berlin vom 27. Bis 29. September 1989
 

1989

Ab Oktober 1989: Beginn der Auflösung der DDR und Bildung vielfältiger politischer Initiativen von Einzelgruppen deren Ziel von gesundheitspolitischen Reformen des DDR-Gesundheitssystems bis zu dessen grundlegender Transformation reichten
 

1989

Im Gesundheits- und Sozialwesen der DDR arbeiten 584.000 Beschäftigte, darunter 52.150 Ärzte und Zahnärzte. Die Versorgung erfolgte in 626 Polikliniken mit mindestens 4 Fachabteilungen, darunter 151 Betriebspolikliniken, 248 in organisatorischer Einheit mit Krankenhäusern, 1020 Ambulatorien mit bis zu drei Fachrichtungen 1.635 staatlichen Arztpraxen, 912 Zahnarztpraxen, 312 Ärzten und 447 Zahnärzten in eigener Praxis sowie 1.063 Krankenhäusern
 

1990

Im Februar 1990 erfolgten erhebliche Lohn- und Gehaltserhöhung für die Beschäftigten des Gesundheits- und Sozialwesens
 

1990

Bundesregierung stellt der DDR 500 Millionen DM für den Kauf von Arzneimitteln, hochspezialisierter Medizintechnik, medizinischen Verbrauchmaterialien und Rehabilitationstechnik bereit.
 

1990

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung führt am 22. April 1990 in Leipzig eine Veranstaltung mit dem Ziel der Etablierung der bundesdeutschen Selbstverwaltung mit 2.000 Ärzten durch.
 

1990

Anpassung des DDR-Gesundheitswesens an die Rechtsgrundlagen der Bundesrepublik ab April 1990
 

1990

Der 93. Deutsche Ärztetag fordert im Mai 1990 für das Gesundheitswesen der DDR Freiheit und Selbstbestimmung und macht deutlich, dass es künftig keine unterschiedlichen Rechts- und Versorgungssysteme geben dürfe.
 

1990

Ein Tübinger Anatom und ein ehemaliger gesundheitspolitischer Spitzenfunktionär der SED veröffentlichen das Buch "Gesundheit für ein Deutschland", das alle Ärzte der DDR als Postwurfsendung erhalten (Michael Arnold, Berndt Schirmer:. Dt. Ärzteverlag, Köln. 1990.)
 

1990

Am 31. Dezember 1990 arbeiten ca. 13 % der in der DDR/neuen Bundesländern ambulant arbeitenden Ärzte in eigener Niederlassung.
 

1990

Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990