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Vorbild Schweizer Krankenversicherungssystem?

Artikel 0284 Das mit der Krankenversicherungsreform 1996 in der Schweiz geschaffene System stößt in der nicht selten mit Anleihen in ausländischen Gesundheitssystemen operierenden deutschen Gesundheitsreformdebatte vielfach auf Aufmerksamkeit.

Die im Jahr 2003 als WZB-Forschungspapier veröffentlichte Studie "Das Schweizer Modell der Krankenversicherung. Zu den Auswirkungen der Reform von 1996" von Thomas Gerlinger und eine gerade vom Schweizer "Bundesamt für Gesundheit" in einer Kurzfassung veröffentlichte Expertise der OECD und WHO über das schweizerische Gesundheitssystem, zeigen aus unterschiedlichen Positionen kommend aber auch die deutlichen Schwachstellen und Schattenseiten des scheinbaren Vorbilds.

Gerlinger zeichnet die wichtigsten Merkmale des Schweizer Modells nach und fragt, inwiefern die mit der Reform verfolgten Ziele erreicht worden sind. Dabei wird deutlich, dass die Bilanz überwiegend negativ ausfällt. Das Krankenversicherungsgesetz hat zwar insofern zu einer Stärkung der Solidarität in der schweizerischen Krankenversicherung beigetragen, als es zuvor vorhandene Lücken im Leistungsrecht geschlossen und den Krankenkassen bisherige Möglichkeiten zur Vermeidung von Leistungspflichten für chronisch Kranke genommen hat. Ungeachtet dessen sind die Krankenbehandlungskosten im Vergleich zu anderen wohlhabenden Ländern außerordentlich stark privatisiert. Die Privathaushalte tragen etwa zwei Drittel aller Gesundheitsausgaben, und dies mit steigender Tendenz. Insbesondere für sozial Schwache, aber auch für Versicherte mit Einkommen knapp oberhalb der staatlichen Subventionsgrenze können sehr hohe finanzielle Belastungen entstehen. Gleichzeitig ist die Bedeutung innovativer Versorgungsformen, also von Health Maintenance Organisations und Hausarztnetzen, im Versorgungssystem bisher deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
Die Schweizer Erfahrungen mit der Reform der Krankenversicherung sind nicht zuletzt ein Hinweis darauf, dass es für eine wirkungsvolle Kostendämpfung und eine Durchsetzung innovativer Versorgungsformen einer stärkeren Einflussnahme der Finanzierungsträger auf das medizinische Leistungsgeschehen bedarf.

Die OECD- und WHO-Analytiker weisen vor allem darauf hin, dass "der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandsprodukt...zu den höchsten der OECD-Länder (gehört) und nach wie vor schneller als das BIP (wächst). Zugleich können andere OECD-Länder eine vergleichbare oder sogar bessere Leistungsfähigkeit bei geringeren Kosten vorweisen." Ein spezielles Problem der Schweiz besteht nach ihnen in den stark aufgesplitterten Zuständigkeiten. Kritisch angemerkt werden ferner die vergleichsweise niedrigen Ausgaben für Prävention und Gesundheitsförderung.. Die Befürworter höherer Zuzahlungen als Steuerungsinstrument sollte der Hinweis, dass dies in der Schweiz trotz bereits hohen Selbstkostenanteilen nicht richtig funktioniert, nachdenklich machen. Nach Meinung der Gutachter hat auch die Schweiz mit unerwünschten Wirkungen ihres Wettbewerbssystems zu tun. Um z.B. die Versicherer von der Selektion so genannter "guter Risiken" abzuhalten "braucht es einen Risikoausgleich".

Bernard Braun, 5.11.2006