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Patienten
Shared Decision Making, Partizipative Entscheidungsfindung


Falsches Wissen 1 - bei Ärzten weit verbreitet (10.4.17)
Neues vom PSA-Screening Teil 2 von 2 - Früh erkannter Prostatakrebs: Komplikationen häufig bei aktiver Behandlung (27.10.16)
Neues vom PSA-Screening Teil 1 von 2 - Früh erkannter Prostatakrebs: Sterblichkeit gering ohne und mit Behandlung (27.10.16)
"Kind mit 38 oder 43?" Hochriskant für Mutter und Kind oder eher nicht!? (17.5.16)
Mehrheit der Studienergebnisse über Strahlentherapie in den USA trotz Verpflichtung nicht offen zugänglich (2.5.16)
Chemotherapie bei fortgeschrittenem Krebs: Ärzte lassen Patienten keine Wahl, aber Patienten merken es nicht (16.3.16)
Neue Krebsmedikamente 5: Fortgeschrittener Krebs - keine Chemotherapie ist auch eine Option (24.2.16)
Beteiligung von Krebspatienten bei Behandlungsentscheidungen verbessert die Versorgungsqualität (6.8.15)
Schäden von Krebsfrüherkennung 4 - Mit Sicherheit nutzlos, trotzdem verbreitet: Krebsfrüherkennung bei Alten und Kranken (19.2.15)
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Schäden von Krebsfrüherkennung 2 - Quantität und Qualität der Studien zu psychischen Folgen von Krebsfrüherkennung unzulänglich (19.2.15)
Schäden von Krebsfrüherkennung 1 - Schäden werden nicht ausreichend erforscht (19.2.15)
Schäden von Krebsfrüherkennung - 4 neuere Studien (19.2.15)
Wenn Risiken und Belastungen den Nutzen überwiegen: Ernährungssonden für demente PatientInnen oft nicht in derem Interesse (15.10.14)
Stabile KHK und PCI 4: Dramatische Fehleinschätzung des Nutzens auf Seiten der Patienten (13.9.14)
Stabile KHK und PCI 3: Nutzlose Stents als Folge überflüssiger Herzkatheteruntersuchungen (9.9.14)
Stabile KHK und PCI 2: Kardiologen informieren überwiegend falsch (9.9.14)
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55% der Bevölkerung wollen gemeinsame Entscheidungsfindung mit Ärzten! Über 50% meinen aber, noch nie etwas entschieden zu haben (25.6.14)
Unterschiedliche Prioritätensetzung erschwert gemeinsame Entscheidungsfindung: Das Beispiel Empfängnisverhütung. (12.6.14)
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Bessere Behandlungsergebnisse durch Information und Beteiligung (16.5.14)
Amerikanische Studie: Ärzte verschweigen Patienten essentielle Informationen für weitreichende Entscheidungen (5.12.13)
Shared Decision Making nur etwas für entwickelte Länder und ihre Ärzte und Patienten? Wie sieht es z.B. in Malaysia aus? (22.10.13)
Vom Gesundheitsnutzen des Engagements und der Beteiligung von Patienten, und wie ungleich dies im 11-Ländervergleich aussieht. (19.7.12)
Autoritäres Verhalten von Ärzten verhindert Shared Decision Making (16.6.12)
Aktivere PatientInnen haben bessere Outcomes bei Gesundheitsindikatoren und gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen (1.4.12)
Dramatische Wissenslücken: Ärzte und Früherkennung (13.3.12)
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Welchen Nutzen hat die Behandlung von kranken Menschen statt von Krankheiten? (5.11.11)
Wie lang und oft sollen der gesundheitliche Nutzen und die aufwandsenkende Wirkung von Patientenzentrierung noch bewiesen werden? (24.10.11)
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Darmkrebs-Screening: Entscheidungshilfen sind auch bei Personen mit geringem Bildungsstand nützlich, senken aber die Teilnahme. (20.11.10)
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Wie entscheiden sich Patienten für oder gegen Therapien und welche Rolle spielen dabei Entscheidungshilfen? Das Beispiel Tamoxifen (6.1.10)
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Aktivere PatientInnen haben bessere Outcomes bei Gesundheitsindikatoren und gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen

Artikel 2107 Eine Mehrheit der PatientInnen will sich seit Jahren in Befragungen aktiv durch gemeinsame Entscheidungsfindung mit ihren Ärzten an ihrer Behandlung beteiligen und Gesundheitspolitiker appellieren an PatientInnen sich aktiver und wirksamer am Management ihrer Gesundheit und der Behandlung ihrer Krankheiten zu beteiligen. Ob dies außer des damit verbundenen "guten Gefühls" oder jenseits der Befriedigung von Kostendämpfungsinteressen einen gesundheitlichen oder gar gesundheitsökonomischen Nutzen hat, ist, wenn überhaupt, erst für kleine und handverlesene Gruppen von PatientInnen für wenige Indikatoren des gesundheitsbezogenen Nutzens untersucht und dann auch nur zum Teil bestätigt worden.

Eine Querschnitts-Untersuchung des Niveaus der Patientenaktivierung und mehrerer patientenbezogener Outcomes von 25.047 erwachsenen PatientInnen einer Gesundheitseinrichtung im US-Bundesstaat Minnesota trat an, einige der Wissenslücken zu schließen. Dazu wurde zunächst während eines Besuchs bei ihrem Primärarzt mit dem mehrdimensionalen, validen und reliablen Standardinstrument "Patient activation measure (PAM)" das Aktivitätsniveau der StudienteilnehmerInnen erhoben. PAM misst sowohl Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten, Einstellungen und das Vertrauen von Personen ihre Gesundheit und Gesundheitsversorgung managen zu können. Danach identifizierten die WissenschaftlerInnen für dieselben PatientInnen mit Routinedaten der Krankenversicherungsunternehmen 13 gesundheitsrelevante Sachverhalte im Bereich Prävention (z.B. Teilnahme an einem präventiven Screening gegen Brustkrebs), ungesunde Verhaltensweisen (z.B. Rauchen, Übergewicht), klinische Indikatoren (z.B. Blutdruck) und kostspielige Inanspruchnahme von Leistungen (z.B. Besuch einer Notfallambulanz oder Krankenhausaufenthalte).

Die integrierte Analyse beider Datensammlungen zeigte u.a., dass

• 44,2% der Patienten mit dem niedrigsten Aktivitätsniveau (Level 1 mit minimal 0 Punkten) wahrscheinlich einen normalen systolischen Blutdruckwert hatten, wohingegen dies unter den PatientInnen mit dem höchsten Aktivitätsniveau (Level 4 mit maximal 100 Punkten) lediglich 53,4% erreichten,
• 24,1% der Level 1-PatientInnen wahrscheinlich einen oder mehrere Notfallstations-Behandlungen erlitten und dies "nur" bei 16% der Level 4-PatientInnen der Fall war,
• PatientInnen mit dem höchsten Aktivitätsniveau diverse Screeningsangebote mehr in Anspruch nahmen als die PatientInnen mit dem niedrigsten Niveau und
• PatientInnen mit dem niedrigsten Aktivitätsniveau sich häufiger ungesund verhielten als die mit dem höchsten Niveau.

Wurden bei insgesamt 10 der 13 Outcomes die Erwartungen erfüllt, war es bei drei anders. So war die Wahrscheinlichkeit, einen normalen Cholesterinwert, diastolischen Blutdruckwert oder HbA1c-Wert zu haben bei PatientInnen mit hohem Aktivitätsniveau nicht höher als bei jenen mit niedrigem Wert.

Multivariat analysiert sank die Wahrscheinlichkeit zu Rauchen, einer Übergewichtigkeit, einer Notfallbehandlung im Krankenhaus und eines Krankenhausaufenthalts mit jedem zusätzlichen Zehnerschritt nach oben auf der 100 Punkte umfassenden PAM-Skala. Die Wahrscheinlichkeit eines Brustkrebs-Screenings oder normaler Blutzucker-, Cholesterin- und Fettstoffwerte stieg dagegen mit jedem Zehnerschritt nach oben ebenfalls.

Die WissenschaftlerInnen ziehen daraus den Schluss, dass eine quantitativ und qualitativ noch bessere Aktivierung von PatientInnen weitere positive Auswirkungen auf verschiedene Gesundheits-Outcomes haben würde. Mit dem Hinweis, dass ihre StudienteilnehmerInnen nicht repräsentativ für die US-Bevölkerung oder die dortigen Krankenversicherten waren und es außerdem einige Schwierigkeiten gab, die Patientenaktivitätsmessung standardisiert und einheitlich durchzuführen, begründen die ForscherInnen ihren Wunsch, diese Art von Studie repräsentativ und im Längsschnitt mit Möglichkeiten einer Kausalanalyse weiterführen zu können. Dann wäre auch zu klären, ob wirklich ein höheres Aktivitätsniveau zu besseren Outcomes führt oder Personen mit besseren Outcomes bereits ein höheres Aktivitätsniveau haben.

Von dem Aufsatz "Why Does Patient Activation Matter? An Examination of the Relationships Between Patient Activation and Health-Related Outcomes" von Jessica Greene und Judith H. Hibbard, online am 30. November 2011 im "Journal of General Internal Medicine" erschienen, gibt es kostenlos lediglich das Abstract.

Bernard Braun, 1.4.12