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Patienten
Shared Decision Making, Partizipative Entscheidungsfindung


Pro und Contra zum IQWiG-Bericht √ľber den fehlenden Nutzen oder Schaden von "gemeinsamer Entscheidungsfindung" (18.11.23)
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Neues vom PSA-Screening Teil 1 von 2 - Früh erkannter Prostatakrebs: Sterblichkeit gering ohne und mit Behandlung (27.10.16)
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Pro und Contra zum IQWiG-Bericht √ľber den fehlenden Nutzen oder Schaden von "gemeinsamer Entscheidungsfindung"

Artikel 2715 Unter der √úberschrift F√ľhrt eine gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient bei der Therapiewahl zu besseren Ergebnissen? stellten wir vor einigen Wochen die wesentlichen Aussagen des vom "Institut f√ľr Qualit√§t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)" ver√∂ffentlichten, erkl√§rterma√üen "vorl√§ufigen" Themencheck/HTA-Berichts zur gemeinsamen Entscheidungsfindung oder shared decision making vor.

Die zentrale Aussage lautete: "F√ľr die patientenrelevanten Endpunkte Mortalit√§t, Morbidit√§t und Lebensqualit√§t wurde kein Nutzen oder Schaden von SDM-Interventionen im Vergleich zur Standardversorgung ohne SDM-Intervention bzw. einer anderen SDM-Intervention abgeleitet."
Wie bereits in unserem Beitrag angek√ľndigt, gab es die Gelegenheit bis Anfang Oktober Stellungnahmen abzugeben, mit denen sich das IQWiG bis zum 17.11. 2023 auseinandersetzen wollte.

Eine erste bereits jetzt öffentlich zugängliche Stellungnahme ist die des "Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM-Netzwerk)".

Das Netzwerk kritisiert vor allem folgende Punkte des IQWiG-Berichts:

• "Die Auswahl der prim√§r fokussierten Endpunkte f√ľr den HTA-Bericht ist nicht zielf√ľhrend. Medizinische Effektivit√§t und √∂konomische Effizienz allein als patientenrelevanten Nutzen zu betrachten, reicht nicht aus."
• Eine informierte Entscheidung als aus Sicht des Patienten ebenfalls, wenn nicht sogar vorrangiger Endpunkt und Nutzen von SDM w√ľrde im HTA-Bericht nicht ber√ľcksichtigt.
• Zus√§tzlich oder an anstelle der Endpunkte Morbidit√§t und Mortalit√§t m√ľsste ein solcher Bericht patientenrelevante Endpunkte wie den Ort des Versterbens oder weniger Rehospitalisierungen, oder kein Haarausfall/positives K√∂rperbild beachten.
• Die Literaturrecherche sei limitiert und konzentriere sich auf systematische √úbersichtsarbeiten, die indikations-/populations√ľbergreifend den Nutzen von einer oder kombinierten SDM-Interventionen untersucht haben, nicht aber auch auf indikations-/populationsspezifische systematische √úbersichten.
• "Grunds√§tzlich h√§lt das EbM-Netzwerk den Ansatz f√ľr problematisch, dass im HTA-Bericht auf die Frage "Hat SDM einen klinisch relevanten Nutzen hinsichtlich gesundheits-/krankheitsbezogener Endpunkte?" abgestellt wird. Damit bleibt unber√ľcksichtigt, dass die evidenzbasierte Versorgung Werte und Pr√§ferenzen von Betroffenen als Pr√§misse voraussetzt und die Informations- und Mitwirkungspflicht bereits im BGB 630c ff. ("Patientenrechtegesetz") festgeschrieben sind. "Wie kann SDM gelingen?" w√§re daher die geeignetere Fragestellung f√ľr den HTA-Bericht gewesen."

Die Stellungnahme des EbM-Netzwerks ist komplett erhältlich.

Eine zweite ebenfalls bereits veröffentlichte Stellungnahme ist die der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der mit ihr kooperierenden "Verbände Verband der Diabetes-Beratungs-und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD)" und "diabetesDE. Deutsche Diabeteshilfe."

Diese Verbände kritisieren u.a. folgende Aspekte des IQWiG-Berichts:

• Es w√ľrde dort nicht untersucht, "ob eine PE (partizipative Entscheidungsfindung) im Vergleich zu einer Nicht-PE-Kommunikation mehr Vor- oder Nachteile hat, sondern es wird eine 'Nutzenbewertung verschiedener Shared Decision Making-Interventionen' (S. 25) vorgenommen." Korrekt m√ľsse daher bereits die √úberschrift so hei√üen: "F√ľhren verschiedene Interventionen zur Verbesserung der gemeinsamen Entscheidungsfindung von Aerztin und Patient zu besseren Behandlungsergebnissen."
• Es sei "wichtig zu vermitteln, dass es in dem Bericht nicht um kontrollierte, randomisierte Studien zur √úberpr√ľfung der Effektivit√§t und Effizienz der PE (partizipative Entscheidungsfindung), sondern um Ma√ünahmen zur Steigerung der PE geht."
• Sowohl zahlreiche Studien als auch zentrale Instrumente der Diabetologie (z.B. strukturierte Patientenschulungen und Ma√ünahmen zur Verbesserung der Kommunikationsf√§higkeit) w√ľrden "v√∂llig au√üer Acht" gelassen.

Die dreiseitige Stellungnahme von DDG und anderen Diabetes-Verbänden ist ebenfalls komplett erhältlich.
√úber die wahrscheinliche Kommentierung der Kritikpunkte in den beiden Stellungnahmen durch das IQWiG werden wir berichten.

Bernard Braun, 18.11.23