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Epidemiologie
Kinder und Jugendliche


Mit Evidenz gegen Überversorgung: Warum 60% eines Kinderjahrgangs nicht drei bis vier Jahre lang Zahnspangen tragen müssen! (15.9.16)
Prävention für Kinder okay, aber müssen sie dafür unbedingt "krankgeforscht" werden? (28.4.16)
Über- oder Fehlversorgung: Über 50% der US-Kinder/Heranwachsenden mit antipsychotischen Arzneimitteln bekamen sie ohne Diagnose (3.7.15)
Je nach Thema bewirken auch Arzt-Ratschläge nichts: Das Beispiel Impfen. (1.6.15)
Das Neueste aus dem Reich der "Gesundheits"wirtschaft: Reine Muttermilch mit einem kräftigen Schuss Kuhmilch. (6.4.15)
Schadstoffbelastung von Schulgebäuden (k)ein Thema für die Generationengerechtigkeit (22.3.15)
Zum gesundheitlichen Nutzen einer längeren hellen Abendzeit für Kinder. Nachdenkenswertes vor der Abschaffung der Zeitumstellung. (27.10.14)
USA: Umfang und Art von Medikationsfehlern bei Kleinkindern unter Obhut ihrer Eltern. (22.10.14)
"Ich habe das richtige Gewicht" - Selbstwahrnehmung vieler übergewichtiger und fetter Kinder in den USA anders als Messwerte (24.7.14)
Risikopyramide Tabakrauchen: Aktivrauchen, Passivrauchen und nun auch noch "third hand smoke"-Rauchen (17.7.14)
"Das dauert 7 Tage oder eine Woche" - Auch Volksmund, Großmütter und Ratgeber täuschen sich bei der Dauer von Kinderkrankheiten (14.12.13)
Präventive Wirkung von materiellen Anreizen für Schulklassen mit 11- bis 14-Jährigen nicht mit dem Rauchen anzufangen = Null! (14.11.12)
Verringerung gesundheitlich nicht notwendiger Verordnungen von Antibiotika für Kinder und Jugendlichen gar nicht so schwer (5.11.12)
"Generation Zahnspange": Wie notwendig, nützlich oder belastend ist die kieferorthopädische Behandlung aus Betroffenensicht?! (13.10.12)
Prävention von Übergewichtigkeit und Fettsucht ist bei 6-12-jährigen Kindern möglich - erfordert aber komplexe Maßnahmen (7.3.12)
Geburtenraten sinken in wirtschaftlich schlechten Zeiten signifikant: Zufall oder kausaler Zusammenhang? (16.10.11)
Krankenhausgeistliche: Anrührendes Relikt oder doch nützlich? Ein Beispiel aus der Kinder-Palliativbehandlung. (24.8.11)
Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen trotz verschiedener Präventionsmaßnahmen auf hohem Niveau. Was hilft wirklich? (28.7.11)
Rasche Aufnahme von Nahrung schadet durchfallkranken Kindern in der 3. Welt nicht. Nachdenkliches zu einem Cochrane Review (27.7.11)
Ärztemangel ja! Pflegenotstand ja! Aber: Hebammennotstand? Und wenn doch, wo denn? (22.6.11)
Befragung von Nutzerinnen einer Mutter-Kind-Kur: Hoher Bedarf, großer und nachhaltiger Nutzen und wie dieser erhöht werden kann! (3.6.11)
2% -11% der Deutschen erlitten als Kinder und Jugendliche körperlichen, emotionalen und sexuellen Mißbrauch und Vernachlässigung (3.5.11)
"Peer-Support" für höhere Stillrate: "Gutes" muss nicht immer die erwarteten positiven Wirkungen haben. (9.11.10)
Schwedische ADHS-Studie: Medikamente werden häufiger verschrieben bei unterprivilegierten Müttern (11.7.10)
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Minderung des Softdrinkkonsums von Kindern und Jugendlichen - keine einfachen Lösungen (11.4.10)
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Deutsche Studie bei über 3.000 Schülern zeigt: Werbung verführt Jugendliche zum Trinken (15.10.09)
Was kinderfreundliche Menschen beim "Genuss" einer Zigarette wissen sollten! "Tabakrauchen tötet", aber ist Tabak vorher harmlos? (27.8.09)
Elterneinfluss auf das Essverhalten ihrer Kinder ist kleiner als erwartet (14.7.09)
Auch in Bayern: Wenig Licht und viel Schatten beim Übergewicht von Jugendlichen. (2.7.09)
Muttermilch und Milchersatzstoffe als Mittel der Primärprävention von Allergien bei Kleinkindern und Kindern (27.4.09)
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Kinder imitieren auch gesundheitsriskante Ernährungsgewohnheiten ihrer Eltern (29.3.09)
Analyse von 173 Studien zeigt: Übermäßiger Medienkonsum schadet der Gesundheit von Kindern (18.3.09)
Verhindert Antibiotikaeinsatz bei Mittelohrentzündungen Folgeerkrankung oder fördert er fast nur Antibiotikaresistenz? (18.3.09)
Früher aber nicht notwendiger Einsatz von Antibiotika bei Kindern - Kein Nutzen der Antibiotikaprophylaxe bei Harnwegsinfekten (1.3.09)
Kindes-Misshandlung und sexueller Missbrauch ist auch in reichen Industrieländern ein alltägliches Vorkommnis (10.12.08)
BzgA findet unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen weniger Raucher, die Quote der "Kampftrinker" bleibt jedoch konstant (16.11.08)
Leiden am Schein und weniger am Sein: Sich dick fühlen verringert die Lebensqualität stärker als dick sein. (7.6.2008)
Umfrage bei Schülern der 9.-10.Klasse: Weniger Raucher, dafür steigt der Anteil der Alkoholkonsumenten (21.3.2008)
Wenn Eltern psychischen Stress erleben, sind die Kinder anfälliger für Krankheiten (19.3.2008)
Intensiver Konsum von Gewalt im Fernsehen führt im späteren Kindesalter zu Aggressivität und asozialem Verhalten (11.11.2007)
Kinderarmut wirkt sich auch langfristig und im weiteren Lebensverlauf negativ aus (2.11.2007)
"Clarion call for action" - Über 50 % des ambulanten Behandlungsgeschehens bei US-Kindern qualitativ problematisch. (14.10.2007)
Sport erzieht zu Fairness und Selbstbeherrschung. Falsch, sagt eine US-Studie, Sport fördert männliche Gewalt (8.10.2007)
Psychische und gesundheitliche Risiken von zu viel Fernseh- und Medienkonsum im Kindesalter (3.10.2007)
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KiGGS-Studie: Deutschen Kindern und Jugendlichen geht es gesundheitlich gut. Nur Kinder der Unterschicht und mit Migrationshintergrund stören das Bild. (31.5.2007)
Gesundheitliche Lebensqualität der us-amerikanischen Kinder und Jugendlichen 2006 am tiefsten Punkt seit 30 Jahren (31.5.2007)
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Alkohol und Drogen, Ängste und Suizidversuche bei Jugendlichen: Eltern unterschätzen Probleme ihrer Kinder massiv (2.3.2007)
Sexualisierungstendenzen in Medien und Werbung beeinträchtigen die seelische und körperliche Entwicklung vieler junger Mädchen (24.2.2007)
Lebensbedingungen der Kinder in Industrieländern: Deutschland nur Mittelmaß (24.2.2007)
219 Millionen Kinder unter 5 Jahren in Entwicklungsländern ohne Entwicklungschancen: Start einer "Lancet"-Serie. (6.1.2007)
Erste Ergebnisse der KiGGS-Studie: Auffällige Schicht-Unterschiede im Gesundheitsverhalten (27.12.2006)
Kinderarmut im Wohlfahrtsstaat Deutschland (24.12.2006)
Unicef Weltkinderbericht 2007: Die sexuelle und gesundheitliche Diskriminierung von Mädchen (12.12.2006)
BKK Gesundheitsreport 2006: Gesundheitszustand von Kindern hat sich verschlechtert (4.12.2006)
Gesundheitliche Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen durch Armut (4.12.2006)
Übergewicht im Kindes- und Jugendalter ist in Unterschichten stärker verbreitet (12.11.2006)

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Auch in Bayern: Wenig Licht und viel Schatten beim Übergewicht von Jugendlichen.

Artikel 1595 Egal, ob jemand dachte, Adipositas zähle in Bayern nicht zu den wichtigsten Public Health-Herausforderungen oder umgekehrt sogar erst recht: Der Blick in die Ergebnisse des ersten bayernweiten repräsentativen Survey bei Jugendlichen der Altersgruppe 12-24 Jahren - im Übrigen eine Altersgruppe, über deren Gewichtssituation es bisher bemerkenswert wenig Daten gibt - mit 3 Erhebungswellen aus den Jahren 1995, 2000, 2005 lohnt allemal.

Das Positive vorweg: Auch in Bayern zeigt sich, dass die Adipositas bei Kindern im Einschulungsalter seit einigen Jahren nicht mehr zunimmt. Bei Jugendlichen dagegen scheint die Adipositas weiter anzusteigen und hat einen starken Zusammenhang mit ihrer sozialen Lage. Die Ergebnisse im Einzelnen:

• Die Adipositas-Prävalenz bei bayerischen Jugendlichen der Altersgruppe 12-24 ist von 1995 (2,1%) über 2000 (3,1%) bis 2005 (4%) stetig angestiegen. Sie nimmt im Altersverlauf zu: "Dies ist nicht auf eine Verschiebung der gesamten BMI-Verteilung zurückzuführen, sondern darauf, dass sich speziell der BMI in der Extremgruppe der übergewichtigen und adipösen bayerischen Jugendlichen von 1995 bis 2005 noch einmal deutlich erhöht hat." Die Verdoppelung der Prävalenz betrifft männliche wie weibliche Jugendliche in etwa gleich.

• Die bereits aus anderen Studien bekannte Sozialabhängigkeit der Übergewichtigkeit zeigt sich auch in Bayern: Je niedriger der Sozialstatus, umso höher ist die Adipositas-Prävalenz. Bemerkenswert an den bayrischen Ergebnissen ist, "dass der Sozialgradient über die Befragungswellen hinweg zu Lasten der Jugendlichen aus einem Elternhaus mit geringerer Schulbildung zugenommen hat, d. h. dass die gesundheitliche Chancengleichheit abgenommen hat."

• Mittels multivariater Analysen wurde außerdem gezeigt, dass Adipositas für beide Geschlechter mit einem erhöhten Risiko für einen nicht sehr guten Gesundheitszustand einhergeht.

• In diesen Analysen spielt aber auch das gefühlte Übergewicht - also das subjektive Körpergefühl - eine relevante und unabhängige Rolle als Risikofaktor für den Gesundheitszustand der Jugendlichen.

• Bei der Zufriedenheit mit dem eigenen Körpergewicht gibt es aber auch praktisch relevante Besonderheiten zu beachten: So geben 87 % der adipösen männlichen und 100 % der adipösen weiblichen Befragten in der Welle 2005 an, zurzeit das Gefühl zu haben, dass sie zu dick sind oder einzelne Körperpartien zu dick sind - was immerhin für die Wirklichkeitsnähe derartiger Selbsteinschätzungen spricht. Allerdings sagen dies auch 25 % der männlichen bzw. 56 % der weiblichen Befragten, die nicht adipös sind. Die Forscher verweisen zu Recht auf die praktische Bedeutung dieser Beobachtung: "Dieses Resultat beinhaltet daher auch die Botschaft, bei Kampagnen zur Adipositas-Prävention auf die nötige Differenziertheit und Sensibilität zu achten, um nicht unerwünschte Nebenwirkungen in Hinblick auf eine Störung des Körpergefühls der Jugendlichen und einen falschen Diätenkult zu provozieren."

• Dem zunächst positiv wirkenden Faktum, dass 60 % der adipösen männlichen und 77 % der adipösen weiblichen Befragten in der Welle 2005 den Wunsch nach genereller, besserer Information über Übergewicht äußerten, halten die Forscher aber Erkenntnisse über die eher bescheidenen langfristige Wirkungen verschiedener Präventions- und Interventionsmaßnahmen in Cochrane-Reviews und einigen bisherigen Beobachtungsstudien entgegen.

• Mit dem Schlusssatz "Stigmatisierung ist beim Thema Adipositas keine gute Interventionsstrategie" weisen sie schließlich ebenfalls zu Recht auf die unerwünschten Wirkungen von regierungsamtlichen "fit-statt-fett"-Kampagnen hin, die möglicherweise direkt zu Untergewicht und Bulimie führen könnten.

Von dem Aufsatz "Adipositas bei bayerischen Jugendlichen: Prävalenz im Trend, soziodemografische Strukturmerkmale und subjektive Gesundheit. Obesity in Bavarian Adolescents: Prevalence in Trend, Sociodemographic Structural Features and Subjective Health" von R. Schulz, B. Güther, S. Mutert, und J. Kuhn in der Zeitschrift "Gesundheitswesen" gibt es kostenlos leider nur ein Abstract. Viele deutsche Verlage und Zeitschriftenredaktionen haben eben immer noch nicht den Sinn und Nutzen von "open access" zumindest für einen Teil ihrer Aufsätze erkannt.

Bernard Braun, 2.7.09