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USA: Gesundheitsausgaben mit Abstand Platz 1 - Säuglings- und Kindersterblichkeit "rote Laterne" unter 19 anderen OECD-Ländern

Artikel 2600 Obwohl in den USA der weltweit höchste Anteil von derzeit rund 18% des Bruttoinlandsprodukts für die gesundheitliche Versorgung ausgegeben wird, haben die US-BürgerInnen in mehrerlei Hinsicht deutlich weniger davon als die BürgerInnen in Ländern mit zum Teil niedrigeren Gesundheitsausgaben. Dies konnte bisher vor allem an der Lebenserwartung gezeigt werden, die in den USA trotz der ständig wachsenden Gesundheitsausgaben in weiten Teilen der Bevölkerung sank.
Eine aktuelle Studie verglich die Entwicklung der Sterblichkeit von Säuglingen und 1-19 Jahre alten Kindern und Jugendlichen zwischen 1961 und 2010 in den USA und 19 anderen OECD-Ländern, also ebenfalls insgesamt wohlhabenden Ländern.

Die Ergebnisse bestätigten die bei der Lebenserwartung gezeigten Trends:

• Obwohl in allen wohlhabenden Ländern die Kindersterblichkeit seit vielen Jahrzehnten abnimmt, liegt die Kindermortalität in den USA seit den 1980er Jahren über der in vergleichbaren Ländern.
• Zwischen 2001 und 2010 war das Risiko der Säuglingssterblichkeit in den USA 76% höher als in den 19 anderen OECD-Ländern (darunter auch Deutschland).
• Im selben Zeitraum war das Risiko im Alter von einem bis 19 Jahren zu sterben in den USA um 57% höher als in den Vergleichsländern.
• Betrachtet man die gesamte Studienperiode von rund 50 Jahren führte die mangelnde Performance des US-Gesundheits- und Sozialsystem zu über 600.000 zusätzlichen Toten.
• Die hohe Sterblichkeit unter Jugendlichen beruht vor allem auf Verkehrsunfällen und Waffenattacken. So war das Risiko mit einer Waffe ermordet zu werden unter den 15-19-Jährigen in den USA 82mal höher als in den OECD19-Ländern.

Zwei Dinge zum Hintergrund und warum sich u.U. die kinder- und jugendlichenbezogenen Indikatoren in den USA künftig sogar noch verschlechtern werden:

• Aktuelle Studien weisen nach, dass nicht die Inanspruchnahme oder andere nachfrager-/patienten-/versichertenspezifischen Faktoren oder Verhaltensweisen für die Gesamtausgaben verantwortlich sind, sondern die gerade auch im internationalen Vergleich hohen Preise nahezu aller Anbieter.
• Ebenfalls aktuell versucht ein Teil der "Nadelstichpolitik" (an Stelle des vorläufig gescheiterten frontalen Versuchs an die Stelle von Obamacare Trumpcare zu setzen) der republikanischen Mehrheit im Parlament gegen jede Form der öffentlichen Gesundheitsversicherung dem speziell für Kinder armer Familien, die allerdings für die andere öffentliche Krankenversicherung Medicaid zu viel Geld verdienen, konzipierten "Children's Health Insurance Program (CHIP)" seit September 2017 den Geldhahn zuzudrehen bzw. enorme Kürzungen durchzusetzen (Stand Dezember 2017). Sollte der Kongress auch im Jahr 2018 kein oder deutlich zu wenig Geld für CHIP bewilligen und den für die Umsetzung von CHIP zuständigen Bundesstaaten überweisen, droht nach einer Berechnung in der New York Times vom 14.Dezember 2017 Ende Januar 2018 der Krankenversicherungsschutz von 4,9 Millionen Kindern in 16 Staaten, Ende Februar der von 5,6 Millionen Kindern in 24 Staaten und am Ende des Sommers der von insgesamt 8,4 Millionen Kindern in 46 Staaten einschließlich Washington D.C. verloren gehen. Schwer vorzustellen, dass sich dies nicht auch auf die Mortalität und Morbidität von Kindern und Jugendlichen auswirkt.

Der Aufsatz Child Mortality In The US And 19 OECD Comparator Nations: A 50-Year Time-Trend Analysis von Ashish P. Thakrar, Alexandra D. Forrest, Mitchell G. Maltenfort und Christopher B. Forrest ist im Januarheft 2018 der Zeitschrift "Health Affairs" (37 (1): 140-149) erschienen. Das Abstract ist kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 10.1.18