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Welche Rolle spielen Recht und Evidenz im Gesundheitswesen der USA? Mehr als man denkt!

Artikel 1973 Wer Verrechtlichung im deutschen Gesundheitswesen angesichts der immer dicker werdenden Sozialgesetzbücher, Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses und der Normen sonstiger "kleiner" und "großer" Gesetzgeber für ein typisch deutsches Phänomen hält, irrt.
Auch und gerade "public health" wird selbst in angeblich weniger regulierten, freiheitlicheren und marktlicher orientierten Staaten wie den USA intensiv durch Gesetze, Verordnungen und rigide Standards reguliert. Wie detailliert dies erfolgt ließ sich nicht zuletzt an dem großen Gesetz zur Reform der us-amerikanischen Versicherungs- und Versorgungslandschaft, dem "Affordable Care Act" ablesen.

Einen guten Überblick über das insgesamt für den Bereich öffentlicher Gesundheit in den USA geltende Recht verschafft jetzt ein Report des "Committee on Public Health Strategies to improve Health" beim "Institute of Medicine (IOM)" der "Nationalen Akademie der Wissenschaften" der USA.
Der Report beschäftigt sich nach Klärung der Frage "why law and why now" mit dem Zusammenhang/-spiel von Recht und Public Health-Infrastruktur und der Bedeutung von Recht als Tool für die Verbesserung der Bevölkerungsgesundheit. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der intersektoralen Aktion der zahlreichen öffentlichen und privaten Einrichtungen und "stakeholder" im Gesundheitswesen und den dafür relevanten Rechtsbestimmungen.

Abschließend enthält der Report 10 Empfehlungen, die zum Teil auch für die weitere Entwicklung der Regulierung durch Recht und Politik im deutschen Gesundheitswesen interessant sind. So führt z.B. die neunte Empfehlung zur evidence-based public policy or politics aus "that state and federal governments evaluate the health effects and costs of major lefgislation, regulations, and policies that could habe a meaningful impact on health. This evaluation should occur before and after enactment."
Wer die mühselige und immer verspätete Entwicklung der Politikfolgenforschung in Deutschland erlebt, kann hier erkennen, dass es bei der Forderung nach mehr Gesundheitspolitik-Begleitforschung in Deutschland um den Anschluss an andernorts wesentlich entwickeltere Debatten und Planungen geht.

Der 154 Seiten umfassende Report "For the Public's Health: Revitalizing Law and Policy to meet new challenges" ist gerade erschienen und komplett kostenlos nach einer etwas komplizierten aber folgenfreien Anmeldung zum Download erhältlich.

Wer sich noch mehr für weitere Publikationen interessiert, die zu Gesundheits- und Systemfragen in der "National Academies Press" erschienen sind, kann seit drei Wochen praktisch alle Titel nach der bereits erwähnten Anmeldung kostenlos herunterladen. Dies gilt z.B. auch für die älteren IOM-Klassiker zur Versorgungsqualität im US-Gesundheitssystem "Crossing the Quality Chasm: A New Health System for the 21st Century" aus dem Jahr 2001 und "To Err Is Human: Building a Safer Health System" aus dem Jahr 2000 oder eine aktuelle Studie aus 2011 zur "The Future of Nursing: Leading Change, Advancing Health".

Bernard Braun, 5.7.11