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Patienten
Gesundheitsversorgung: Analysen, Vergleiche


Wer wird wie lange, mit welchem Erfolg und womit kieferorthopädisch behandelt? Erste Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie (22.5.20)
Sars-CoV-2 und Covid-19: Anmerkungen zur aktuellen Krise und was lernen wir daraus?! (21.4.20)
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Sicher nutzlos aber verbreitet: Krebsfrüherkennung bei Alten und Kranken (25.10.14)
"People-centred health systems" - Gesundheitssysteme à la Afrika, Südamerika oder Indien (6.10.14)
Große regionale Versorgungsunterschiede in den OECD-Ländern (10.9.14)
Lehrbuch "Sozialmedizin - Public Health - Gesundheitswissenschaften" oder "Darf's ein bißchen mehr sein!?" (24.8.14)
Machen zuckerhaltige Getränke dick? (12.2.14)
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Nur für 11% von 3.000 Behandlungsleistungen liegt Evidenz für Nutzen vor - bei 50% weiß man gar nichts. (3.3.13)
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Deutsches Gesundheitssystem: Positive Patienten-Noten, aber auch mit Reformbedarf (10.11.2005)
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Wer wird wie lange, mit welchem Erfolg und womit kieferorthopädisch behandelt? Erste Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie

Artikel 2697 Nach einer durch eine Mitteilung des Bundesrechnungshofes im Jahr 2017 angestoßenen Debatte über die fehlende oder unzulängliche Transparenz über die kieferorthopädische Versorgung von Kindern und Jugendlichen, verständigten sich die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV), das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und Fachverbände der Kieferorthopäden auf eine Reihe von Maßnahmen und Projekten (siehe dazu Näheres in dem hier vorgestellten Report). Dazu zählt auch das vom Spitzenverband Bund der GKV koordinierte Projekt einer retrospektiven Analyse von Behandlungsdaten. Zum Stand dieses Projekts gibt es bisher keine öffentlich zugänglichen Informationen oder gar Ergebnisse.

Etwas besser sieht es bei einem unabhängig davon seit längerem geplanten und laufenden prospektiven Projekts bei der Handelskrankenkasse (hkk) aus Bremen aus. Ein Wissenschaftlerteam aus dem Bremer Gesundheitswissenschaftler Bernard Braun und dem Greifswalder Kieferorthopäden Alexander Spassov will den möglichst gesamten Behandlungsverlauf einer Kohorte aller 2018 in der hkk versicherten Kinder und Jugendlichen untersuchen, die im selben Jahr mit einem indikationsgestützten Behandlungsplan erstmals eine kieferorthopädische Behandlung begonnen haben. Eine derartige prospektive Studie gibt es im Bereich dieser Versorgungsart bisher nicht und auch nur sehr selten in anderen Behandlungsbereichen.
Der jetzt veröffentlichte Teil 1 dieser Studie informiert u.a. über die soziodemografische Zusammensetzung der 2.920 Angehörigen der Kohorte und deren Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) und einige erste Angaben zur Behandlung. Hinweise auf die im weiteren Verlauf der Studie beabsichtigten Analysen runden den Report ab. Der Abschlussbericht ist 2023 zu erwarten.

Zu den bereits jetzt gewonnenen Ergebnissen zählen u.a.:

• Auf die versorgungspolitisch interessante Frage, wie viele Kinder und Jugendliche eines Geburts- oder Altersjahrgangs in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Ende ihres 18. Lebensjahres kieferorthopädisch behandelt werden, bewegen sich die diversen Schätzungen zwischen rund 30 bis über 60 %. Mit den Daten der Kohorte dieser Studie wurde jetzt berechnet, dass von einer Gruppe von 7-Jährigen (in diesem Alter beginnen kieferorthopädische Behandlungen in den allermeisten Fällen) bis sie 18 Jahre alt sind, 53,5% mindestens einmal kieferorthopädisch behandelt werden.
• Die hkk-Studie zeigt, dass der Anteil der Kinder mit einseitigem Kreuzbiss von 32 % bei den 7-jährigen auf 10,4 % bei den 11-jährigen, also um 67,5 % zurückgeht - und zwar ohne eine kieferorthopädische Behandlung. Damit scheint sich auch in Deutschland die in einer internationalen Studie gemachte Beobachtung einer "spontanen Korrektur" zu zeigen. Es stellt sich vor diesem Hintergrund nun nicht mehr die Frage, "Behandlung ja oder nein", sondern: "Sofort Behandeln oder erst einmal Abwarten und Beobachten bis die Kinder 11 Jahre alt sind". Über diese Möglichkeit einer Selbstkorrektur ohne kieferorthopädisches Zutun sollten Eltern (besser) informiert werden.

Der 25 Seiten umfassende hkk-Gesundheitsreport 2020 Kieferorthopädische Behandlung von Kindern und Jugendlichen Charakteristika einer Kohorte - Teil 1: Wer wird behandelt? von B. Braun und A. Spassov ist komplett kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 22.5.20