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Gesundheitsversorgung: Analysen, Vergleiche


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Profit vor Evidenz - englische Alkoholindustrie verhindert Mindestpreis für Alkohol

Artikel 2327 Die Evidenz ist eindeutig: eine Erhöhung der Preise für alkoholische Getränke führt zur Minderung des Alkoholkonsums in der Bevölkerung, eine Minderung der Preise zur Erhöhung. Gezielter präventiv wirkt ein Mindestpreis für Alkohol (alcohol minimum pricing), also ein durch Besteuerung sicher gestellter Mindestpreis pro Einheit reinen Alkohols (wir berichteten). Diese Regelung führt zu einem Rückgang des Konsums derjenigen, die billigen Alkohol bevorzugen - Erwachsene, die schädlichen Gebrauch betreiben und Jugendliche -, während "normal" Konsumierende ihr Trinkverhalten nicht wesentlich ändern.

Die Zahlen beruhten auf Modellrechnungen einer Arbeitsgruppe der Universität Sheffield (Publikationen). Den Berechnungen liegt u.a. das Konzept der Preiselastizität zugrunde, also der Veränderung der Nachfrage bei Erhöhung oder Absenkung der Preise.

In der Absicht, das in England weit verbreitete und hochproblematische binge drinking ("Komasaufen") zu bekämpfen, kündigte David Cameron im März 2012 eine Alkoholstrategie der Regierung an, in der er die Evidenz zur Preisgestaltung umsetzen wollte. Durch einen Mindestpreis von 40 Pence für 10 ml Äthanol würde die Zahl kriminelle Delikte um 50.000 und die Anzahl alkoholbedingter Todesfälle um 900 gesenkt. Auf Widerstand war er gefasst: "Natürlich weiß ich, dass die Vorschläge nicht überall gut ankommen werden. Aber die Verantwortung einer Regierung besteht nicht darin, immer nur populäre Dinge zu tun. Es geht vielmehr darum, dass Richtige zu tun. Binge drinking ist ein ernstes Problem und ich werde mit Entschiedenheit dagegen vorgehen."

Am 17. Juli 2013 verkündete die Regierung jedoch eine Kehrtwendung (Meldung der BBC), die sich schon Monate zuvor abzeichnete.

Wie diese Kehrtwendung zustande kam, hat der Wissenschaftsjournalist Jonathan Gornall untersucht und in einem fünfteiligen Beitrag im British Medical Journal dokumentiert. Es handele sich um ein Lehrbeispiel für die Fähigkeit der Alkoholindustrie, die Public Health-Politik zu beeinflussen.

Zu den Elementen, welche die Einflussnahme der Getränkeindustrie ermöglichte, zählen:


• Offene Türen auf allen Ebenen der Regierung und bei vielen Parlamentsmitgliedern, kein Zugang jedoch für Vertreter des Mindestpreises.

• Ein Gesundheitsminister, der Konservative Andrew Lansley, der sich gegen stets gegen die Mindestpreis-Regelung aussprach

• Eine vom Department of Health zusammengestellte und auf freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie ausgerichtete Kommission aus Industrie- und Public Health-Vertretern ("Alcohol Network Group").

• Pseudowissenschaftliche, Fakten negierende, inhaltlich leicht zu widerlegende aber öffentlichkeitswirksame Veröffentlichungen Industrie-finanzierter Think Tanks, wie z.B. das Pamphlet "The Minimal Evidence for Minimum Pricing. The fatal flaws in the Sheffield Alcohol Policy Model" des Adam Smith Institute. Diese "Studie" erfüllt alle Kriterien von Denialism.

• Eine seitens der Alkoholindustrie gründliche und langfristig angelegte "Pflege der politischen Landschaft" u.a. durch Unterstützung von parteienübergreifenden Parlamentariergruppen wie z.B. der "All party Scotch Whisky and Spirits Group" oder der "All Party Parliamentary Beer Group".


Das Ergebnis: Die Regierung führt den Mindestpreis für Alkohol nicht ein sondern "erwägt" ihn weiterhin. Während sie sich im März 2012 noch auf die Minimumpreis-Evidenz der Sheffield Alcohol Research Group stützte, bezeichnet sie diese Evidenz jetzt als "nicht ausreichend konkret" dafür, die "Schäden problematischen Trinkens zu mindern ohne die verantwortlich Trinkenden zu bestrafen." In einem begleitenden Editorial bezeichnet Fiona Godlee dieses Ergebnis als schandhaft und zitiert zitiert die Allgemeinärztin und Abgeordnete der Konservativen, Sarah Wollaston: "You've got a government telling doctors to get out there and reduce avoidable mortality and yet they've stepped away from one of the best tools they could deliver for doctors to be able to do that."

Weniger erfolgreich war die Alkoholindustrie bisher in Schottland. Das schottische Parlament hat im Mai 2012 einen Mindestpreis von 50 Pence pro 10 ml reinen Alkohol im Alcohol (Minimum Pricing) (Scotland) Act 2012 beschlossen. Hier zieht die Industrie auf EU-Ebene alle Register, um die Umsetzung zu verhindern (Beitrag der BBC vom 25.7.2013.

Der deutschen Alkoholindustrie ist es bislang bestens gelungen, Diskussionen im politischen Raum bereits im Vorfeld zu ersticken (Die Gesetzeshüter; DIE ZEIT 14.5.2009).






Serie "Under the Influence" im British Medical Journal Link Die Artikelserie ist leider kostenpflichtig, hier aber auch Zusatzinformationen

Kommentar: Minimum alcohol pricing: a shameful episode; Fiona Godlee Link

Veröffentlichungen der Sheffield Alcohol Research Group Link

Alkoholstrategie der englischen Regierung vom März 2012 Link

Joseph Kuhn. Evidenz in Interessenkonflikten: Das Beispiel Passivrauchen Link. Die hier am Beispiel dargelegten Prinzipien des Denialism gelten ebenso für Themen wie Alkoholmindestpreis oder Klimawandel.

Minimum alcohol pricing plan shelved. Beitrag der BBC, 17.7.2013 Link

Website Jonathan Gornall Link

Die Gesetzeshüter. Wie die deutschen Bierbrauer neue Gesetze gegen Alkoholmissbrauch verhindern und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung entmachten. Die ZEIT, 14.5.2009, S. 17 Link

David Klemperer, 21.1.14