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Patienten
Gesundheitsversorgung: Analysen, Vergleiche


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Eine Frage der Ehre? Honorary authorship und ghost authorship noch immer weit verbreitet

Artikel 2030 Die korrekte Angabe der Autorenschaft eines wissenschaftlichen Beitrags gilt als notwendig für dessen Glaubwürdigkeit. Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass die wahre Herkunft von Beiträgen durch die sog. Gastautorschaft (im englischen Sprachgebrauch "honorary authorship") und Ghostwriting (engl.: "ghost authorship") verschleiert wird. Im ersteren Fall werden Personen als Autor genannt, die nicht die entsprechenden Kriterien des Internationalen Kommittees von Herausgebern medizinischer Fachzeitschriften (ICMJE) erfüllen - im Extremfall keinerlei Beitrag geleistet haben. Im zweiten Fall hat eine Person wesentliche Beiträge geleistet, z.B. Daten ausgewertet oder den Artikel teilweise oder ganz geschrieben, ohne als Autor genannt zu werden.
Üblicherweise wird auf diese Weise vernebelt, dass ein industrieller Sponsor im Hintergrund der veröffentlichten bzw. diskutierten Forschungsergebnisse steht.

Gerade ist eine Studie in vollständiger Form erschienen, über deren Vorstellung im Jahr 2009 auf dem International Meeting of Journal Editors wir bereits berichteten.

Für die Untersuchung wurden aus insgesamt 2297 Veröffentlichungen aus dem Jahr 2008 in 6 namhaften allgemeinmedizinischen Fachzeitschriften (Annals of Internal Medicine, JAMA, Lancet, Nature Medicine, New England Journal of Medicine, PLoS Medicine) 896 Erstautoren zufällig ausgewählt und per Fragebogen (Link zum Fragebogen) danach befragt, inwieweit sie selbst und ggf. die Mitautoren die Kriterien für Autorenschaft erfüllen. 630 Autoren antworteten (70,3%).
Die Veröffentlichungen wurden unterschieden nach Studien (research), Berichten über Studien (reviews) und Editorials.

Die Antworten wurden mit einer analogen Befragung aus dem Jahr 1996 verglichen.
Gastautorschaft oder Ghost writing lag im Jahr 2008 bei insgesamt 21% der Veröffentlichungen vor, im Jahr 1996 waren es noch 29,3% gewesen.

Der Anteil der Beiträge mit Gastautorschaft betrug 2008 17,6% (96 von 545) (1996: 29,2%) mit dem höchsten Anteil (29,3% bzw. 12 von 41) bei Nature Medicine und dem niedrigsten Anteil (12,2% bzw. 18 von 147) beim New England Journal of Medicine.
Bezogen auf die unterschiedlichen Beitragstypen lauten die Ergebnisse: Forschung 25% (1996: 16,3%), Editorials 11,2 % (1996: 20,8%), Berichte 15% (1996: 25,5%).

Der Anteil der Beiträge mit Ghost authorship betrug im Jahr 2008 insgesamt 7,9% (49 von 622) (1996: 11,5%)gegenüber 11,5% im Jahr 1996 und reichte von 2,1% (1 von 48) bei Nature bis 11,0% (18 von 163) beim New England Journal of Medicine. Bezogen auf die Art der Beiträge gab es keine wesentlichen Unterschiede.

Unangemessene Autorenschaft ("inappropriate auhorship") ist somit generell dieser Untersuchung und den Kriterien der ICJME zufolge von 29% auf 21 % gesunken. In Anbetracht der Tatsache, dass die untersuchten Fachzeitschriften Beiträge mit unangemessener Autorenschaft nicht annehmen, wenn sie davon wissen, erscheinen 21% nicht niedrig. Noch dazu ist der Anteil von Gastautoren bei Forschungsartikeln - also in der Regel Originalstudien - von 16,3 auf 25% angestiegen. Entwarnung kann somit nicht gegeben werden.

Ein weiterer kritischer Aspekt sind die Kriterien der ICJME, die selbst bei Einhaltung nicht allzu tauglich darin sind, die Herkunft einer Studie offenzulegen (wir berichteten Link). In einem Editorial stellen die Herausgeber der Zeitschrift Neurology ihre differenzierten strikteren Kriterien für die Autorenschaft vor.




Volltext Link

Kriterien der ICMJE für Autorenschaft Link

Kriterien von Neurology für Autorenschaft Link

Editorial Link im BMJ (Extrakt)

David Klemperer, 5.11.11