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Gesundheitsversorgung: Analysen, Vergleiche


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Konisation - kleiner Eingriff, große Folgen

Artikel 1350 Schon lange steht ein kleiner Eingriff am Gebärmutterhals im Verdacht, bei späteren Schwangerschaften Probleme zu bereiten. Bei der so genannten Konisation wird ein Teil des Gebärmutterhalses herausgeschnitten. Die Konisation dient dazu, bei der Krebsfrüherkennung mittels Pap-Test entdeckte und mittels Histologie bestätigte Krebsvorstufen zu entfernen. Ein Lehrbuch von 1994 bezeichnet die Konisation dagegen noch als "diagnostischen Eingriff" (Dudenhausen 1994). Studien haben gezeigt, dass es neben Komplikationen für die behandelten Frauen bei späteren Schwangerschaften häufiger zu Frühgeburten nach Konisationen kommt.

Jetzt hat eine Meta-Analyse von Marc Arbyn vom Scientific Institute of Public Health in Brüssel und Kollegen erstmals eine ausreichend große Datenmenge analysiert, um noch schwerer wiegende Komplikationen statistisch abzusichern. Dabei zeigte sich, dass nach Konisationen etwa perinatale Mortalität (Tod des Fetus kurz vor der Geburt oder des Neugeborenen) gehäuft auftritt. Diese Ergebnisse sind insofern relevant, als häufig Frauen im gebärfähigen Alter konisiert werden.

Die Autoren der Studie analysierten eine prospektive Kohortenstudie und 19 retrospektive Studien. Verrechnen sie die Todesfälle nach Konisation mit denen ihrer Kontrollgruppe, kommen sie unter anderem auf folgende number needed to harm (NNH, Anzahl der Behandlungen pro Schadensfall):
- für die perinatale Mortalität bei der Konisation mit Skalpell von 71, mit Laser und radikaler Diathermie von 67 und mit Elektroschlaufe von 500
- für das Geburtsgewicht des Neugeborenen unter 2 Kilogramm bei der Konisation mit Skalpell von 16, mit Laser von 14, mit Diathermie von 29 und mit Elektroschlaufe von 106.

Derzeit werden in Deutschland 140.000 Konisationen jährlich durchgeführt (Mühlhauser, arznei-telegramm 2008). Auf die Altersgruppe der gebärfähigen Frauen bis 40 entfallen dabei etwa 60.000 Konisationen. Bei einer gleichmäßigen Verteilung der vier Konisationsmethoden läge die durchschnittliche NNH bei 176. Bei einem Kind pro Frau in dieser Altersgruppe würden demnach pro Jahr 340 Feten oder Neugeborene an den Folgen einer Konisation sterben. Eine zurückhaltendere Konisation wird nicht empfohlen, da konisierte Frauen immer noch eine überdurchschnittlich hohe Tumorrate haben.

Wer Marc Arbyn persönlich hören und mit ihm diskutieren möchte, hat am 4.10.2008 Gelegenheit dazu: Arbyn wird im Rahmen des 16. Cochrane Colloquiums in Freiburg die Subgroup Cervical Cancer Prevention leiten.

Christian Weymayr, 23.9.2008