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Versorgungsforschung: Krebs


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Persönliche Charakteristika von Ärzten spielen Rolle bei der leitliniengerechten Brustkrebsbehandlung

Artikel 1151 Geahnt haben es zwar immer schon einige Patienten oder meist Patientinnen: Art und Umfang der Behandlung bestimmter Erkrankungen hingen auch vom Geschlecht der behandelnden Person ab. Entsprechende Belege bestanden aber meist "nur" aus eigenen Erfahrungen oder einzelnen Erfahrungsberichten und nicht aus halbwegs validen Untersuchungen.

Für die Behandlung von Frauen mit Mammakarzinom, also eine der häufigeren schweren und auch hochsensiblen Erkrankungen von Frauen, hat sich dies durch eine jetzt im US-"Journal of the National Cancer Institute" (2008; 100:199-206) etwas geändert. Der Untersuchung lagen Daten der "Surveillance, Epidemiology and End Results (SEER)-Medicare database" für Frauen über 65 Jahren zugrunde, die zwischen 1991 und 2002 an Brustkrebs erkrankten und operiert wurden. Von den so identifizierten 29.760 Frauen hatten 22.207 (75%) Radiotherapie erhalten. Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass noch mehr persönliche Charakteristika der behandelnden Ärzte eine Rolle spielen und einige Einflussfaktoren trotz statistischer Signifikanz nur eine relativ schwache Bedeutung haben.

Dawn Hershman vom "Herbert Irving Comprehensive Cancer Center" an der New Yorker Columbia Universität legte seiner Untersuchung für die Behandlung eines im Frühstadium entfernten Mammakarzinoms in praktisch sämtlichen Leitlinien empfohlene Radiotherapie zugrunde. Diese Therapie erhöht dabei spürbar die Überlebenschance der Patientinnen. In einem zweiten Schritt stellte er fest, dass diese Form der Therapie in den USA trotzdem nur rund 75% der dafür in Frage kommenden Frauen angeboten wird. Der dritte Schritt bestand dann darin, auch nach Gründen für die Nicht-Anwendung der Leitlinie zu suchen, die in der Person oder Ausbildung der Onkologen liegen könnten. Denn obwohl sich auch hier zeigte, dass das Alter, die Hautfarbe, der Familienstand und die Entfernung zum Behandlungsort einen Einfluss auf Erhalt oder Nichterhalt der Radiotherapie besaßen, blieben immer noch unerklärte Teile des Geschehens über.

Die weiteren erklärenden Faktoren sind eine interessante Mischung:

• Weibliche Ärzte empfehlen ihren Patientinnen zu 13% häufiger eine Radiotherapie (Wahrscheinlichkeitsrate/odds ratio 1,13).
• Fast gleichauf (odds ratio 1,12) lag der Faktor, ob der Arzt in den USA ausgebildet wurde.
• An der Spitze lag aber der Einfluss eines Doktortitels (odds Ratio 1,55).
• Eine hohe Bedeutung hat auch die Dauer der Berufsausübung der Ärzte: Wer mehr als 15 Patientinnen nach brusterhaltender Therapie betreute, riet zu 18% häufiger zur Radiotherapie als Berufsjüngere.

Über die Gründe z. B. des Handelns weiblicher Ärzte lässt sich aber nach Meinung der ForscherInnen auch nach ihrer Studie weiterhin nur spekulieren. Für wahrscheinlich gehalten wird aber, dass zumindest beim Charakteristikum Geschlecht die bessere Einfühlunfähigkeit der weiblichen Ärzte in ihre Patientinnen eine entscheidende Rolle spielt. Um an diesen folgenschweren Handlungsbarrieren etwas ändern zu können, muss man sicherlich noch mehr über die Wirkmechanismus wissen, kann aber den gezeigten Spuren folgen.

Den Aufsatz "Surgeon Characteristics and Receipt of Adjuvant Radiotherapy in Women With Breast Cancer" von Dawn L . Hershman , Donna Buono , Russell B . McBride , Wei Yann Tsai , Kathy Ann Joseph ,
Victor R . Grann und Judith S . Jacobson aus dem "Journal of National Cancer Institute (JNCI)" (2008; 100: 199 - 206) gibt es als Abstract.

Bernard Braun, 17.2.2008