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Gesundheitssysteme in Europa: Große Lösungen und komplette Systemwechsel sind chancenlos

Artikel 0207 Die Finanzierung der Krankenversicherung über einkommensabhängige Beiträge steht nicht nur in Deutschland unter Druck. Das zeigt ein Vergleich unter 16 europäischen Ländern, die der Frankfurter Professor für Sozialpolitik Diether Döring und Gutachter der Hessen Agentur im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung jetzt analysiert haben. Ein Patentrezept fürs Gesundheitssystem sucht man auch im Ausland vergeblich, aber ein Trend geht zu einer stärkeren Steuerfinanzierung.

Das alte Europa der EU-15 ist zweigeteilt: In acht Staaten, darunter in Deutschland, finanziert sich die Krankenversicherung über Beiträge, die auf das Arbeitseinkommen fällig werden. In sieben Ländern werden Ärzte, Medikamente und Kliniken dagegen aus dem allgemeinen Steuertopf bezahlt. Neben Großbritannien und Irland sind das die nordischen Staaten Dänemark, Finnland, Schweden sowie Spanien und Portugal. Ausreißer in Europa in der Krankenkassenfinanzierung ist die Schweiz.

Seit 1996 zahlen die Eidgenossen Kopfpauschalen, unabhängig von Einkommen, Geschlecht und Alter. Lediglich für Kinder und Jugendliche gibt es Ermäßigungen. Zufrieden sind die Eidgenossen mit ihrem System jedoch nicht. Die Gesundheitsausgaben, seit langem die höchsten in Europa, sind nicht gesunken, der Trend nach oben habe sich seit Einführung der Kopfpauschale eher beschleunigt, stellen die Forscher fest. Die durchschnittliche Pauschalprämie ist dementsprechend drastisch gestiegen - von 173 Schweizer Franken im Jahr 1996 auf 280 Franken 2004. Ein knappes Drittel der Schweizer erhält staatliche Subventionen, weil sie sonst mehr als zehn Prozent ihres Einkommens für die Krankenversicherung ausgeben müssten. Generell müssen die Versicherten bei den Krankheitskosten überdies einen Selbstbehalt von 300 Franken im Jahr tragen. Die Konsequenz ist Unzufriedenheit. Die Beitragsentwicklung "in Verbindung mit steigenden privaten Zuzahlungen hat die Akzeptanz dieses Finanzierungssystems sinken lassen", analysieren die Wissenschaftler.

Aber auch in anderen EU-Ländern zeigen sich zunehmende größere Probleme der Finanzierung des Gesundheitswesens, ohne dass irgendwo eine Patentlösung in Sicht wäre. Großen Lösungen im Sinne eines kompletten Systemwechsels geben die Forscher kaum Chancen. Das liegt nicht nur daran, dass Institutionen und Sozialrecht in jedem Land auf das seit Jahrzehnten existierende System zugeschnitten sind. Die möglichen Alternativen haben selber ihre Schwachstellen:
• In Ländern mit Kopfpauschalen steigen die Gesundheitsausgaben wie in der Schweiz besonders stark. Außerdem belastet das Schweizer Modell nach Erkenntnis der Forscher insbesondere Familien mit mittlerem Einkommen und ältere Menschen überproportional.
• Aus Steuern finanzierte Gesundheitssysteme weisen wiederum zwar oft relativ niedrige Gesundheitsausgaben auf, weil der Staat als Financier die Aufwendungen direkt lenken kann. Doch was in den Haushaltsbilanzen gut aussieht, führt in Praxen und Kliniken nicht selten zum Behandlungsstau. So müssen Patientinnen und Patienten etwa in Großbritannien, Irland und Spanien nach wie vor lange auf Operationen oder sogar auf manche Untersuchungen warten.
• Realistischer sind nach Analyse der Frankfurter Forscher deshalb Kombinationslösungen, bei denen künftig ein höherer Anteil aus Steuermitteln in die Finanzierung fließt. Einige dieser Länder sind auf dem Weg zu einer Mischfinanzierung auch schon weit fortgeschritten, wie in Luxemburg, Österreich, Belgien oder Griechenland.

Auf der Website der Hans-Böckler-Stiftung ist das komplette Gutachten (116 Seiten) als PDF-Datei verfügbar: Europäische Gesundheitssysteme unter Globalisierungsdruck. Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, Wiesbaden 2005, Hessen Agentur Report Nr. 689

Gerd Marstedt, 2.12.2005