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Gesundheitssystemvergleich aus Verbrauchersicht - Ist ein 14. Platz für das deutsche System gut oder schlecht?

Artikel 2136 Gesundheitssystemvergleiche, -rankings oder -benchmarkings gehören zum Standardrepertoire gesundheitspolitischer Debatten und lösen immer wieder Import-/Export-Pläne aus. Dass es dafür weder "die" gültigen Indikatoren gibt, noch soziale Systeme wie unterschiedliche Supermärkte sind aus denen man die jeweils günstigsten Leistungen, Strukturen oder Ergebnisse herauspicken und zu einem neuen Super-Supermarkt/-system bündeln kann, gehört aber auch zu den Erkenntnissen der Beschäftigung mit vielen dieser Vergleiche. Hinzu kommt, dass allein schon die Auswahl der Indikatoren häufig zu deutlich unterschiedlichen Rangpositionen der Systeme führt.

Allein schon die häufig für den Vergleich benutzte Größe der Gesundheitsausgaben führt je nach der gewählten Variante beim beliebten Deutschland-Niederlande-Vergleich zu drei unterschiedlichen Rangreihen. Nimmt man den Indikator Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt nimmt das deutsche Gesundheitssystem sortiert nach der Höhe Platz 4 unter den OECD-Ländern ein und das der Niederlande Platz 9. ein. Nutzt man den Indikator Gesamtausgaben für Gesundheit pro Kopf in kaufkraftbereinigten US-Dollars fällt Deutschland auf Platz 8 und die Niederlande steigt auf Platz 5 der OECD-Rangreihe. Berücksichtigt man schließlich die Tatsache unterschiedlicher Altersstrukturen und damit auch Ausgabenhöhen in den OECD-Ländern und adjustiert die Gesundheitsausgaben pro Kopf nach der Altersstruktur, ist das niederländische Gesundheitssystem 15,49 % teurer als das deutsche. Dieses ist bei dieser Betrachtungsweise dann um 4%, 11% und 37% teurer als die Gesundheitssysteme in Schweden, Großbritannien oder Portugal.

Noch wichtiger als die Auswahl der Indikatoren für ein- und denselben Sachverhalt ist aber welche Strukturen, Abläufe und Ergebnisse eines Gesundheitssystems auf dem "Steckbrief" landen und welche oder wessen Blickwinkel dabei leitend sind.
Einen Versuch aus dem Blickwinkel der Verbraucher im Gesundheitswesen stellt der seit 2005 gerade zum sechsten Mal erschienene "Euro Health Consumer Index (EHCI)" (siehe u.a. den Forums-Bericht zu einer früheren Ausgabe) dar.

In der Rangliste 2012 werden 34 nationale europäische Gesundheitssysteme (darunter die aller 27 EU-Mitglieder) mit Hilfe von 42 Indikatoren bewertet. Diese Bewertung besteht aus fünf Bereichen, die nach Ansicht der Experten des schwedischen Instituts Health Consumer Powerhouse für den Verbraucher im Gesundheitssystem wichtig sind: Patientenrechte und -informationen, Wartezeiten für ausgewählte Behandlungen, Häufigkeit der Diagnosen bestimmter Krankheiten, Vorsorge, Vielfalt und Umfang der angebotenen Leistungen und Pharmazeutika. Der Index wertet dafür öffentliche Statistiken, Patientenumfragen und Forschungsprojekte aus.

Die Autoren des Berichts geben dabei vorbildlich an, dass die Erstellung des "EHCI 2012 … mit unbegrenzten (!??? - Anmerkung durch bb) Fördergeldern von EFPIA (europäischer Dachverband der nationalen Verbände forschender Pharmaunternehmen und einzelner Pharmaunternehmen), Pfizer Inc., Novartis SA und Medicover SA unterstützt (wurde)". Und ein bisschen merkt man dies auch zumindest bei der Auswahl der Indikatoren für die Arzneimittelversorgung. Für die Einzelheiten der ausgewählten Indikatoren und ihrer Werte für jedes Land sei die Lektüre empfohlen.

Das in der öffentlichen Wahrnehmung meist einzig wahrgenommene Ranking der europäischen Gesundheitssysteme bei dem maximal 1.000 Punkte umfassenden EHCI sieht so aus:

• Das deutsche Gesundheitssystem liegt mit 704 Punkten auf Platz 14. Die Niederlande mit 872 Punkten, gefolgt von Dänemark (822), Island (799), Luxemburg (791) und Belgien (783) liegen auf den vorderen Plätzen. Schlusslichter sind Bulgarien und Serbien mit 456 und 451 Punkten.
• Dies bedeutet, dass das deutsche Gesundheitssystem 2012 deutlich schlechter bewertet wird als 2009: 2009 lag es noch auf Platz sechs. Deutschland liegt somit zum ersten Mal hinter Großbritannien und befindet sich auf dem gleichen Niveau wie Tschechien und Irland.
• Beim Vergleich aller Wellen des Index seit 2005 verbessert sich die Qualität der europäischen Gesundheitssysteme insgesamt stetig.
• Dennoch weisen die Autoren für das 2012 auf mögliche unerwünschte Wirkungen der ökonomischen Krise in den meisten EU-Ländern hin: Die Tendenz ist, dass man in den Ländern, auf die sich die Wirtschaftskrise am meisten ausgewirkt hat, länger auf teure Operationen warten muss, gesteigerte Selbstbeteiligungsraten für zahlreiche Behandlungen ertragen muss, ein Mangel an Verbesserungen und ein sich verschlechternder Zugang zu neuen Medikamenten besteht.
• Zu dem beim internationalen Vergleich für einige der Länder dringenden Verbesserungsbedarf gehören die Krankenhausinfektionen, die in jedem zweiten der 34 bewerteten Länder konstant berichtet werden. Ähnlich sieht es beim oft gesundheitlich nicht notwendigen und auch noch folgenträchtigen (z.B. Bildung resistenter Keime) Einsatz von Antibiotika aus. Ob das von der EU geplante Verbot des Verkaufs von Antibiotika ohne Rezept wirklich helfen würde, kann angesichts der gerade von der Über- und Fehlversorgung von verordneten Antibiotika geprägten Situation in Deutschland bezweifelt werden.

Den 81-seitigen Bericht "Euro Health Consumer Index 2012" von Arne Björnberg erhält man komplett kostenlos.

Bernard Braun, 18.6.12