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Studie zeigt gravierende Mängel bei Arzneimittel-Information für Patienten auf

Artikel 0609 Arzneimittel-Informationen für Patienten, in Form von Beipackzetteln oder ärztlichen Instruktionen, sind für Patienten selbst ganz überwiegend unverständlich formuliert und wenig nachvollziehbar, dies hat jetzt eine große Studie festgestellt, in der über 70 wissenschaftliche Veröffentlichungen zu diesem Thema noch einmal neu ausgewertet wurden. Darüber hinaus wurden in der Studie im Rahmen vieler Workshops mit Ärzten, Patienten und Selbsthilfegruppen Anregungen für eine zukünftig bessere Gestaltung dieser wichtigen Informationen erarbeitet.

In dem jetzt vorgelegten Bericht eines Forschungsteams mit Wissenschaftlern mehrerer englischer Universitäten wird sowohl die inhaltliche als auch die grafische Gestaltung von Arzneimittelinformationen heftig kritisiert. Patienten bemängeln den medizinischen Fachjargon, der für sie nicht verständlich ist, ebenso wie die zumeist spartanische grafische Gestaltung und die fehlende Anreicherung der Zettel oder Broschüren durch Grafiken und anschauliche Diagramme.

Ein genau so zentraler Kritikpunkt von Patienten zielt darauf, dass die Information viel zu pauschal und allgemein ist, und dass der einzelne Patient mit seinem ganz besonderem Krankheitsspektrum nicht berücksichtigt wird. Medikamentenwirkungen in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht, Gesundheitszustand und weiteren Beschwerden oder auch chronischen Erkrankungen wären jedoch für Patienten von erheblicher Bedeutung. Schließlich wird auch kritisiert, dass in den Informationen kein Gleichgewicht besteht in der Abwägung von positiven und negativen Facetten der Medikamente, von Risiken und Nutzen.

Auch die Tatsache, dass Medikamenten-Beipackzettel von der Pharma-Industrie selbst und nicht von unabhängigen Institutionen verfasst sind, ist Anlass für Kritik. Da gegenüber der Pharma-Industrie ganz allgemein ein erheblich Misstrauen bestünde, führen die Wissenschaftler aus, wirkt sich dieses dann so aus, dass deren Informationen über Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente eher mit Skepsis und Misstrauen begegnet wird. Sie schlagen auch vor, dass bei der inhaltlichen Gestaltungen von Arzneimittel-Informationen zukünftig sehr viel stärker Patienten und Patienten-Selbsthilfegruppen beteiligt werden sollten.

Hat die Art der Arzneimittel-Information einen Einfluss auf die Therapietreue, also die Einnahme der Medikamente so wie verordnet? Der Bericht geht auch auf diese Frage ein, findet jedoch keine überzeigende Belege für diese Annahme. Offensichtlich ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Art der Information in den USA und Europa derart ähnlich und derart ähnlich unbefriedigend, dass hier keine positiven Beispiele durchschlagen können.

Überraschend für die Wissenschaftler war die völlig unterschiedliche Einschätzung der Funktion von Arzneimittel-Informationen. Während Ärzte fast immer hervorheben, dies sei wichtig, um die "Compliance" zu steigern, also den Patienten zu überzeugen, dass er die Arznei so lange und in der Tages-Dosierung wie verschrieben einnimmt, ist bei Patienten eine andere Sicht vorherrschend. In aller erster Linie lesen sie die Beipackzettel, um zu entscheiden, ob sie die Medizin überhaupt einnehmen oder nicht. Darüber hinaus versuchten sie damit herauszufinden, was der Arzt mit ihnen vorhabe und welche Diagnose er gestellt habe.

"Unsere Studie hat auch gezeigt", heben die Wissenschaftler hervor, "dass die geschriebene Information unbedingt mit dem übereinstimmen sollte, was Ärzte in der Sprechstunde ihren Patienten mitteilen. Und sie sollte flexibler und differenzierter als bislang ausgestaltet sein, um den Bedürfnissen ganz verschiedener Patienten in verschiedenen Situationen zu genügen". Da gedruckte Informationen hier wenig geeignet sind, um unterschiedliche Patienten und Krankheitsbilder zu berücksichtigen, dürfte zukünftig dem Internet eine zunehmend größere Bedeutung zukommen.

• Hier findet man ein Abstract der Studie
• Die komplette Studie im Volltext (PDF, 194 Seiten) ist hier verfügbar: A systematic review of quantitative and qualitative research on the role and effectiveness of written information available to patients about individual medicines (Health Technol Assess 2007;11(5):1-178)
Dort findet sich auch eine sehr detaillierte Darstellung der Fragestellungen und Ergebnisse der ausgewerteten 70 Studien zum Thema "Patienteninformation zu Arzneimitteln"

Gerd Marstedt, 4.3.2007