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Epidemiologie
Übergewicht, Adipositas


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Englische und belgische Forscher interpretieren Daten von 27.000 Europäern: Übergewicht ist sozial ansteckend

Artikel 1304 Wissenschaftler aus Belgien und England hoben jetzt hervor, dass Übergewicht und Adipositas sozial ansteckende Phänomene seien. Sie hatten herausgefunden, dass Menschen in vielerlei Hinsicht davon beeinflusst werden, welches Körpergewicht Leute in ihrer nächsten sozialen Umgebung haben. Davon hängt unter anderem ab, ob sie sich selbst als übergewichtig einstufen, welche Entscheidungen sie in Bezug auf ihre Ernährung treffen und wie sie ihr Äußeres in Relation zu Gleichaltrigen einstufen.

Die Wissenschaftler stellten ihre Forschungsergebnis jetzt auf einer gesundheitsökonomischen Konferenz in Massachusetts, USA, vor. Basis ihrer Untersuchung waren Daten über 27.000 Bürger aus 29 europäischen Ländern, die aus verschiedenen Erhebungen stammen: Eurobarometer (Europäische Kommission), Sozio-ökonomisches Panel des DIW Berlin (Deutschland), National Child Development Study (UK), British Cohort Study und Health Survey of England.

Als Ergebnis zeigte sich zunächst, dass fast die Hälfte der Frauen, aber weniger als ein Drittel der Männer in Europa sich als übergewichtig bezeichnen. Dabei wurde deutlich, dass Männer und Frauen unbewusst beeinflusst werden von der Körperfülle der Menschen im nächsten sozialen Umfeld. Studienteilnehmer mit einem höheren Bildungsniveau sind sich selbst gegenüber kritischer: Völlig unabhängig von ihrem tatsächlichen Body Mass Index (BMI) bewerten sie sich häufiger als übergewichtig im Vergleich zu Menschen mit niedrigem Schulabschluss. Und es gibt deutliche Geschlechtsunterschiede: Europäische Frauen fühlten sich häufiger "zu dick", ganz unabhängig von ihrem Body Mass Index. Darüber hinaus wird die Unzufriedenheit mit dem Körpergewicht auch beeinflusst von den Durchschnittswert im jeweiligen Land.

Andrew J. Oswald, einer der beteiligten Forscher, erklärte: "Eine große Zahl von Forschungsstudien, die Übergewicht und Adipositas als Folge von mangelnder Bewegung, häufigem Sitzen, Erbanlagen oder auch der zunehmenden Fast-Food-Kultur untersucht haben, haben den zentralen Punkt übersehen: die sozialen Einflussfaktoren. Übergewicht und Adipositas müssen als soziales, und nicht als physiologisches Phänomen verstanden werden. Menschen werden in ihrem Verhalten sehr stark beeinflusst durch Vergleiche, die sie in ihrem sozialen Umfeld anstellen. Und dabei haben sich Normen verändert und sind immer noch im Fluss."

Die Studie (32 Seiten) ist hier als PDF-Datei verfügbar: David G. Blanchflower, Andrew J. Oswald, and Bert Van Landeghem: "Imitative Obesity and Relative Utility" (Prepared for the NBER Summer Institute on Health Economics, July 25, 2008)

Bereits vor einiger Zeit hatten US-amerikanische Sozialstatistiker aus Boston, Cambridge und San Diego erklärt, dass soziale Normen und Wertmaßstäbe weitaus bedeutsamer für die Entstehung von Übergewicht sind als Erbanlagen. Sie fanden mit Daten der "Framingham-Studie" heraus, dass das Übergewichts-Risiko um bis zu 171 Prozent höher liegt, wenn engere Freunde ebenfalls übergewichtig sind. Die Forscher interpretieren ihre Befunde als Effekt der Verbreitung von Normen und Wertmaßstäben in sozialen Netzwerken. Die psychosozialen Mechanismen der Verbreitung von Übergewicht beruhten dabei jedoch weniger auf einer Nachahmung von Verhaltensweisen als sehr viel mehr auf Änderungen in der generellen Wahrnehmung einer Person, was die gesellschaftliche Akzeptanz von Übergewicht anbetrifft. vgl.: Ganz dicke Freundschaften - Übergewicht wird beeinflusst von Normen im sozialen Netzwerk einer Person

Gerd Marstedt, 28.7.2008