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Erneut zeigt eine Studie: Leichtes Übergewicht (BMI 25-30) bringt kein erhöhtes Sterberisiko mit sich - im Gegenteil

Artikel 1590 Die Warnungen vor einer drohenden Übergewichts-"Epidemie" werden insbesondere in den USA und im United Kingdom immer lauter. Allerdings hat jetzt eine Studie erneut gezeigt, dass lediglich Untergewicht und schwere Adipositas ein erhöhtes Sterberisiko darstellen. Ein leichtes Übergewicht mit einem Body Mass Index (BMI) von 25 bis unter 30 zeigte nach den Ergebnissen der jetzt in der Zeitschrift "Obesity" veröffentlichten Studie hingegen sogar positive Effekte für die Lebenserwartung.

Ein Forschungsteam aus den USA und Kanada hatte jetzt Daten der "National Population Health Survey" aus Kanada ausgewertet, einer Umfrage, an der sich im Jahre 1994/95 insgesamt 11.326 Kanadier im Alter von über 24 Jahren beteiligt hatten. In dieser Umfrage, die von der obersten statistischen Behörde Kanadas alle zwei Jahre durchgeführt wird, werden auch Angaben zu Körpergröße und Körpergewicht erfragt, aus denen dann der Body Mass-Index errechnet wird. Anhand des kanadischen Sterberegisters wurden dann Todesfälle bei diesen Teilnehmern über einen Zeitraum von 12 Jahren verfolgt.

In statistischen Analysen zeigte sich dann:
• Untergewicht mit einem BMI unter 18,5 ist mit einem um 73 Prozent erhöhten Sterberisiko verbunden,
• starke Adipositas (BMI > 35) mit einem um 36% erhöhten Sterberisiko.
• Leichte Adipositas hingegen (BMI 30 bis unter 35) zeigte im Vergleich zu Normalgewichtigen keinerlei Effekte
• und für leicht Übergewichtige (BMI 25 bis unter 30) ergab sich sogar ein um 17 Prozent niedrigeres Sterberisiko.

Eine US-amerikanische Studie, die in der Zeitschrift "Journal of the American Medical Association (JAMA)" schon im Jahr 2005 veröffentlicht worden war, hatte ein ähnliches Ergebnis gezeigt. Dort war anhand von Daten der "National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES)" der Zusammenhang von Übergewicht und Sterberisiko errechnet worden. Aus den Daten von drei Erhebungs-Wellen - NHANES I (1971-1975) und NHANES II (1976-1980) mit einer Kontrolle bis 1992, und NHANES III (1988-1994) mit einer Kontrolle bis zum Jahr 2000 - errechneten die Wissenschaftler für fünf Gewichtsgruppen das jeweilige Sterberisiko.

Dort zeigte sich, dass Untergewicht (BMI < 18,5) und auch Übergewicht (BMI > 30) mit einem erhöhten Risiko verbunden war. Für leichtes Übergewicht hingegen (BMI 25 bis unter 30) zeigten sich in ähnlicher Weise wie in der kanadischen Studie sogar Vorteile. Auch unter Berücksichtigung verschiedener Altersgruppen und weiterer Risikofaktoren (wie z.B. Rauchen) lag in diesen Gruppen das Sterberisiko deutlich niedriger. Für die Gruppe der Nie-Raucher im Alter von 25-59 Jahren mit einem BMI von 25-30 zum Beispiel beträgt das Sterberisiko 0,66, ist also 34 Prozent niedriger als bei Normalgewichtigen in diesem Alter.

Über die Ursachen dieser Ergebnisse herrscht noch Unklarheit, insbesondere darüber, wieso leichtes Übergewicht ein Vorteil für die Lebenserwartung sein könnte. Denkbar ist einerseits, dass leicht Übergewichtige medizinisch besser versorgt sind, weil sie öfter zum Arzt gehen und daher Symptome schwerer Erkrankungen eher erkannt werden. Möglich scheint aber auch, dass leicht Übergewichtige mehr Energiereserven haben, die eine bessere Rekonvaleszenz im Krankheitsfalle gewährleisten. Und schließlich sollte auch die Kritik hier berücksichtigt werden, die in letzter Zeit am Body Mass Index als Kennzeichen für Übergewicht und Adipositas geübt worden ist. Hervorgehoben wurde vielfach, dass Gesundheitsrisiken sehr viel stärker von der Körperfett-Verteilung (Bauchfett) abhängen als von den Indikatoren Gewicht und Körpergröße. Die Grenzziehung für ein "Normalgewicht" mit der Festlegung "BMI unter 25" wäre demnach eher willkürlich und nicht durch Studienergebnisse über gesundheitliche Folgen belegbar.

Kostenloses Abstract der kanadischen Studie: Heather M. Orpana et al: BMI and Mortality: Results From a National Longitudinal Study of Canadian Adults (Obesity (2009) doi:10.1038/oby.2009.191)
Kostenloser Volltext der US-Studie von 2005: Katherine M. Flegal et al: Excess Deaths Associated With Underweight, Overweight, and Obesity (JAMA. 2005;293:1861-1867)

Gerd Marstedt, 28.6.09