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Epidemiologie
Übergewicht, Adipositas


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Ein bisschen rund ist zumindest nicht ungesund: Adipositas verkürzt die Lebenserwartung, leichtes Übergewicht nicht

Artikel 1677 Für jene Gewichtsklasse, die mit einem Body Mass Index (BMI) von 25-30 noch unterhalb der Adipositas oder Fettleibigkeit liegt, aber schon oberhalb des "Normalgewichts", gab es in den letzten Jahren höchst widersprüchliche Meldungen im Hinblick auf damit verbundene Krankheits- und Sterberisiken. Große epidemiologische Studien gaben einerseits Entwarnung, dass leichtes Übergewicht gesundheitlich unproblematisch sei, wenn nicht sogar positiv zu bewerten. Andere Studien vermeldeten das Gegenteil: Schon geringfügige höhere Werte als ein BMI von 25 würden danach die Lebenserwartung verkürzen. Eine jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit der Hamburger Wissenschaftler Matthias Lenz, Tanja Richter und Ingrid Mühlhauser hat auf der Basis von 27 Metaanalysen und 15 Kohortenanalysen gezeigt: "Die Gesamtmortalität bei Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) ist im Vergleich zu Normalgewicht (BMI 18,5 bis 24,9) nicht erhöht. Demgegenüber ist sie für einzelne Erkrankungen erhöht, für andere vermindert oder unverändert."

Die Mitteilungen für gesundheitsbewusste, aber leicht übergewichtige Personen waren in den letzten Jahren höchst widersprüchlich und verwirrend, auch wenn nur die Ergebnisse methodisch fundierter Studien mit sehr großen Stichproben beachtet wurden. Zwei Studien wurden im renommierten "New England Journal of Medicine" veröffentlicht: Eine 12jährige Kohortenstudie mit über 1,2 Millionen Koreanern (vgl.: Sun Ha Jee et al: Body-Mass Index and Mortality in Korean Men and Women) und eine 10jährige Kohortenstudie mit über 500.000 US-Amerikanern (vgl.: Kenneth F. Adams et al: Overweight, Obesity, and Mortality in a Large Prospective Cohort of Persons 50 to 71 Years Old). Beide Untersuchungen waren, auch unter Berücksichtigung des Gesundheitsrisikos Rauchen, zu dem Schluss gekommen, dass schon ein geringfügig höherer BMI als 25 auch mit einer höheren Gesamtsterblichkeit (unter Berücksichtigung verschiedenster Todesursachen) einhergeht.

Völlig konträr waren demgegenüber die Befunde anderer Studien aus den USA und Kanada (vgl. Erneut zeigt eine Studie: Leichtes Übergewicht (BMI 25-30) bringt kein erhöhtes Sterberisiko mit sich - im Gegenteil). Dort hatte sich unter anderem gezeigt: Untergewicht (mit einem BMI unter 18,5) ist mit einem um 73 Prozent erhöhten Sterberisiko verbunden, starke Adipositas (BMI > 35) mit einem um 36% erhöhten Sterberisiko, während für leicht Übergewichtige (BMI 25 bis unter 30) sich sogar ein um 17 Prozent niedrigeres Sterberisiko ergab.

Die jetzt veröffentlichte deutsche Übersichtarbeit sollte der Verwirrung ein Ende bereiten, denn die Datenbasis ist beeindruckend. Einbezogen wurden 27 Metaanalysen und 15 Kohortenanalysen, wobei die Metaanalysen ihrerseits 420 Einzelstudien umfassten. Fallkontroll- und Querschnittsstudien (sowie Metaanalysen mit solchen Studien) wurden ausgeschlossen. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien wurde nach Cochrane-Kriterien dokumentiert.

Die zentralen Befunde der Analysen waren dann in der Zusammenfassung der Wissenschaftler selbst:
"• Übergewicht birgt für einige Erkrankungen ein erhöhtes, für andere ein vermindertes oder unverändertes Risiko.
• Bei Übergewicht ist die Gesamtsterblichkeit nicht erhöht. Sie ist für einzelne Erkrankungen erhöht, für andere vermindert oder unverändert.
• Adipositas birgt für mehr Erkrankungen ein erhöhtes, für weniger ein vermindertes oder unverändertes Risiko.
• Bei Adipositas ist die Gesamtmortalität um etwa 20 % erhöht, bei hochgradiger Adipositas können es mehr als
200 % sein.
• Die bisherige Annahme, Übergewicht berge gegenüber dem sogenannten Normalgewicht ein erhöhtes Morbiditäts-und Mortalitätsrisiko, muss spezifiziert werden." (Lenz, Richter, Mühlhauser 2009, S. 648)

Die Studie ist kostenlos als PDF-Datei verfügbar: Matthias Lenz, Tanja Richter, Ingrid Mühlhauser: Morbidität und Mortalität bei Übergewicht und Adipositas im Erwachsenenalter. Eine systematische Übersicht
Oder als HTML-Datei
Ferner gibt es als Supplement eine PDF-Datei mit altersspezifischen Ergebnissen

Gerd Marstedt, 30.11.09