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Arzt-Patient-Kommunikation


Unheilbarer Krebs: die meisten Patienten wünschen vollständige Informationen (11.7.16)
"Well, palliative is, oh God, where people go to hospital to die." Die Rolle von Begriffen und Einbettungen im Gesundheitswesen (25.4.16)
Chemotherapie bei fortgeschrittenem Krebs: Ärzte lassen Patienten keine Wahl, aber Patienten merken es nicht (16.3.16)
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Neue Krebsmedikamente 5: Fortgeschrittener Krebs - keine Chemotherapie ist auch eine Option (24.2.16)
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Schäden von Krebsfrüherkennung 3 - "Falscher Alarm" bei Brustkrebsfrüherkennung bewirkt psychische Langzeitschäden (19.2.15)
Schäden von Krebsfrüherkennung 2 - Quantität und Qualität der Studien zu psychischen Folgen von Krebsfrüherkennung unzulänglich (19.2.15)
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Schäden von Krebsfrüherkennung - 4 neuere Studien (19.2.15)
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Präferenzfehldiagnose bei Stentimplantation und beim Prostatakrebs (28.7.14)
Unterschiedliche Prioritätensetzung erschwert gemeinsame Entscheidungsfindung: Das Beispiel Empfängnisverhütung. (12.6.14)
"Noncompliance kann tödlich enden" oder warum es beim Entlassungsmanagement in Kliniken manchmal um mehr als warme Worte geht (29.5.14)
Bessere Behandlungsergebnisse durch Information und Beteiligung (16.5.14)
Nutzung von elektronischen Patienteninformationen und Entscheidungshilfen kann Arzt-Patient-Kommunikation negativ beeinflussen (29.1.14)
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Wie kommt es zu mangelnder Therapietreue? Ergebnisse einer qualitativen Studie mit an rheumatoider Arthritis erkrankten Menschen (11.8.13)
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Mehr Wirtschaft als Gesundheit - Staatliche Förderung für IgeL (9.8.12)
Nicht nur "offensichtlich" sondern empirisch sicher: Wirkungen nonverbalen Verhaltens von Ärzten und Pflegekräften auf Patienten (20.7.12)
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Autoritäres Verhalten von Ärzten verhindert Shared Decision Making (16.6.12)
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"They don't ask me so I don't tell them" oder Warum Patienten längst nichts alles ihrem Arzt erzählen!? Beispiel Alternativmedizin

Artikel 1572 Viele Menschen greifen, wenn es um ihre Gesundheit oder die Behandlung einer Krankheit geht, mittlerweile aktiv - allein oder mit Hilfe entsprechender Experten - zu Mitteln und Verfahren der komplementären oder alternativen Medizin bzw. Heilkunde. Nach vielen Jahren des Widerstandes gegen die breite Palette derartiger Angebote nimmt seit einigen Jahren sogar der Anteil der Ärzte zu, die ihren PatientInnen neben der traditionellen biomedizinischen Diagnostik und Behandlung auch alternative Angebote wie z.B. die Akupunktur oder Naturheilverfahren anbieten oder zumindest nicht kategorisch eine Art Parallelbehandlung ablehnen.

Darüber, wie die Kommunikation zwischen alternativmedizinisch engagierten PatientInnen und ihren traditionell orientierten Ärzten verläuft und wie gemeinsame Entscheidungen zugunsten welcher Behandlungsorienterung zustande kommen oder auch nicht, gibt es sehr wenig Transparenz. In zahlreichen Studien wird aber ein Mangel an Kommunikation geklagt oder von unerwünschten Effekten schlecht geführter Kommunikation berichtet. Zu diesen Effekten gehören vor allem mögliche gesundheitsgefährdende Wechselwirkungen zwischen jeweils hochwirksamen traditionellen und alternativen Arzneimitteln bzw. Wirkstoffen.

In einem methodisch aufwändigen, mehrstufigen qualitativen Forschungsdesign haben dies nun WissenschaftlerInnen aus den USA bei 114 Patienten, 41 Klinik-Verwaltungskräften und 19 Allgemeinärzten in acht Kliniken in dem Forschungsnetzwerk RIOS Net (Research Involved in Outpatient Settings Network) im Südwesten der USA genauer untersucht.
Einschränkend muss von vornherein festgehalten werden, dass in den untersuchten Kliniken und Praxen hispanische und indianische US-Amerikaner überrepräsentiert waren und in diesen Bevölkerungsteilen alternative Behandlungsmethoden eine wichtige Rolle bei der Selbstbehandlung spielen.

Die wichtigsten Ergebnissen der Studie sind:

• Einige Ärzte interpretierten das niedrige Kommunikationsniveau über alternativmedizinische Behandlung als ein Zeichen dafür, dass ihre Patienten kaum Gebrauch von derartigen Behandlungsangeboten machen.
• Die Kommunikation wurde auf beiden Seiten vor allem durch drei Faktoren bestimmt, ausgelöst oder verhindert: Akzeptanz/Nichtverurteilung, die Art der Eröffnung der Kommunikation und die Thematisierung der Sicherheit und Wirksamkeit.
• Die meisten Patienten, die bei Gesundheit und Krankheit alternative Methoden anwenden, erwarten, dass ihre Ärzte das Gespräch darüber beginnen.
• Die Empfindung darüber wie offen und vorurteilsfrei ihr behandelnder Arzt auf die Inanspruchnahme alternativer Behandlung oder Mittel reagieren würde, war für die Patienten aber der wichtigste Faktor für ihre Offenheit oder Bereitschaft mit ihrem Arzt Gespräche über diesen Punkt zu führen.
• Gegenüber diesem Faktor war die empfundene fachliche alternativmedizinische Kompetenz ihres Arztes von geringerer Bedeutung.

Wegen des Risikos, dass Patienten den Gebrauch alternativer therapeutischer Mittel verschweigen, wenn sie den Eindruck haben, ihr Arzt würde das sofort "übel" nehmen, sollten Ärzte nach Ansicht der ForscherInnen bereits in der Ausbildung lernen, wie sie derartige Kommunikationsbarrieren vermeiden und aktiv überwinden. Allein schon wegen der bereits erwähnten Nichtrepräsentativität sind zum Thema hemmende und fördernde Faktoren für die Arzt-Patient-Kommunikation nicht nur zum Thema Alternativmedizin noch wesentlich mehr Untersuchungen notwendig. Das Vertrauen darauf, dass die Kommunikation schon "irgendwie" klappen würde, reicht sicherlich nicht aus, wichtige Informationsflüsse zu ermöglichen.

Der neun Seiten umfassende und gut mit Zitaten aus den Interviews angereicherte Aufsatz "'They Don't Ask Me So I Don't Tell Them': Patient-Clinician Communication About Traditional, Complementary, and Alternative Medicine" von Brian M. Shelley, Andrew L. Sussman, Robert L. Williams, Alissa R. Segal und Benjamin F. Crabtree ist in der Fachzeitschrift "Annals of Family Medicine" (Vol. 7, No. 2, März/April 2009: 139-147) erschienen und komplett kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 1.6.09