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"Zehen statt Pillen!?" - Von falschen Erwartungen an den "guten Knoblauch"

Artikel 0603 Es gibt Lebensmittel und natürliche Stoffe, deren gesundheitsfördernde Wirkung unumstößlich erscheint, bestätigt durch die jahrhundertelange Nutzung bei "gesunden" Naturvölkern oder eben eine geschickte Werbung industrieller Hersteller. Dies führt im Falle der Vitaminpillen dazu, dass in Nordamerika und Europa 80 bis 160 Millionen Menschen regelmäßig Vitamine einnehmen, und dies oft weit über dem natürlich erreichbaren Level. Auch der in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Mitteleuropa steil angestiegene Konsum von natürlichen Knoblauchzehen und in Kapseln abgefüllten Knoblauchextrakten ist maßgeblich mit gesundheitlichen Erwartungen verbunden und gefördert.

Fast gleichzeitig ist die antioxidative Wirkung von Betakarotin und Vitaminen aber auch die angeblich den Cholesterinspiegel absenkende Wirkung des Knoblauchs in randomisierten und kontrollierten Studien oder in Reviews und Meta-Analysen solcher Studien widerlegt oder erheblich eingeschränkt worden. Über die Vitaminstudie berichteten wir heute in einer anderen Meldung.

Bei der randomisierten klinischen Studie in deren Mittelpunkt der Verzehr von Knoblauch stand, ging man von der verbreiteten Hoffnung aus, dass es mit Knoblauch möglich wäre, einen mäßig erhöhten Cholesterolspiegel im Blut (Low-density lipoprotein cholesterol (LDL-C) Konzentration von 130 bis 190 mg/dL) "natürlich" senken zu können. 200 Studienteilnehmer mussten an 6 Tagen pro Woche und über 6 Monate entweder 4 Gramm rohen Knoblauch, zwei industrielle Knoblauchprodukte mit vergleichbarer Wirkstoffmenge oder ein Placebo zu sich nehmen.
Keiner der verabreichten Stoffe "had neither a statistically detectable effect nor a clinically relevant effect on plasma lipid concentrations", fassten die Forscher das Ergebnis zusammen.

Die Herausgeber der Zeitschrift "Archives of Internal Medicine" in deren aktueller Ausgabe der Aufsatz über diese Studie erschienen ist, betonen zwar, dass das Ergebnis nicht bedeutet, dass Knoblauch aufgrund bestimmter bioaktiver Inhaltsstoffe nicht z.B. bei der Prävention Herzerkrankungen hilfreich sein könnte. Trotzdem weist die veröffentlichte Studie erneut auf die Notwendigkeit hin, auch per se "gesunde Naturmittel" kritisch zu überprüfen als blind an ihre positive Wirkung zu glauben.
kritischer Überprüfung statt blindem Glauben

Hier können Sie die 8-seitige PDF-Datei des Aufsatzes "Effect of Raw Garlic vs Commercial Garlic Supplements on Plasma Lipid Concentrations in Adults With Moderate Hypercholesterolemia" von Gardner et al. in der Zeitschrift "Archives of Internal Medicine" (Arch Intern Med. 2007;167:346-353) herunterladen.

Bernard Braun, 1.3.2007