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Was könnte die Schmerztherapie von Sauerländern mit dem Hindukusch zu tun haben? "Poppy for Medicine" in Afghanistan!

Artikel 0990 Auch wenn der damalige Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) das zu Beginn des deutschen Militärengagements in Afghanistan mit seinem legendären Spruch von "unserer Freiheit", die es nach der endgültigen heimischen Umzingelung durch Freunde jetzt "am Hindukusch zu verteidigen" gälte, nicht so gemeint hat: Es gibt ausgerechnet Public Health-Ideen, von denen sowohl eine bestimmte Bevölkerungsgruppe in vielen westlichen aber auch östlichen Ländern wirklich profitiert, die den kriminellen Bürgerkriegs-Warlords und Talibangruppen in Afghanistan den durch Illegalität extrem angeschwollenen Geldfluss abschneidet und die schließlich die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen insbesondere für die kleinen und mittleren Bauern des Hindukusch-Landes verbessern könnten.

Der Dreh- und Angelpunkt aller dieser Vorteile ist eine unter öffentlicher internationalen Kontrolle erfolgende Legalisierung der Anpflanzung von Mohnplantagen als Quelle des bisher weitgehend illegalen und damit den Profitinteressen der nationalen Warlords und der weltweiten kriminelllen Drogenkartellen überlassenen Rohstoffs für die Opiumproduktion.

Begonnen haben derartige Überlegungen im Jahre 2005, als der private internationale Thinktank "The Senlis Council" seine Überlegungen für ein so genanntes "Afghan Poppy for Medicine model" begonnen hat. Ein technisches Dossier, das auf einer Konferenz in Kabul vorgestellt wurde, zeigte für 2006, dass in Afghanistan 92% des weltweiten illegalen Opiums produziert wurde und direkt mindestens 13% der afghanischen Bevölkerung mit der Produktion beschäftigt waren. Wie meistens bei kriminalisierter und illegaler Tätigkeit, sind die Nutznießer der Produktion nicht die Produzenten, d.h. meist kleine Bauern in oft abgelegenen ländlichen Regionen, sondern die nationalen und internationalen Händler und die zum Schutz der illegalen Plantagen angeheuerten Gangs.

Die Kernidee des "Poppy for Medicine"-Modells ist, den Anbau von Mohnplanzen zu legalisieren und unter entsprechender Kontrolle auf örtlicher Ebene eine Produktion von Morphintabletten oder -platten zu organisieren, die dann im Rahmen normaler Handelsbeziehungen der weltweiten Weiterverarbeitung in Schmerzmedikamenten zugeführt werden. Die dann geringeren, aber immer noch respektablen Gewinne aus der Rohopiumproduktion verblieben weitgehend im ländlichen Umkreis der Bauern und könnten direkt für die Entwicklung der in Afghanistan dominanten ländlichen Lebensverhältnisse dienen. Zu den potenziellen Gewinnern zählen aber nicht nur afghanische Produzenten, sondern auch große Teile der Weltbevölkerung (schätzungsweise 80%), für deren Schmerzversorgung es nach Feststellung des "International Narcotics Control Board" der UN es dringend an Morphin-Medikamenten fehlt. Mit einem derartigen Projekt könnten also sowohl gesundheitliche, zivilgesellschaftliche, friedensstiftende und ökonomische Entwicklungsimpulse gegeben und gefördert werden.

Die Erfolge eines vergleichbaren "Poppy for Medicine"-Modells in der ländlichen Türkei der 1970er Jahre zeigen, dass die erwarteten Wirkungen realistisch sind und innerhalb relativ kurzer Zeit (in der Türkei dauerte es vier Jahre) eintreten können. Für Afghanistan wurde die Realisierbarkeit eines örtlichen und vor krimineller Einflussnahme gefeiten Kontrollsystems in den Jahren 2005 und 2006 sozial- und kriminalwissenschaftlich abgeklärt.

Das Europaparlament hat im Oktober 2007 über diese Art der zivilgesellschaftlichen Hilfe für den Aufbau Afghanistans debattiert und den EU-Mitgliedsstaaten empfohlen, über die baldige Förderung von Modellprojekten nachzudenken bzw. sie zu unterstützen. Dazu stellte das Parlament auch die bisherige Antidrogenpolitik der Konzentration auf die Zerstörung der Mohnanplanzungen in Frage, da sie der weit unterentwickelten afghanischen Ökonomie nicht helfe und gleichzeitig auch nichts gegen den illegalen Anbau erreiche.

Näheres erfährt man über das "Poppy for Medicine"-Modell in einer Kurzfassung, und die über einen Link kostenfrei erhältliche 112 Seiten umfassende Langfassung der Studie "Poppy for Medicine. Licensing poppy for the production of essential medicines: an integrated counter-narcotics, development, and counter-insurgency model for Afghanistan", die im Juni 2007 vom "Senlis Council" in London veröffentlicht wurde.

Bernard Braun, 30.10.2007