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"Sicko" oder der alltägliche Wahnsinn des Gesundheitsmarktes

Artikel 0704 Der gesellschaftskritische, zuletzt etwas in die Kritik geratene us-amerikanische Filmregisseur Michael Moore hat wieder zugeschlagen. Beim Filmfestival in Cannes 2007 stellte er sein neustes Werk der Weltöffentlichkeit vor. Diesmal hat er das US-Gesundheitswesen und vor allem die übermächtige Versicherungswirtschaft auf den Kieker genommen. Unter dem viel sagenden Titel "Sicko" (englisch: Spinner, eng angelehnt an das englische Wort für krank, aber auch für angewidert oder übel) widmet sich Moore einem Thema, das auch in der wissenschaftlichen Debatte immer wieder und auch zuletzt harsche Kritik hervorruft: Das extrem teure, aber völlig unzulängliche Gesundheitswesen in den USA. 16 % des weltweit größten Bruttosozialprodukts - pro Nase mehr als 5.000 Euro pro Jahr - geben die US-AmerikanerInnen für Gesundheit aus - dabei haben 46 Millionen nicht einmal eine Krankenversicherung und eine halbe Million Haushalte wird Jahr für Jahr wegen Behandlungskosten zahlungsunfähig.

Dieser Gruppe widmet sich der neue Moore-Film, der an Hand von symptomatischen Einzelschicksalen eindrucksvoll die Folgen ungehemmter Marktideologie im Gesundheitswesen darstellt. Neben unbezahlbaren Zuzahlungen für bestimmte Behandlungen müssen US-BürgerInnen immer wieder erfahren, dass ihr Problem trotz pünktlicher Überweisung der Krankenkassenbeiträge nicht versichert ist. Wenn Krankenversicherungen in allererster Linie dazu dienen sollen, Profite für Großunternehmen zu erwirtschaften, bleiben die PatientInnen allzu leicht auf der Strecke.

Eine anschauliche Filmkritik findet sich in der Berliner Zeitung vom 21. Mai 2007. Der Regisseur selber äußert sich auf seiner eigenen Homepage Michael Moore zum Film und zu Versuchen der Einschüchterung, bevor er nach Cannes durchstarten konnte.

"Sicko" ist ein ausgezeichnetes Lehrstück für die vielen Marktschreier aus dem konservativ-liberalen Lager, die auch hierzulande die soziale Sicherung stärker nach Marktgesetzen organisieren wollen. Besonders ihnen sei daher ein Besuch im Kino empfohlen, aber auch allen anderen Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes, die über zukünftige Gesundheitsreformen zumindest per Wahlurne abstimmen können.

Zeitlich hervorragend abgestimmt auf die Uraufführung des neuen Moore-Films veröffentlichte die angesehene Zeitschrift der us-amerikanischen Ärzteverbandes (Journal of the American Medical Association) in der gleichzeitig erschienenen Ausgabe eine überaus kritische Bestandsaufnahme des US-Systems. Unter dem bezeichnenden Titel "Was man im Fernsehen nicht über die Gesundheitsversorgung sagen darf" zeichnet der Autor ein erschreckendes Bild von der Unterversorgung, das die USA gefährlich dicht an die Situation in Entwicklungsländern rückt, wo sich die Armen auch oft zwischen Behandlung und Essen entscheiden müssen. Leider ist von diesem Beitrag aus dem JAMA nur der Einstieg frei zugänglich. Für jederman steht allerdings ein Artikel zur Ansicht zur Verfügung, der das Thema zwar nicht im Fernsehen, aber in einer durchaus renommierten Zeitschrift anspricht.

Hier finen Sie den Artikel aus Business Week

Jens Holst, 22.5.2007