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Pflegeheime private Anlagespäre: "More profit and less nursing at many homes" - Nicht nur ein Problem der USA!?

Artikel 0925 In der durch den aktuellen Prüfbericht des "Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK)" über die Qualität der ambulanten und stationären Altenpflege zum wiederholten Maße provozierten Debatte über immer noch beachtliche Defizite in Pflegeheimen, wird gar nicht oder nur am Rande über das mögliche Konfliktverhältnis zwischen den Gewinninteressen privater Träger von Pflegeeinrichtungen und den Interessen der Pflegebedürftigen und ihrer Pflegekassen gesprochen. Die Hinweise darauf, dass es offensichtlich Träger gibt, die eine weit bessere Qualität mit mehr qualifizierten MitarbeiterInnen anbieten als andere und dabei auch noch Gewinn machen, sollten aber Anlass sein darüber gründlicher zu recherchieren und zu diskutieren.

Zu welchen interessanten Ergebnissen man dabei kommt, zeigt eine gerade veröffentlichte vergleichende Recherche über die Besonderheiten privater Pflegeheimunternehmen - in den USA und in der "New York Times (NYT)" vom 23. September 2007.
Wer meint, amerikanische Zustände wären nicht vergleichbar und private Unternehmen seien in Deutschland sowieso oder a priori anders als in den USA und wer eine repräsentative Studie sucht, braucht nicht weiter zu lesen.

Für den, der sich doch dafür interessiert, folgen die wesentlichen Ergebnisse der von Charles Duhigg durchgeführten Analyse von Trends des Engagements privater Investmentgruppen in diesem Sektor und die Ergebnisse einer Analyse von Versorgungsdaten der "Centers for Medicare and Medicaid Services" des "Department of Health and Human Services".
Die NYT analysierte Daten von 1.200 privaten Pflegeheimen, die zwischen 2000 und 2006 von entsprechenden Unternehmen gekauft und betrieben werden und verglich sie mit mehr als 14.000 anderen bundesweiten Heimen in nichtprivater Trägerschaft. Die Bewertungskriterien waren u.a. die Häufigkeit von Beschwerden, die bei der Aufsichtsbehörde ("regulators") eingingen, Gesundheits- und Sicherheitsprobleme, die den Aufsichtsbeamten auffielen, Strafen, die gegen Heime durch staatliche und bundesstaatliche Behörden verhängt wurden und weitere Performance-Indikatoren aus mehreren Surveys und Datenbasen.
Dabei zeigten sich innerhalb des Untersuchungszeitraums eine Reihe deutlicher und systematischer Unterschiede zwischen privaten und anders getragenen Heimen:

• In privatwirtschaftlichen Heimen teilen sich 20 Bewohner eine registrierte Fach-Pflegekraft, in anderen Heimen waren es bundesweit durchschnittlich 13 BewohnerInnen.
• In jeder privaten Einrichtung traten durchschnittlich 7,7 ernste, von Aufsichtsbeamten entdeckten Gesundheitsprobleme auf, im nationalen Durchschnitt waren es lediglich - aber immerhin immer noch - 6,5.
• Der Anteil von langfristiger Pflege bedürftiger Personen, die Hilfe bei ihren täglichen Aktivitäten brauchten, wuchs zwischen 2000 und 2006 in privaten Heimen um 23 %, in den anderen Heimen um 16 %.
• Der Anteil der so genannten "long-stay residents", deren Fähigkeit sich selbst innerhalb und außerhalb ihres Wohnraumes zu bewegen verschlechterte sich in privaten Heimen um 17 % und in nicht-privaten um 13 %.
• Außerdem nahm der Anteil von BewohnerInnen, die depressiv und ängstlich waren, in privaten Heimen um 16 % und in anders getragenen Heimen um 14 % zu.
• Die in den USA dominanten großen privaten "Pflegeketten" (im Artikel gibt es dazu eine anschauliche interaktive Grafik) verdienten 2005 im Durchschnitt 41 % mehr an der Pflege als die durchschnittliche Einrichtung.
• In 60 % der von privaten Unternehmen frisch übernommenen Heimen wurde die Anzahl der "clinical registered nurses" abgesenkt und manchmal auch bis knapp unter die gesetzlich erlaubte Mindestanzahl. Bei 21 % der privaten Heime stieg ihre Anzahl aber auch, weil sie teilweise zuvor ungesetzlich niedrig lag.
• Obwohl das US-Gesundheitsministerium 2002 betonte, die meisten Pflegebedürftige bräuchten mindestens 1,3 Pflegestunden pro Tag durch eine Pflegefachkraft, lieferten die privaten Heime nur eine Stunde.
• In der Veröffentlichung fehlen allerdings Daten mit denen geprüft werden könnte, ob nicht private Heime möglicherweise von vornherein die schwierigeren Pflegebedürftigen aufgenommen hatten. Sehr unwahrscheinlich, aber möglich.

Der NYT-Artikel deutet bereits in der Überschrift "More profit and less nursing at many homes" die von der Zeitung vermuteten Hintergründe und Zusammenhänge der zitierten Verhältnisse an und illustriert auch anschaulich die Strategien mehrerer großer Investment-Gruppen, die in diesem Bereich aktiv waren und sind. Um die Dimensionen des Pflegemarktes zu verdeutlichen, weist die NYT auf die 75 Milliarden US-$ hin, die allein die staatlichen Versicherungssysteme Medicare und Medicaid 2006 für Heimpflege ausgegeben haben.

Wie profitabel das "Geschäft mit Pflegeheimen" sein kann, zeigt der Artikel am Weiterverkauf einer großen Heimkette mit 186 Heimen, an den Industrie- und Dienstleistungskonzern General Electric (GE). Der hierzulande mit humanem Touch werbenden Konzern waren diese Heime 1,4 Mrd. US-$ wert und die privaten Verkäufer hatten ihr eingesetztes Kapital innerhalb von vier Jahren mit diesen Heimen um mehr als 500 Millionen US-$ vermehrt. Dazu passt der lakonische Schlusssatz des Artikels: "Formation (so der Namen des Verkäufers) declined to comment on that figure."

Nach Lektüre des Artikels sollte man aber nochmals gründlich über die leuchtenden Augen einer Reihe von deutschen Akteure der Gesundheitswirtschaft nachdenken, wenn sie über die Demographie reden.

Kostenfrei heruntergeladen werden kann der im Ausdruck 10 Seiten umfassende Artikel - nach einer Registrierung - von Charles Duhigg "More profit and less nursing at many homes" hier.

Wer auch sonst an den zum Teil exzellent recherchierten und geschriebenen Artikeln der New York Times oder deren Gastkommentaren (darunter traditionell und für die an die Mehrheit der deutschen Ökonomen gewöhnten LeserInnen ausgesprochen lebendig und ideenreich der Ökonom Paul Krugman) interessiert ist, kann kostenlos eine tägliche Auswahl an Artikeln abonnieren und seit neuem auch die Archive der NYT kostenlos benutzen. Die einzige Voraussetzung ist, sich einmal kostenfrei online registrieren zu lassen und sich gelegentlich über die scheinbar unausrottbaren Werbungs-Pop ups zu ärgern.

Bernard Braun, 24.9.2007