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Der Patient als Experte - Evaluation von Programmen für chronisch Erkrankte zeigt gesundheitliche und ökonomische Vorteile auf

Artikel 1166 Sogenannte "Expert Patient Programme" sind in den USA, vor allem aber im United Kingdom seit einiger Zeit in der Diskussion. Die zunehmende Verbreitung - in England haben bereits 30.000 Patienten teilgenommen - hat auch die Frage aufgeworfen, ob diese Schulungsprogramme für Chroniker in Anbetracht der zusätzlichen Kosten sinnvoll sind. Zwei Evaluationsstudien haben nun gezeigt: Sie sind nicht nur gesundheitsökonomisch vorteilhaft, senken also (zumindest geringfügig) die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen und damit Kosten. Darüber hinaus berichten Teilnehmer auch über eine bessere Lebensqualität und ein höheres Maß an Wohlbefinden und Energie.

Expert-Patient-Programme sind zur Schulung und Beratung chronisch erkrankter Patienten und ihrer Familie konzipiert. Den Patienten soll ein besserer Umgang mit ihrer Krankheit und ihren Beschwerden ermöglicht werden. Zumeist geschieht dies in Gruppen von 8-12 Personen, in denen betroffene Laien (ähnlich wie bei uns in Selbsthilfegruppen), teilweise aber auch Mediziner und Experten aus anderen Gesundheitsberufen Informationen vermitteln und für Fragen zur Verfügung stehen. In den meist über einen Zeitraum von 6-8 Wochen verteilten zweistündigen Kursen werden vielfältige Themen behandelt: Entspannungstechniken, Ernährung, Sport und Bewegung, Umgang mit Müdigkeit, Bewältigung von Krankheitssymptomen, Arzneimittel, Arzt-Patient-Kommunikation. Die Teilnehmer sollen dabei vor allem lernen, realistische Ziele im Umgang mit ihren Krankheitsbeschwerden zu entwickeln und auch im Alltag umzusetzen.

In einer Verlaufsstudie mit über 600 Teilnehmern, die jeweils zur Hälfte (nach dem Zufallsprinzip) einer Interventionsgruppe oder Kontrollgruppe zugeordnet wurden, sind nun sowohl gesundheitliche Effekte als auch Kosten der Programme im Gesundheitssystem näher bewertet worden. Die Zusammensetzung der Kontrollgruppe wurde dabei so gestaltet, dass sie in der Struktur (Alter, Geschlecht, Bildung, Gesundheitszustand, Art der Erkrankung usw.) weitgehend mit der Interventionsgruppe übereinstimmte. Die Kontrollgruppe war darüber hinaus charakterisiert durch eine 6monatige Warteliste für eine zukünftige Teilnahme an einem Expert-Patient-Programm.

In den zu Beginn und später nach Ablauf von 6 Monaten durchgeführten Analysen zeigte sich dann:
• Bei einer großen Zahl von Indikatoren zum gesundheitlichen Wohlbefinden zeigten sich deutlich bessere Werte (mit statistisch hochsignifikanten Differenzen) bei den Programm-Teilnehmern als in der Wartegruppe. Dies galt insbesondere für die "Selbstwirksamkeitserwartung", also die Überzeugung, aufgrund eigener Kompetenzen mit den krankheitsbedingten Problemen gut zurecht zu kommen.
• Ebenso zeigten die Programmteilnehmer mehr Lebensenergie und Vitalität, ein höheres Maß an Wohlbefinden, weniger Stress und Belastungen durch Krankheitsbeschwerden, berichteten über ein besseres Verhältnis zu ihrem Arzt und über höhere Fähigkeiten zur Entspannung.
• Hinsichtlich der Inanspruchnahme medizinischer Versorgungseinrichtungen (Ärzte, Kliniken, Notfalldienste, Medikamente) zeigten sich nur geringfügige Unterschiede zwischen den Gruppen mit einem Kostenvorteil für die Programmteilnehmer (in Höhe von umgerechnet 38 Euro Ersparnissen je Teilnehmer).
• Unter Berücksichtigung der zusätzlichen Kosten für die Durchführung der Programme einerseits und der besseren gesundheitlichen Effekte andererseits berechneten die Wissenschaftler dann, dass Programm-Teilnehmer trotz geringerer Kosten mit einer (allerdings geringfügigen) zusätzlichen Erwartung gesunder Lebensjahre rechnen können.

Hier sind Abstracts beider Studien:
• Evaluations-Schwerpunkt gesundheitliche Effekte A Kennedy u.a.: The effectiveness and cost effectiveness of a national lay-led self care support programme for patients with long-term conditions: a pragmatic randomised controlled trial (Journal of Epidemiology and Community Health 2007;61:254-261; doi:10.1136/jech.2006.053538)
• Evaluations-Schwerpunkt gesundheitsökonomische Effekte G Richardson u.a.: Cost effectiveness of the Expert Patients Programme (EPP) for patients with chronic conditions (Journal of Epidemiology and Community Health 2008;62:361-367; doi:10.1136/jech.2006.057430)

Gerd Marstedt, 15.3.2008