Home | Patienten | Gesundheitssystem | International | GKV | Prävention | Epidemiologie | Websites | Meilensteine | Impressum

Sitemap erstellen RSS-Feed

RSS-Feed
abonnieren


Weitere Artikel aus der Rubrik
Gesundheitssystem
eHealth / IT: Versichertenkarte, Patientenakte


Nutzung digitaler Informationen etc. von 65+-US-BürgerInnen 2011 bis 2014: Auf niedrigem, ungleichen Niveau wenig Veränderung! (6.10.16)
"1,445.670.570 Milliarden Euro" - So teuer kommt die GKV-Versicherten die elektronische Versichertenkarte bis zum 19.6.2016-11.47 (19.5.16)
Gesundheits-Apps: ja, aber (9.3.16)
"Wie empathisch ist Ihr Arzt?": "fragen Sie dazu Ihre Spracherkennungssoftware" (6.12.15)
Gesundheitsdatenschutz zwischen "Die Daten sind sicher" und "NSA is watching you" - Wie sicher sind Gesundheitsdaten in den USA? (20.4.15)
Zur Vergabe von "health top-level domains": Wie sich vor .health bald in Wirklichkeit British-Tobacco oder MacDonald befinden kann (28.9.14)
"Stille- oder Null-Post"-Effekte bei der morgendlichen Übergabe von 40% der nächtlichen Ereignisse durch ärztliches Personal (22.7.14)
Pro, Contra und Ungeklärtes zur Gegenwart und Zukunft von sozialen Medien la Facebook beim Management chronischer Krankheiten (2.2.14)
und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker - nur bekommen Sie die richtige Antwort und befolgen Ärzte wirklich Alarmhinweise? (13.11.13)
Telemonitoring bei der Behandlung von COPD-PatientInnen: kostenträchtig und unwirksam! (23.10.13)
"Gesundheitsmonitoring und -management aus der Hosentasche!" oder wie verlässlich sind Gesundheits-Apps? (19.1.13)
"Move slowly" oder Vorsicht vor vorschnellen und übersteigerten Erwartungen beim Einsatz von Telemonitoring bei älteren Kranken (14.10.12)
Elektronische Patientenakte: Mehr IT-Industrieförderung als sinnvoller Beitrag zur Kostenreduktion im Gesundheitswesen (8.8.12)
Wo findet man kritisches Wissen über den Nutzen von "e-health"-Innovationen? Das Beispiel ICMCC (10.4.12)
Angriff der Refeudalisierer (2.2.12)
E-Rezepte sind nicht fehlerfreier als handschriftliche Rezepte oder der Mythos der Fehlerfreiheit und Nützlichkeit von E-Health. (3.7.11)
9 Jahre des "größten Informationstechnologie-Projekts" für den NHS in Großbritannien: Geldverschwendung und wenige Verbesserungen. (19.6.11)
USA: Tele-Videokonferenzen mit Fachärzten ermöglichen auch die Behandlung schwieriger Erkrankungen durch Hausärzte auf dem Lande! (2.6.11)
Nur "cash cow" oder doch nützlich für Patienten? Die EU-Kommission und das "Lied vom großen Nutzen" von E-Health! (15.4.11)
Telemedizin paradox: Geringere Sterblichkeit, weniger Krankenhausaufenthalte, kürzere Aufenthalte in Intensivstationen, aber ...! (4.4.11)
"Medizin aus der Steckdose und via Bluetooth!?" Neues über den Nutzen und die Grenzen von Telemonitoring und Telemedizin (11.12.10)
Moderne Legenden: Kosten sparen und Qualität verbessern mit Computern im Krankenhaus!? (9.12.09)
Technikvision und Wirklichkeit: Weniger als 10% der US-Hospitäler haben irgendein elektronisches Gesundheitsinformationssystem (15.4.09)
US-Arztpraxisstudie: Elektronische Patientenakten vermeiden Medizinschadensfälle nur sehr geringfügig! (25.11.08)
Computer- und Internet-Einsatz in deutschen Allgemeinarzt-Praxen: Nachbarländer nutzen weitaus mehr Möglichkeiten von "eHealth" (1.5.2008)
Bessere medizinische Versorgung durch systematische Einführung von Qualitätsindikatoren (12.11.2007)
Elektronische Patientenbehandlungsakte führt weder zwangsläufig und nachhaltig noch allein zu besserer Qualität (10.7.2007)
Verschlechtert die Elektronische Gesundheitskarte die Arzt-Patient-Kommunikation? (3.1.2007)
Die Elektronische Gesundheitskarte: Meinungen von Versicherten und Ärzten (26.12.2006)
Elektronische Gesundheitskarte weitaus teurer als angekündigt - Ärzte sind Verlierer (27.11.2006)
Die "Online-Gesundheitsakte" wird in Bayern erprobt (30.10.2006)

Seite mit den Texten aller Artikel aufrufen:
eHealth / IT: Versichertenkarte, Patientenakte
 

Andere Rubriken in "Gesundheitssystem"


Umgestaltung, neue Modelle

Finanzierung und Kosten, Lohnnebenkosten

Demografie, Krankheitslast

Medizinisch-technischer Fortschritt

eHealth / IT: Versichertenkarte, Patientenakte

Das Märchen von der Kostenexplosion

Internationaler Gesundheitssystem-Vergleich

Gesundheitswirtschaft

Andere Themen



9 Jahre des "größten Informationstechnologie-Projekts" für den NHS in Großbritannien: Geldverschwendung und wenige Verbesserungen.

Artikel 1961 Nicht alles, was die immer größer werdende Schar der Anbieter von Gesundheits-Informationstechnologien und E-Health-Konzepten oder-Geräten in ihren Hochglanzprospekten an Kostenersparnissen und Gesundheitsgewinnen versprechen, wird wirklich wahr.
Was dies bedeuten kann, zeigt sich gerade im britischen Gesundheitswesen, in dem relativ früh mit der Umsetzung der üppigen Versprechungen begonnen wurde. So sollten ab 2002 ursprünglich 12,7 Milliarden Pfund oder rund 15 Milliarden Euro im britischen staatlichen National Health Service (NHS) investiert werden, um ihn informationstechnologisch von der Hausarztpraxis über die Krankenhäuser bis hin zu allen ambulanten Versorgungseinrichtungen zu modernisieren.

Neun Jahre später stellt das "National Audit Office (NAO)", eine staatliche Einrichtung, welche die sinnvolle Verwendung von Steuergeldern überprüft, zum Stand des Projekts fest: "Das System wird niemals so funktionieren, wie das ursprünglich geplant war." Anlass für diese pessimistische Feststellung ist, dass von 97 für die NHS-Kliniken geplanten IT-Systeme in sieben Jahren erst 4 installiert sind und in den Hausarztpraxen noch überhaupt kein taugliches System eingesetzt wird. Die Rechnungsprüfer monieren, dass es trotz der bereits ausgegebenen 2,7 Milliarden Pfund unwahrscheinlich ist, dass bis zum vertraglichen Ende des Projekts im Jahr 2016 das gesamte Projekt realisiert sein wird. Von der Ankündigung, 2010 für jeden Patienten eine elektronische Gesundheitsakte angelegt zu haben, fehlt jede praktische Spur. Selbst die aktuelle Planung des Gesundheitsministeriums, statt des "großen Wurfs" die vorhandenen EDV-Ressourcen zu nutzen und mit den Rudimenten des großen Projekts zu verknüpfen, kostet noch 220 Millionen Pfund ohne dass eine Garantie besteht, dass die Verknüpfung funktioniert und Nutzen stiftet.

Der Chef des NAO, Amyas Morse, fasste den vorgelegten Bericht am 18. Mai 2010 so zusammen: "The original vision for the National Programme for IT in the NHS will not be realised. The NHS is now getting far fewer systems than planned despite the Department paying contractors almost the same amount of money. This is yet another example of a department fundamentally underestimating the scale and complexity of a major IT-enabled change programme." Und: "The Department of Health needs to admit that it is now in damage-limitation mode. I hope that my report today, together with the forthcoming review by the Cabinet Office and Treasury, announced by the Prime Minister, will help to prevent further loss of public value from future expenditure on the Programme."

Auch wenn es die britischen Akteure nicht tröstet, erinnert das bisherige relative Scheitern ihres Projekts ein bisschen an die lange Geschichte der bisher weitgehend ergebnislosen Ankündigungen des vergleichsweise bescheideneren Projekts der elektronischen Gesundheitskarte (eGk) im GKV-System. Auch in Deutschland kostet allein schon der bisherige Nichterfolg eine Menge Geld: Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die Kosten der Arbeit der für solche Projekte per Gesetz (siehe 291b SGB V) als Selbstverwaltungseinrichtung 2005 gegründeten "Gesellschaft für Telematik (Gematik)". Deren Gesellschafter sind der Spitzenverband Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung mit 50% der Gesellschaftsanteile sowie eine Reihe von Leistungserbringern des Gesundheitswesens und weitere Verbände wie z.B. dem Verband der Privaten Krankenversicherung mit der anderen Hälfte der Stimmen.
Die Finanzierung der Arbeit von derzeit rund 150 IT-Experten sieht nach 291a SGB V so aus: "Zur Finanzierung der Gesellschaft für Telematik zahlt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen für den Zeitraum vom 1. Juli 2008 bis zum 31. Dezember 2008 an die Gesellschaft für Telematik einen Betrag in Höhe von 0,50 Euro je Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung und ab dem Jahr 2009 jährlich einen Betrag in Höhe von 1,00 Euro je Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung."

Nachdem auch dem Gesetzgeber angesichts der genauso schwungvoll angekündigten wie abgeblockten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte der "Kragen geplatzt" ist und nunmehr jede Krankenkasse sanktionsbewehrt gezwungen wird, bis Ende 2011 die Karte für mindestens 10% ihrer Versicherten einzuführen, steht dem bisherigen finanziellen Aufwand wenigstens etwas gegenüber. Ob damit außer bei den Herstellern der Karten und Kartentechnologie etwa die Versicherten oder andere Akteure im Gesundheitswesen einen Nutzen haben, also das wesentliche gesundheitspolitische Ziel erreicht wird, bleibt trotz aller Entschlossenheit völlig offen. Angesichts der mit der Anordnung erlaubten völlig abgespeckten Startversion und der vielen technisch und datenschutzrechtlich ungeklärten Fragen aus den Testläufen, ist aber zunächst mit einem Null-Nutzen zu rechnen.

Die Schätzungen zu den Kosten allein der elektronischen Gesundheitskarte schwankten zwischen 1,4 Mrd. und 13,6 Mrd. Euro und erreichen damit bei einem geringeren Leistungsumfang fast schon britisches Niveau.

Umgekehrt sollten die britischen Erfahrungen Grund genug sein, den auch hierzulande von Industrie- und "Gematik"-Vertreter verbreiteten üppigen Versprechen von Kosten- und Gesundheitswirkungen und Performance mit Skepsis zu begegnen oder sie sehr kritisch zu bewerten. Dies gilt besonders dann, wenn für viele Tools der E-Healthsysteme kein seriöser Nutzennachweis vorliegt oder sogar mehr Studien existieren, die vergeblich nach zusätzlichem Nutzen suchten.

Der komplette 46-seitige Report The National Programme for IT in the NHS: an update on the delivery of detailed care records systems ist komplett kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 19.6.11