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eHealth / IT: Versichertenkarte, Patientenakte


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Elektronische Gesundheitskarte weitaus teurer als angekündigt - Ärzte sind Verlierer

Artikel 0341 1,4 Milliarden Euro soll die Einführung der geplanten elektronischen Gesundheitskarte nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums kosten. 80 Millionen Versicherte sollen mit der neuen Gesundheitskarte ausgestattet werden. 21.000 Apotheken, 123.000 niedergelassene Ärzte, 65.000 Zahnärzte, 2.200 Krankenhäuser sowie knapp 270 Krankenkassen werden über die neue Telematik-Infrastruktur miteinander vernetzt, so vermeldet das Ministerium stolz auf seiner Seite Die Gesundheitskarte.

Deutlich höhere Kosten als bislang zugegeben veranschlagten jetzt die Unternehmensberater von Booz, Allen, Hamilton im Rahmen einer 290seitigen Kosten-Nutzen-Analyse. Das Ministerium hat die Expertise bislang unter Verschluss gehalten. Dem Hamburger Chaos Computer Club wurde jedoch ein Exemplar zugespielt, das jetzt auf ihrer Website heruntergeladen werden kann: Endbericht zur Kosten-Nutzen-Analyse der Einrichtung einer Telematik-Infrastruktur im deutschen Gesundheitswesen. Die Karte wird demnach deutlich teurer als angekündigt. Mindestens 3,9 Milliarden Euro errechnete Booz, Allen, Hamilton, möglicherweise kostet das Projekt sogar 7 Milliarden Euro. Darin sind 585 Millionen Euro, die allein die Anschaffung der neuen Karte für die 82 Millionen Krankenversicherten kostet, noch nicht einmal enthalten.

In der Kosten-Nutzenanalyse, die in zwei Varianten (für 5 Jahre und 10 Jahre) aufgestellt wurde, erweisen sich in beiden Spielarten die Leistungsanbieter im Gesundheitswesen (Ärzte, Zahnärzte, Apotheker) als Verlierer, da ihre Kosten weitaus höher liegen als die geldwerten Nutzen. Nutznießer sind demgegenüber GKV und PKV. Für Ärzte ergibt sich nach der Analyse ein Minus von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro, während die GKV ein Plus von 2,2 bis 4,0 Milliarden Euro verzeichnen kann. Die Studie prognostiziert, dass sich Kosten und Nutzen nach 10 Jahren mit etwa 14 Milliarden Euro gerade eben die Waage halten.

Beim Hamburger Chaos Computer Club stößt insbesondere auch die technische Architektur auf Kritik: "Die Sicherheits- und Zuverlässigkeitsauslegung der Software-Architektur der elektronischen Gesundheitskarte genügen den Anforderungen an ein bundesweit ganztägig im Einsatz befindliches System in keiner Weise. Im Ernstfall droht ein Totalausfall des Systems zu kritischen Zeiten, wie z. B. im Fall einer Grippeepidemie."

Gerd Marstedt, 27.11.2006