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Einige britische Psychotherapeuten versuchen auch heute noch, Homosexuelle zu therapieren und in Heteros zu verwandeln

Artikel 1520 Sieht man Fernsehbilder vom Christopher Street Day in deutschen Großstädten mit einigen zehntausend schwulen und lesbischen Teilnehmern, unter ihnen hochrangige Politiker und Prominente, so erscheint es fast unwirklich, dass der § 175 des Strafgesetzbuches, der homosexuelle Handlungen mit Freiheitsstrafen ahndete, in Deutschland erst 1994 endgültig gestrichen wurde. Auch in der von der WHO herausgegebenen "International Classification of Diseases (ICD)" wurde Homosexualität erst im Jahre 1992 entfernt und nicht mehr als Krankheit geführt.

Eine Umfrage bei britischen Psychotherapeuten und Psychiatern hat nun gezeigt, dass die als überkommen vermuteten Anschauungen zur Homosexualität immer noch weiter verbreitet sind als vermutet, und dies auch bei Wissenschaftlern, die es besser wissen müssten: Etwa jeder sechste der befragten 1.300 Ärzte und Psychologen gab an, schon einmal bei einem Mann oder einer Frau therapeutisch tätig geworden zu sein, um die sexuelle Neigung zu ändern. Die jetzt in der Zeitschrift "BMC Psychiatry" veröffentlichte Studie basiert auf Fragebogen-Erhebungen bei 1.328 Mitgliedern britischer Ärzte- und Therapeuten-Verbände. Da die Rücklaufquote der postalischen Befragung sehr hoch war (72%), dürften die Ergebnisse der Befragung für das United Kingdom repräsentativ sein. Einige Ergebnisse:

• Eingangs der Befragung wurde eine offene Frage gestellt: Wie würden Sie mit einem homosexuellen Patienten umgehen, der um eine Therapie zur Umwandlung seiner sexuellen Neigungen bittet? Hier antworteten nur etwa 4 Prozent, sie würden auf diese Bitte eingehen und versuchen, den Patienten zu heterosexuellen Neigungen zu "bekehren". Weitere 10% würden der Bitte folgen, den Patienten jedoch an einen Kollegen überweisen, der in dieser Frage mehr Erfahrung hat.
• Die Mehrheit (55%) antwortete, sie würden versuchen, dem Patienten nahe zu bringen, seine sexuelle Orientierung zu akzeptieren.
• Eine weitere Frage zeigt dann jedoch, dass wissenschaftliche überholte Vorstellungen zu den Ursachen von Homosexualität und zu den Möglichkeiten, dies zu therapieren, keineswegs ausgestorben sind: Etwa jeder sechste Befragte (17%) berichtete, er habe selbst schon mindestens einmal einen Patienten behandelt, um homosexuelle Empfindungen in heterosexuelle Neigungen umzuwandeln.
• Der ganz überwiegende Teil (71%) der dazu von den Befragungsteilnehmern angeführten Patienten wurde im Zeitraum 1994-2003 behandelt. Auch wenn man hier davon ausgehen muss, dass kürzer zurück liegende Behandlungen eher erinnert werden und daher häufiger genannt werden, verdeutlichen diese Daten, dass die Therapie Homosexueller mit dem Ziel einer Änderung ihrer Vorlieben im United Kingdom auch heute noch keineswegs ausgestorben ist.

Annie Bartlett u.a.: The response of mental health professionals to clients seeking help to change or redirect same-sex sexual orientation, BMC Psychiatry 2009, 9:11doi:10.1186/1471-244X-9-11
Abstract
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Gerd Marstedt, 29.3.09