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Patienten
Verhaltenssteuerung (Arzt, Patient), Zuzahlungen, Praxisgebühr


Handy-Textbotschaften verbessern die Therapietreue bei chronisch kranken Personen: Ja, aber mit zahlreichen Einschränkungen. (4.4.16)
Je nach Thema bewirken auch Arzt-Ratschläge nichts: Das Beispiel Impfen. (1.6.15)
Therapietreue und Wirkung bei Medicare-PatientInnen mit Statin-Generika signifikant besser als mit Originalpräparaten (2.11.14)
Je später der Tag desto mehr Antibiotikaverordnungen gegen Atemwegsinfekten oder "mach lieber mal 'ne Pause". (7.10.14)
"Mindestens 2x täglich", aber wie am besten ist unklar oder evidenzbasierte Zähneputztechnik Fehlanzeige! (13.8.14)
Ist der "brain drain" von Ärzten aus Ländern der Dritten Welt durch Einkommensverbesserungen zu stoppen? Das Beispiel Ghana. (7.8.14)
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"Renaissance der Allgemeinmedizin"? Ja, aber nicht nach dem Motto "weiter wie bisher" und "mehr Geld ins System"! (11.3.13)
Wie lange müssen für politische Schlussfolgerungen noch positive Wirkungen der Reduktion von Zuzahlungen nachgewiesen werden? Oft! (4.12.12)
Einblicke in den Zusammenhang von finanziellen Anreizen und der Anzahl wie Art von Diagnosen bei schwedischen Ärzten (26.11.12)
Patient, Konsument, Teilnehmer...!? Personen, die psychiatrische Leistungen nutzen, bevorzugen die Bezeichnung Patient oder Klient (8.8.12)
Zwei RCT-Studien zeigen keine positiven Wirkungen zweier Interventionen bei Typ 1 und Typ 2-DiabetikerInnen nach 3 und 1 Jahr! (12.5.12)
Was hilft, das Gesundheitsverhalten von Diabetikern zu verbessern? Finanzielle Anreize: Nein! Persönliche Vorbilder: Ja! (6.5.12)
Zuzahlungen in der GKV 2005-2010: Jährlich rd. 5 Mrd. Euro, kaum erwünschte aber durchaus unerwünschte Steuerungswirkungen (26.3.12)
Amerikanische Kardiologen: Geld beeinflusst die Indikationsstellung für Belastungsuntersuchungen (22.11.11)
Interventionen an den Herzkranzgefäßen - weniger ist mehr, wird aber nicht umgesetzt (20.7.11)
Neues aus Oregon: Was passiert, wenn arme Menschen ohne Krankenversicherungsschutz ihn per Lotterie doch erhalten? (9.7.11)
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"Optimale" feste Selbstbeteiligungenn der ambulanten Versorgung - Nicht der Stein der Weisen! (13.4.11)
Streichung oder Senkung von Medikamenten-Zuzahlungen verbessern Therapietreue und damit Behandlungserfolg und Wirtschaftlichkeit. (22.11.10)
Therapietreue - Ansatz zu verbesserter Gesundheit und zur Kostendämpfung (15.8.10)
Bremer Wissenschaftler fordern soziale Zuzahlungen nur für weniger kosteneffiziente Leistungen (5.6.10)
Studie zu Risiken und Nebenwirkungen von Zuzahlungen in Deutschland (28.4.10)
Elektronisches Erinnerungssystem für Ärzte: Teure Versuch-und-Irrtum-Übung oder nützliche Vehaltenshilfe? (24.3.10)
Zuzahlungen und Praxisgebühr führen zur eingeschränkten Inanspruchnahme auch medizinisch notwendiger Leistungen bei Überschuldeten (2.3.10)
"Zauberlehrling oder Pontius Pilatus": Keine Rollen für die Protagonisten der Arztkontaktgebühr! (29.1.10)
Lieber krank feiern als krank arbeiten oder umgekehrt!? Was fördert oder hemmt die beiden Umgangsweisen mit Krankheit? (22.1.10)
Evidente, situations- und patientenbezogene "point-of-care"-Empfehlungen für Hausärzte verbessern Sekundärprävention nicht. (17.1.10)
Womit können Therapietreue und Wirtschaftlichkeit verbessert werden?: "Weniger Zuzahlungen verbessern die Therapietreue!" (8.11.09)
Antibiotika-Niedrigverbrauchsregion Ostdeutschland: Woran liegt es? (14.6.09)
Selbstkontrolle des Blutzuckers und Selbstmanagement der Ergebnisse oder HbA1c-Messung - Schwarzer Tag für Teststreifenhersteller? (13.4.09)
Finanzlasten durch medizinische Behandlung, schwindendes Patientenvertrauen und schlechtere Erwartungen zur Behandlungsqualitität (16.3.09)
§ 73 Abs. 8 SGB V: Umfassende Arzneimittel-Informationspflichten von Kassenärztlichen Vereinigungen und GKV gegenüber Ärzten. (27.1.09)
Forschung von 25 Jahren: Die mangelnde klinische Gleichwertigkeit von Generika und Original ist oft ein gut gepflegtes Phantom. (3.12.08)
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Krankenversicherungs- Verträge mit hoher Selbstbeteiligung bewirken kein größeres Kostenbewusstsein, wohl aber Gesundheitsrisiken (9.7.2008)
Bundesgerichthof zu Grenzen der Freiheit der ärztlichen Befunderhebung und der Würdigung von Fakten in medizinischen "Gut"achten (20.6.2008)
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Effizienzsteigerung durch Arzneimittelzuzahlungen? Ein gängiger Mythos geht baden (1.6.2008)
Wie oft und warum verpassen Herzinfarktpatienten die "goldene Stunde" für den Beginn der Krankenhausbehandlung? (11.5.2008)
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Wasserspender versus Patienteninteressen und Vertrauensverhältnis Arzt-Patient - Sind Werbegeschenke an Ärzte unlauter? (9.2.2008)
Gefahr von Unter- und Fehlversorgung bei langjähriger Therapienotwendigkeit: Das Beispiel Tamoxifen bei Brustkrebs. (25.12.2007)
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Aktivierung chronisch kranker Menschen zu gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen möglich: Mit und ohne Programm!? (9.9.2007)
Von der Einfachheit des medizinisch-technischen Fortschritts - Wie verlängere ich die Dauer des Stillens? (2.9.2007)
Big Pharma's Data Collectors versus Maine, Vermont and New Hampshire - Wie viel dürfen Pharmafirmen über Ärzte wissen? (1.9.2007)
"Health literacy", wer hat sie, was ist das und wie bekommt man sie? (12.8.2007)
Cochrane-Review: Wenig oder unzureichende Evidenz für den Nutzen von Kontrakten zur Verbesserung der Therapietreue (11.7.2007)
"Wehe, Du hast nur eine Krankheit!" oder: Wer viele Krankheiten hat, bekommt eine qualitativ bessere Behandlung (6.7.2007)
Medikamentenzuzahlungen: Weniger Ausgaben für Arzneimittel, aber mehr Kosten für Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte (4.7.2007)
Höhere Medikamenten-Zuzahlungen: Sinkende Therapietreue und mehr krankheitsbedingte Fehlzeiten (29.6.2007)
Unerwünschte Wirkungen "geringfügiger" Medikamentenzuzahlungen (6.5.2007)
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Erkennung und Behandlung von Schmerzen hängt entscheidend von wirksamer Arzt-Patienten-Kommunikation ab (19.4.2007)
Existenz und Hartnäckigkeit medizin-ärztlicher "Risikomentalitäten" als Ursache von Über- und Fehlversorgung am Beispiel der Antibiotika (24.1.2007)
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Anreize zur Verhaltenssteuerung im Gesundheitswesen (7.11.2006)
Der homo oeconomicus im Gesundheitswesen (5.11.2006)
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Kaiserschnitt-Geburt: Kein Wunsch von Frauen (25.10.2006)
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Exportschlager Praxisgebühr? (15.5.2006)
Zuzahlungen im Gesundheitswesen - ein unerschütterbarer Mythos (23.11.2005)
Scheitern eines scheinbaren Patentrezeptes: die Patientenquittung (10.10.2005)
Immer weniger Sonntagskinder, immer mehr Wunsch-Kaiserschnitte (7.10.2005)
Hormontherapie: Neuere Forschungserkenntnisse gelangen kaum in Arztpraxen (24.7.2005)
Gesundheitsreform: Die Bürger sparen auch an ihrer Gesundheit (6.7.2005)

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Medikamentenzuzahlungen: Weniger Ausgaben für Arzneimittel, aber mehr Kosten für Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte

Artikel 0773 Zuzahlungen im Krankheitsfall gehören überall auf der Welt zu den Dauerbrennern in der gesundheitspolitischen Reformdebatte. Auch in Deutschland ist die übliche Forderung nach mehr Eigenverantwortung auf das Engste mit der nach höheren Selbstbeteiligungen verbunden. Patientenzuzahlungen im Krankheitsfall haben zwei verschiedene Aufgaben zu erfüllen: Sie sollen zusätzliches Geld in das Gesundheitssystems bringen bzw. die Ausgabenbelastung der Kostenträger verringern und das Inanspruchnahmeverhalten der Bürger, Versicherten oder Patienten steuern.

Die Anwendung von Direktzahlungen im Gesundheitswesen beruht auf einer Reihe von Annahmen aus der ökonomischen Theorie, denn die nachfrageseitige Steuerung setzt bestimmte Bedingungen bei den "Konsumenten" von Gesundheitsleistungen voraus: Sie müssen sich rational verhalten, über ausreichende Information für ihre Entscheidungen verfügen und sich immer der Folgen ihrer Entscheidung bewusst werden. Doch die Gültigkeit der genannten Annahmen auf dem Gesundheitsmarkt überaus fragwürdig. Vor diesem Hintergrund ist es keineswegs überraschend, dass die empirischen Beobachtungen über die Auswirkungen von Zuzahlungen eine Reihe unerwünschter und gesundheitspolitisch kontraproduktiver Wirkungen offenbaren.

Dies zeigt auch eine soeben im Journal of the American Medical Association (JAMA) publizierte Meta-Analyse. Dort wurden insgesamt 132 englischsprachige PubMed-Artikel ausgewertet, die Folgen von Kostendämpfungsmaßnahmen bei Medikamentenverschreibungen bzw. -zuzahlungen nachgehen. Als Outcome-Faktoren erfassten die herangezogenen Studien den Arzneimittelverbrauch, die Inanspruchnahme nicht-medikamentöser medizinischer Leistungen, die Gesundheitsausgaben insgesamt und gesundheitliche Folgeerscheinungen.

Diese Meta-Analyse zeigte, dass die Beteiligung der PatientInnen an den Arzneimittelkosten zu einem Rückgang der Verschreibungen bzw. Rezepteinlösungen, zu schlechterem Einnahmeverhalten und zu häufigeren Therapieabbrüchen führt. Demnach sinken die Arzneimittelausgaben für verordnete Arzneimittel pro zehnprozentiger Erhöhung der Eigenbeteiligungen in Abhängigkeit von der Art der Medikamente und dem Zustand der PatientInnen um 2-6 %; dabei war es unerheblich, ob die Kostenübernahme auf einen Höchstbetrag oder eine bestimmte Anzahl von Rezepten (pro Monat oder Jahr) beschränkt war.

Doch die die Einsparung bei den Arzneimitteln hat ihren Preis: "Bei einigen chronischen Erkrankungen fanden wir heraus, dass höhere Zuzahlungen für verschriebene Arzneimittel zu einer verstärkten Inanspruchnahme teurerer medizinischer Leistungen führten," fassen die Untersucher ihr Ergebnisse zusammen. Bei chronischen Krankheiten wie Herzinsuffizienz, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Schizophrenie und vermutlich auch für Bronchialasthma führt ein Anheben der Medikamentenzuzahlungen zu erhöhter Inanspruchnahme kostspieligerer medizinischer Versorgungsleistungen.

Medikamentenzuzahlungen führen zu verringerter Einnahme, und die mittel- und langfristigen Folgen auf die Gesundheit der Betroffenen sind bedenklich. Die vollständige Kostenübernahme für Arzneimittel, so schlussfolgern die AutorInnen, ist demnach ein entscheidender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz zur Verbesserung des Einnahmeverhaltens, der Behandlungsqualität und vermutlich auch des Krankheitsverlaufs.

"Die Herausforderung besteht sowohl für öffentliche Krankenkassen als auch für private Versicherungspolicen darin, die Patienten für die Behandlungskosten zu sensibilisieren, ohne sie davon abzuhalten, wirksame Therapien fortzusetzen," fassen die JAMA-AutorInnen die politischen Konsequenzen ihrer Metaanalyse zusammen. "Dafür muss man wissen, wie Patienten auf verschiedene Anreizformen reagieren und den Netto-Gewinn verschiedener Behandlungen systematisch zu erfassen; dies gilt nicht allein für den Gesundheitszustand, sondern auch für derzeitige und zukünftige Gesundheitsausgaben und den Nutzen für die Patienten."

Das ist keineswegs verwunderlich, schließlich liegt mittlerweile eine Vielzahl von Studien vor, die nicht nur zeigen, dass die Beteiligung der Patienten an den Kosten für ihre Medikamenten die Therapietreue negativ beeinträchtigt, sondern auch beachtliche vermeidbare Folgekosten verursachen, weil die Betroffenen wegen unterlassener oder eingeschränkter Tabletteneinnahme häufiger zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen, aufwändige Eingriffe über sich ergehen lassen müssen oder gar vermehrt in Pflegeheime eingewiesen werden. Die vor allem von Ökonomen geforderte zunehmende Kostenbeteiligung der Patienten entpuppt sich bei genauerem Hinsehen leicht als Milchmädchenrechnung.

Die Ergebnisse der Studie Increase in Prescription Drug Cost Sharing Associated With Lower Rates of Drug Treatment, Adherence von Dana Goldman, Geoffrey Joyce und Yuhui Zheng im JAMA 298 (1), S. 61-69, bestätigen eine Erhebung zu kostenbedingten Compliance- bzw- Adherence-Problemen, die kürzlich unter der Überschrift "Selbstbestimmte Rationierung durch eigenverantwortliche Patienten?" auf der Website des Forum Gesundheitspolitik zusammengefasst waren.

Für jederman steht das Abstract der Studie kostenlos zur Verfügung Prescription Drug Cost Sharing.

Jens Holst, 4.7.2007