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Patienten
Verhaltenssteuerung (Arzt, Patient), Zuzahlungen, Praxisgebühr


Fortbildungspflicht für Ärzte: Umstritten, aber wirksam (28.4.17)
Handy-Textbotschaften verbessern die Therapietreue bei chronisch kranken Personen: Ja, aber mit zahlreichen Einschränkungen. (4.4.16)
Je nach Thema bewirken auch Arzt-Ratschläge nichts: Das Beispiel Impfen. (1.6.15)
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Je später der Tag desto mehr Antibiotikaverordnungen gegen Atemwegsinfekten oder "mach lieber mal 'ne Pause". (7.10.14)
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Wie kommt es zu mangelnder Therapietreue? Ergebnisse einer qualitativen Studie mit an rheumatoider Arthritis erkrankten Menschen (11.8.13)
Beispiel Rückenschmerzen: Behandlungswirklichkeit verschlechtert sich in den USA trotz "gut etablierter"Leitlinien (31.7.13)
"Renaissance der Allgemeinmedizin"? Ja, aber nicht nach dem Motto "weiter wie bisher" und "mehr Geld ins System"! (11.3.13)
Wie lange müssen für politische Schlussfolgerungen noch positive Wirkungen der Reduktion von Zuzahlungen nachgewiesen werden? Oft! (4.12.12)
Einblicke in den Zusammenhang von finanziellen Anreizen und der Anzahl wie Art von Diagnosen bei schwedischen Ärzten (26.11.12)
Patient, Konsument, Teilnehmer...!? Personen, die psychiatrische Leistungen nutzen, bevorzugen die Bezeichnung Patient oder Klient (8.8.12)
Zwei RCT-Studien zeigen keine positiven Wirkungen zweier Interventionen bei Typ 1 und Typ 2-DiabetikerInnen nach 3 und 1 Jahr! (12.5.12)
Was hilft, das Gesundheitsverhalten von Diabetikern zu verbessern? Finanzielle Anreize: Nein! Persönliche Vorbilder: Ja! (6.5.12)
Zuzahlungen in der GKV 2005-2010: Jährlich rd. 5 Mrd. Euro, kaum erwünschte aber durchaus unerwünschte Steuerungswirkungen (26.3.12)
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Ärzte mit Erfahrung in wissenschaftlichen Studien behandeln nicht schlechter als ihre Kollegen ohne! Ob aber besser ist ungewiss. (16.4.11)
"Optimale" feste Selbstbeteiligungenn der ambulanten Versorgung - Nicht der Stein der Weisen! (13.4.11)
Streichung oder Senkung von Medikamenten-Zuzahlungen verbessern Therapietreue und damit Behandlungserfolg und Wirtschaftlichkeit. (22.11.10)
Therapietreue - Ansatz zu verbesserter Gesundheit und zur Kostendämpfung (15.8.10)
Bremer Wissenschaftler fordern soziale Zuzahlungen nur für weniger kosteneffiziente Leistungen (5.6.10)
Studie zu Risiken und Nebenwirkungen von Zuzahlungen in Deutschland (28.4.10)
Elektronisches Erinnerungssystem für Ärzte: Teure Versuch-und-Irrtum-Übung oder nützliche Vehaltenshilfe? (24.3.10)
Zuzahlungen und Praxisgebühr führen zur eingeschränkten Inanspruchnahme auch medizinisch notwendiger Leistungen bei Überschuldeten (2.3.10)
"Zauberlehrling oder Pontius Pilatus": Keine Rollen für die Protagonisten der Arztkontaktgebühr! (29.1.10)
Lieber krank feiern als krank arbeiten oder umgekehrt!? Was fördert oder hemmt die beiden Umgangsweisen mit Krankheit? (22.1.10)
Evidente, situations- und patientenbezogene "point-of-care"-Empfehlungen für Hausärzte verbessern Sekundärprävention nicht. (17.1.10)
Womit können Therapietreue und Wirtschaftlichkeit verbessert werden?: "Weniger Zuzahlungen verbessern die Therapietreue!" (8.11.09)
Antibiotika-Niedrigverbrauchsregion Ostdeutschland: Woran liegt es? (14.6.09)
Selbstkontrolle des Blutzuckers und Selbstmanagement der Ergebnisse oder HbA1c-Messung - Schwarzer Tag für Teststreifenhersteller? (13.4.09)
Finanzlasten durch medizinische Behandlung, schwindendes Patientenvertrauen und schlechtere Erwartungen zur Behandlungsqualitität (16.3.09)
§ 73 Abs. 8 SGB V: Umfassende Arzneimittel-Informationspflichten von Kassenärztlichen Vereinigungen und GKV gegenüber Ärzten. (27.1.09)
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Höhere Zuzahlungen senken Einnahme essenzieller Medikamente vor allem bei sozial Schwachen (28.11.08)
"Trust in Medical Researcher": Warum auch randomisierte Studien Probleme mit dem Einschluss von Minderheiten-Patienten haben? (22.11.08)
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Die Praxisgebühr beeinträchtigt Verhaltensspielräume chronisch Erkrankter im Gesundheitssystem - aber nur bei niedrigem Einkommen (15.11.08)
Keine oder nur geringe Wirkung von Warnungen vor der Verschreibung gefährlicher Arzneimittel für Ältere und und Jugendliche (27.8.2008)
Krankenversicherungs- Verträge mit hoher Selbstbeteiligung bewirken kein größeres Kostenbewusstsein, wohl aber Gesundheitsrisiken (9.7.2008)
Bundesgerichthof zu Grenzen der Freiheit der ärztlichen Befunderhebung und der Würdigung von Fakten in medizinischen "Gut"achten (20.6.2008)
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Effizienzsteigerung durch Arzneimittelzuzahlungen? Ein gängiger Mythos geht baden (1.6.2008)
Wie oft und warum verpassen Herzinfarktpatienten die "goldene Stunde" für den Beginn der Krankenhausbehandlung? (11.5.2008)
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Wasserspender versus Patienteninteressen und Vertrauensverhältnis Arzt-Patient - Sind Werbegeschenke an Ärzte unlauter? (9.2.2008)
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Was Sie schon immer über Zuzahlungen wissen wollten ... (5.11.2007)
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Welcher Arzt-Typ verordnet unangemessen viel Antibiotika gegen virale und bakterielle Infektionen? - Hinweise aus Kanada (9.10.2007)
KBV will Qualitätsbewertungen niedergelassener Ärzte auch zur Neubestimmung der Honorare nutzen (7.10.2007)
Aktivierung chronisch kranker Menschen zu gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen möglich: Mit und ohne Programm!? (9.9.2007)
Von der Einfachheit des medizinisch-technischen Fortschritts - Wie verlängere ich die Dauer des Stillens? (2.9.2007)
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"Health literacy", wer hat sie, was ist das und wie bekommt man sie? (12.8.2007)
Cochrane-Review: Wenig oder unzureichende Evidenz für den Nutzen von Kontrakten zur Verbesserung der Therapietreue (11.7.2007)
"Wehe, Du hast nur eine Krankheit!" oder: Wer viele Krankheiten hat, bekommt eine qualitativ bessere Behandlung (6.7.2007)
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Höhere Medikamenten-Zuzahlungen: Sinkende Therapietreue und mehr krankheitsbedingte Fehlzeiten (29.6.2007)
Unerwünschte Wirkungen "geringfügiger" Medikamentenzuzahlungen (6.5.2007)
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Existenz und Hartnäckigkeit medizin-ärztlicher "Risikomentalitäten" als Ursache von Über- und Fehlversorgung am Beispiel der Antibiotika (24.1.2007)
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Der homo oeconomicus im Gesundheitswesen (5.11.2006)
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Kaiserschnitt-Geburt: Kein Wunsch von Frauen (25.10.2006)
Der unerschütterliche Glaube an Kostendämpfung durch Zuzahlungen (28.8.2006)
Exportschlager Praxisgebühr? (15.5.2006)
Zuzahlungen im Gesundheitswesen - ein unerschütterbarer Mythos (23.11.2005)
Scheitern eines scheinbaren Patentrezeptes: die Patientenquittung (10.10.2005)
Immer weniger Sonntagskinder, immer mehr Wunsch-Kaiserschnitte (7.10.2005)
Hormontherapie: Neuere Forschungserkenntnisse gelangen kaum in Arztpraxen (24.7.2005)
Gesundheitsreform: Die Bürger sparen auch an ihrer Gesundheit (6.7.2005)

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Verhaltenssteuerung (Arzt, Patient), Zuzahlungen, Praxisgebühr
 

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Hausärztliche und ambulante Versorgung

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Verhaltenssteuerung (Arzt, Patient), Zuzahlungen, Praxisgebühr

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Versorgungsforschung: Andere Erkrankungen

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Einblicke in den Zusammenhang von finanziellen Anreizen und der Anzahl wie Art von Diagnosen bei schwedischen Ärzten

Artikel 2184 In der langjährigen Kostendämpfungsdebatte in der deutschen Gesundheitspolitik, sei es bei den allgegenwärtigen Zuzahlungen für verordnete, gesundheitlich notwendige Leistungen oder bei der endlich wieder abgeschafften Praxisgebühr, spielte die Annahme eine große Rolle, dass vor allem gesetzlich krankenversicherte Personen einem so genannten "Freibiertrinker"-Syndrom erliegen und versuchen, ihren gezahlten Beitrag möglichst wieder vollständig durch die Inanspruchnahme möglichst vieler und teurer Leistungen "herauszuholen". Dabei, so diejenigen welche meinen, dieses auch als "moral hazard" bezeichnetes Verhalten gäbe es bezogen auf die meist gar nicht so angenehmen Gesundheitsleistungen, würden auch jede Menge gesundheitlich nicht notwendiger aber möglicherweise "irgendwie" angenehmen Leistungen nachgefragt - und oft auch freigiebig von Ärzten oder anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen verordnet.
Auch wenn in manchen Lehrbüchern der Gesundheitsökonomie nicht nur das "moral hazard"-Verhalten von Versicherten und Patienten vorkommt, sondern auch das von Ärzten etc, fehlt es meist an empirischen Belegen für deren Verhaltensweisen.

Deshalb verdient eine relativ kleine Studie über das Verhalten von 468 bis 627 Ärzten mit 76.546 bis 79.826 PatientInnen im Alter von 50 Jahren und mehr aus 22 öffentlichen Gesundheitszentren in einer schwedischen Region besondere Aufmerksamkeit. Über 5 Messpunkte im Zeitraum 2005 bis 2009 hinweg wurde die Wirkung eines neu eingeführten Diagnosekodiersystems auf die Diagnosegewohnheiten der Ärzte durch Vorher-Nachher-Analysen untersucht. Die Einführung der neuen Diagnosekodiervorgaben war mit einer Reform des Honorierungssystems der Ärzte verbunden. Die Höhe des Honorars hing zum einen von den Kodierungen von Diagnosen bei jedem Arzt-Patient-Kontakt und zum anderen in besonderem Maße von Diagnosen chronischer Erkrankungen ab. Erwartet wurde von den ForscherInnen ein Anstieg der dokumentierten Prävalenz chronischer Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Krebs und ein Rückgang der Unterschiede in der Neigung zu kodieren auf Arzt- und Behandlungszentrumsebene.

Die Ergebnisse einer Analyse der Diagnosedaten in der "Skaraborg primary care database" lauten u.a.:

• Nach der Einführung dieses Kodier- und Honorierungssystem stieg die u.a. altersadjustierte dokumentierte Prävalenz von Bluthochdruck und Krebs von 17,4% auf 32,2% bzw. von 0,79% auf 2,32%.
• Bei kaum veränderten Ärzte- und Patientenzahlen erhöhte sich die Anzahl der registrierten Diagnosen von 183.052 auf 327.781. Besonders kräftig nahm dabei die Anzahl gestellter Diagnosen bei indirekten Kontakten zwischen Ärzten und Patienten zu.
• Bei einer Reihe von meist akuten Erkrankungen wie z.B. der Tonsilitis veränderte sich die Prävalenz dagegen nicht, weil, so die ForscherInnen, es für diese Art von Erkrankungen keine finanziellen Anreize gab, ihre Diagnose zu dokumentieren.

Trotz des offenkundigen, freilich nicht kausal gesicherten Zusammenhangs finanzieller Anreize mit der Anzahl und Art der gestellten und dokumentierten Diagnosen, machen sich die schwedischen Autoren fast am meisten Sorgen über die Folgen für die Nutzung von Diagnose-Routinedaten für die Krankheitsforschung.

Angesichts der Tatsache, dass im Ausland aber auch in Deutschland keine 5 Jahre vergehen ohne dass es zu einer gravierenden Veränderung des Honorierungssystems niedergelassener Ärzte kommt, ist der in dieser Studie gezeigte Zusammenhang finanzieller Anreize und dokumentierter "Diagnose-Morbidität" von nicht zu unterschätzender qualitativer Bedeutung. Dabei gibt es in Deutschland Anzeichen, dass die zahlreichen Veränderungen bei der Behandlungsdokumentation und der Abrechnung ambulanter ärztlicher Leistungen u.a. dazu beigetragen haben, dass nicht wenige Ärzte verhaltensmäßig noch in der vorletzten Honorierungswelt leben und für Patienten und sich selber unsinnige Dinge machen. Dazu gehört z.B. die in Deutschland noch immer ausgeprägte Neigung, Patienten ohne medizinische Notwendigkeit kurzfristig wieder einzubestellen. Dies sind wahrscheinlich noch Relikte aus der Zeit von Einzelleistungsvergütungen und sollten dann, wenn der Arzt sein Honorarsystem aus Regelleistungsvolumina und zahlreichen Behandlungspauschalen verstehen würde, verschwunden sein.

Den Aufsatz "Increased registration of hypertension and cancer diagnoses after the introduction of a new reimbursement system" von Per Hjerpe et al. im "Scandinavian Journal of Primary Health Care" online veröffentlicht im September 2012 gibt es komplett kostenlos.

Wer sich noch etwas intensiver mit "moral hazard" und der Empirie von Patienten- wie Arztverhalten kann dies u.a. mit Beiträgen in diesem Forum: So z.B. den Beiträgen "Anreize zur Verhaltenssteuerung im Gesundheitswesen" und "Der homo oeconomicus im Gesundheitswesen".

Bernard Braun, 26.11.12