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Patienten
Verhaltenssteuerung (Arzt, Patient), Zuzahlungen, Praxisgebühr


Fortbildungspflicht für Ärzte: Umstritten, aber wirksam (28.4.17)
Handy-Textbotschaften verbessern die Therapietreue bei chronisch kranken Personen: Ja, aber mit zahlreichen Einschränkungen. (4.4.16)
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Einblicke in den Zusammenhang von finanziellen Anreizen und der Anzahl wie Art von Diagnosen bei schwedischen Ärzten (26.11.12)
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Neues aus Oregon: Was passiert, wenn arme Menschen ohne Krankenversicherungsschutz ihn per Lotterie doch erhalten? (9.7.11)
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Bremer Wissenschaftler fordern soziale Zuzahlungen nur für weniger kosteneffiziente Leistungen (5.6.10)
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Elektronisches Erinnerungssystem für Ärzte: Teure Versuch-und-Irrtum-Übung oder nützliche Vehaltenshilfe? (24.3.10)
Zuzahlungen und Praxisgebühr führen zur eingeschränkten Inanspruchnahme auch medizinisch notwendiger Leistungen bei Überschuldeten (2.3.10)
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Lieber krank feiern als krank arbeiten oder umgekehrt!? Was fördert oder hemmt die beiden Umgangsweisen mit Krankheit? (22.1.10)
Evidente, situations- und patientenbezogene "point-of-care"-Empfehlungen für Hausärzte verbessern Sekundärprävention nicht. (17.1.10)
Womit können Therapietreue und Wirtschaftlichkeit verbessert werden?: "Weniger Zuzahlungen verbessern die Therapietreue!" (8.11.09)
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Selbstkontrolle des Blutzuckers und Selbstmanagement der Ergebnisse oder HbA1c-Messung - Schwarzer Tag für Teststreifenhersteller? (13.4.09)
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"Health literacy", wer hat sie, was ist das und wie bekommt man sie? (12.8.2007)
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"Wehe, Du hast nur eine Krankheit!" oder: Wer viele Krankheiten hat, bekommt eine qualitativ bessere Behandlung (6.7.2007)
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Immer weniger Sonntagskinder, immer mehr Wunsch-Kaiserschnitte (7.10.2005)
Hormontherapie: Neuere Forschungserkenntnisse gelangen kaum in Arztpraxen (24.7.2005)
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Krankenversicherungs- Verträge mit hoher Selbstbeteiligung bewirken kein größeres Kostenbewusstsein, wohl aber Gesundheitsrisiken

Artikel 1288 Versicherte in den USA, die über ihren Betrieb eine Krankenversicherung mit hoher Selbstbeteiligung abgeschlossen haben, zeigten im Rahmen einer jetzt veröffentlichten Studie, dass sie bestimmte Medikamente, und zwar solche zur Senkung von Blutdruck oder Blutfetten, sehr viel eher absetzen als andere Versicherte ohne solche Selbstbeteiligung. Darüber hinaus ergab die Studie, dass die Intention der Selbstbeteiligungs-Tarife, nämlich ein marktorientiertes und preisbewusstes Verhalten zu stärken, ganz und gar nicht erreicht wird. Die Teilnehmer hätten durch einen Umstieg auf Generika bei den verschriebenen Arzneimitteln sehr viel Geld sparen können - tatsächlich geschah dies jedoch kaum einmal.

Betriebe in den USA bieten ihren Beschäftigten in letzter Zeit immer häufiger Krankenversicherungen, bei denen ein Teil der anfallenden Kosten für Ärzte, Kliniken oder Arzneimittel bis zu einer Höchstgrenze (Selbstbehalt) selbst bezahlt werden muss. Man erhofft sich von solchen Verträgen ein preisbewussteres Verhalten und damit auch Einsparungen in der Versorgung. Der Patient soll auch medizinische Leistungen bewusster konsumieren und auf Überflüssiges verzichten. Zwar hatte das RAND Krankenversicherungs-Experiment gezeigt, dass bei höheren Selbstbeteiligungsgrenzen Versicherte auf viele medizinische Versorgungsleistungen verzichten, leider aber auch auf solche, die zur Krankheitsbehandlung unverzichtbar sind. (vgl. hierzu die Zeitschrift Health Services Research, Volume 39 Issue 4p2 mit vielen Aufsätzen).

In einer neuen Studie mit über 6.000 Versicherten ist nun eine amerikanische Forschungsgruppe mehreren Fragestellungen nachgegangen. Sie wollten wissen, ob unterschiedliche Selbstbeteiligungs-Tarife einen Einfluss haben auf die Therapietreue ("Adherence", also die Einnahme von Medikamenten so wie vom Arzt verordnet), auf das eigenständige und mit dem Arzt nicht abgesprochene Absetzen von Medikamenten und auf ein preisbewussteres Verhalten durch einen Umstieg auf preisgünstigere Generika.

In der Studie berücksichtigt war ein Tarif mit hoher Selbstbeteiligung (3.000 $, 1.500 $ zahlte der Arbeitgeber ein), mit mittlerer (2.000 $, ebenfalls 1.500 $ Einzahlung durch den Arbeitgeber) sowie ein sog. "Three-tier copay "-Tarif, der Zuzahlungen für Medikamente abdeckte. Insgesamt wurde für fünf verschiedene Medikamente die Therapietreue, das eigenständige Absetzen und der Umstieg auf Generika untersucht: Antihypertonika (zur Blutdrucksenkung), Medikamente zur Lipidsenkung im Blut, Antidepressiva, sog. Asthma-Controller (Entzündungshemmer für die Atemwege) und Ulkustherapeutika (gegen Magen- oder Darmgeschwüre).

Herangezogen wurden dabei nicht Aussagen der Versicherten, sondern Unterlagen der Krankenversicherung. Alls Ergebnis zeigte sich dann:
• Für das mit den Selbstbeteiligungs-Regelungen verbundene Ziel, ein größeres Preisbewusstsein bei Arzneimittel-Konsumenten herzustellen, fanden sich keinerlei Hinweise. Der Gebrauch von preisgünstigen Generika anstelle der vom Arzt verschriebenen Original-Produkte war völlig unabhängig vom Versicherungs-Tarif.
• Bei hoher Selbstbeteiligung neigen Versicherte sehr stark dazu, unspezifisch wirksame Medikamente abzusetzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Blutdruck- oder Lipidsenker nach etwa einem halben Jahr nicht mehr gekauft und eingenommen werden, steigt bei hoher Selbstbeteiligung etwa auf das 2-3fache - dies zeigt eine multivariate Analyse, in der auch viele andere Faktoren (Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, Erkrankungen usw.) mitberücksichtigt wurden.
• Für spezifisch wirksame Medikamente hingegen (Antidepressiva, Asthma-Controller, Ulkustherapeutika) zeigt sich dieser Zusammenhang nicht.
• Bei denjenigen Versicherten, die ihre Medikamente nicht nach einem halben Jahr absetzen, sondern weiter einnehmen, zeigt sich eine recht hohe "Adherence", ganz unabhängig vom Versicherungstarif.

Die Wissenschaftler fassen ihre Ergebnisse so zusammen, dass sie keinerlei Hinweise gefunden haben, dass Consumer Directed Health Care mit Selbstbeteiligungsregelungen nun zu einem größeren kostenbewussteren Verhalten hinsichtlich medizinischer Leistungen führt. Auf der anderen Seite finden sich jedoch Belege für Effekte, die gesundheitlich überaus problematisch sind. Durch das Absetzen verordneter Medikamente kommt es, wie andere Studien gezeigt haben, langfristig zu Verschlechterungen im Gesundheitszustand und auch höheren Therapiekosten.

Ein Abstract der Studie ist hier zu finden: Jessica Greene u.a.: The Impact Of Consumer-Directed Health Plans On Prescription Drug Use (Health Affairs 27, no. 4 (2008): 1111-1119)

Gerd Marstedt, 9.7.2008