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Patienten
Verhaltenssteuerung (Arzt, Patient), Zuzahlungen, Praxisgebühr


Fortbildungspflicht für Ärzte: Umstritten, aber wirksam (28.4.17)
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Wie lange müssen für politische Schlussfolgerungen noch positive Wirkungen der Reduktion von Zuzahlungen nachgewiesen werden? Oft! (4.12.12)
Einblicke in den Zusammenhang von finanziellen Anreizen und der Anzahl wie Art von Diagnosen bei schwedischen Ärzten (26.11.12)
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Zwei RCT-Studien zeigen keine positiven Wirkungen zweier Interventionen bei Typ 1 und Typ 2-DiabetikerInnen nach 3 und 1 Jahr! (12.5.12)
Was hilft, das Gesundheitsverhalten von Diabetikern zu verbessern? Finanzielle Anreize: Nein! Persönliche Vorbilder: Ja! (6.5.12)
Zuzahlungen in der GKV 2005-2010: Jährlich rd. 5 Mrd. Euro, kaum erwünschte aber durchaus unerwünschte Steuerungswirkungen (26.3.12)
Amerikanische Kardiologen: Geld beeinflusst die Indikationsstellung für Belastungsuntersuchungen (22.11.11)
Interventionen an den Herzkranzgefäßen - weniger ist mehr, wird aber nicht umgesetzt (20.7.11)
Neues aus Oregon: Was passiert, wenn arme Menschen ohne Krankenversicherungsschutz ihn per Lotterie doch erhalten? (9.7.11)
Ärzte mit Erfahrung in wissenschaftlichen Studien behandeln nicht schlechter als ihre Kollegen ohne! Ob aber besser ist ungewiss. (16.4.11)
"Optimale" feste Selbstbeteiligungenn der ambulanten Versorgung - Nicht der Stein der Weisen! (13.4.11)
Streichung oder Senkung von Medikamenten-Zuzahlungen verbessern Therapietreue und damit Behandlungserfolg und Wirtschaftlichkeit. (22.11.10)
Therapietreue - Ansatz zu verbesserter Gesundheit und zur Kostendämpfung (15.8.10)
Bremer Wissenschaftler fordern soziale Zuzahlungen nur für weniger kosteneffiziente Leistungen (5.6.10)
Studie zu Risiken und Nebenwirkungen von Zuzahlungen in Deutschland (28.4.10)
Elektronisches Erinnerungssystem für Ärzte: Teure Versuch-und-Irrtum-Übung oder nützliche Vehaltenshilfe? (24.3.10)
Zuzahlungen und Praxisgebühr führen zur eingeschränkten Inanspruchnahme auch medizinisch notwendiger Leistungen bei Überschuldeten (2.3.10)
"Zauberlehrling oder Pontius Pilatus": Keine Rollen für die Protagonisten der Arztkontaktgebühr! (29.1.10)
Lieber krank feiern als krank arbeiten oder umgekehrt!? Was fördert oder hemmt die beiden Umgangsweisen mit Krankheit? (22.1.10)
Evidente, situations- und patientenbezogene "point-of-care"-Empfehlungen für Hausärzte verbessern Sekundärprävention nicht. (17.1.10)
Womit können Therapietreue und Wirtschaftlichkeit verbessert werden?: "Weniger Zuzahlungen verbessern die Therapietreue!" (8.11.09)
Antibiotika-Niedrigverbrauchsregion Ostdeutschland: Woran liegt es? (14.6.09)
Selbstkontrolle des Blutzuckers und Selbstmanagement der Ergebnisse oder HbA1c-Messung - Schwarzer Tag für Teststreifenhersteller? (13.4.09)
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Von der Einfachheit des medizinisch-technischen Fortschritts - Wie verlängere ich die Dauer des Stillens? (2.9.2007)
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Cochrane-Review: Wenig oder unzureichende Evidenz für den Nutzen von Kontrakten zur Verbesserung der Therapietreue (11.7.2007)
"Wehe, Du hast nur eine Krankheit!" oder: Wer viele Krankheiten hat, bekommt eine qualitativ bessere Behandlung (6.7.2007)
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Der homo oeconomicus im Gesundheitswesen (5.11.2006)
Früherkennungsuntersuchungen: Nicht-Teilnahme soll finanziell bestraft werden (30.10.2006)
Kaiserschnitt-Geburt: Kein Wunsch von Frauen (25.10.2006)
Der unerschütterliche Glaube an Kostendämpfung durch Zuzahlungen (28.8.2006)
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Scheitern eines scheinbaren Patentrezeptes: die Patientenquittung (10.10.2005)
Immer weniger Sonntagskinder, immer mehr Wunsch-Kaiserschnitte (7.10.2005)
Hormontherapie: Neuere Forschungserkenntnisse gelangen kaum in Arztpraxen (24.7.2005)
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Mehr Kaiserschnitt-Geburten, weniger Sonntagskinder - aufgrund ökonomischer Klinik-Kalküls

Artikel 0956 Der Trend ist Experten bereits seit längerem bekannt: Die Zahl der Vaginalgeburten sinkt in vielen Ländern, während gleichzeitig die geplanten (also nicht aufgrund eines Notfalls während der Geburt spontan beschlossenen) Kaiserschnitte deutlich ansteigen. In Deutschland lag die Quote im Jahr 2003 etwa bei 26%, in den USA bei 30%, also noch deutlich unter Quoten wie sie etwa aus Griechenland oder Brasilien bekannt sind, wo dies bei zwei Dritteln aller privat versicherten Mütter der Fall ist. Alexander Lerchl, Professor an der "Jacobs University Bremen", hat nun noch einmal Daten für Deutschland und die Schweiz detailliert analysiert.

In Deutschland wurden alle 706.000 Geburten des Jahres 2003 näher unter die Lupe genommen. Es zeigte sich, dass Kaiserschnitt-Geburten ganz überwiegend an Werktagen (Montag bis Freitag) stattfinden, am Wochenende liegt die Quote um etwa 15% unter dem zu erwartenden Wert. Im Durchschnitt liegt die Quote der Kaiserschnittgeburten bei 25.5%, mit einem Minimum von 19% in Sachsen und Sachsen-Anhalt und einem Maximum von 31% im Saarland. Zwischen der Kaiserschnittquote (als Anteil an allen Geburten) und dem Wochentag der Geburt (Werktag oder Wochenende) zeigt sich dabei ein sehr enger statistischer Zusammenhang. In ähnlicher Weise ist auch die Zahl der Geburten durch eine Hebamme dann besonders niedrig, wenn die Kaiserschnittquote in einem Bundesland hoch ausfällt.

Ähnliche Befunde zeigen sich auch für die Schweiz, wo die Quote der Kaiserschnittgeburten in nur einem Jahr fast um die Hälfte gestiegen ist, nämlich von 20.5% im Jahr 2004 auf 29.2% im Jahr 2005. Für die Schweiz konnte Lerchl noch einen anderen Zusammenhang finden, als er die Daten der Jahre 1970-2005 verglich. Dort zeigt sich ein sehr hoher Zusammenhang zwischen der Zahl jährlicher Geburten und der "Wochenend-Vermeidungsquote". Die in der Schweiz sinkende Zahl der Geburten (von jährlich 100.000 im Jahr 1970 auf etwa 70.000 in 2005), und die damit sinkenden Klinik-Einnahmen werden von Krankenhäusern wettgemacht durch eine höhere Zahl von Kaiserschnitt-Eingriffen - so die Interpretation des Wissenschaftlers.

Aber auch für Deutschland erkennt Lerchl hinter dem neuen Trend zumindest teilweise ökonomische Kalküls der Kliniken und weniger andere Gründe wie eine generelle Verschlechterung des Gesundheitszustands werdender Mütter oder einen kulturellen Wandel, der zu vermehrten Wünschen geführt hat nach einer zeitlich planbaren Kaiserschnittgeburt anstelle einer schwer berechenbaren Vaginalgeburt. Krankenhaus-Arbeit, so seine Argumentation, ist am Wochenende und besonders sonntags, aber auch nachts erheblich teurer als an Werktagen. An Sonntagen sind hier für die Beschäftigten Einkommens-Zuschläge von 25 Prozent fällig, was den ökonomischen Wunsch von Klinik-Verwaltungsdirektoren nach mehr Geburten montags bis freitags tagsüber nachvollziehbar macht.

Dass dieser Trend zur Kostensenkung medizinischer Eingriffe gesundheitlich nicht unproblematisch ist, wird von Lerchl ausführlich erörtert. Auch zwei neuere Studien aus den USA und Kanada deuten darauf hin, dass die gesundheitlichen Risiken deutlich höher sind als bislang unterstellt. (vgl. Geplante Kaiserschnitt-Geburten: Höhere Risiken als bislang angenommen)

Für beide Studien von Prof. Lerchl ist kostenlos leider nur ein Abstract verfügbar:
Alexander Lerchl, Sarah C. Reinhard: Where are the Sunday babies? II. Declining weekend birth rates in Switzerland doi: 10.1007/s00114-007-0305-4
Alexander Lerchl: Where are the Sunday babies? III. Caesarean sections, decreased weekend births, and midwife involvement in Germany doi: 10.1007/s00114-007-0306-3

Gerd Marstedt, 12.10.2007