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Patienten
Versorgungsforschung: Andere Erkrankungen


Wirkungen von "choosing wisely"-Empfehlungen geringer als erwartet (24.4.17)
Alt, älter, dement???? Neues zur altersspezifischen Inzidenz von Demenz (26.2.16)
Ist die Ergebnisqualität teurer high-end-Leistungen besser oder "hilft viel, viel"? Das Beispiel der Hörgeräteversorgungsreform (30.3.15)
2002-14: Persistenz der Unterrepräsentation von Frauen, Älteren und ethnischen Minderheiten in kardiologischen RCTs und Leitlinien (3.10.14)
Ist die medizinische Rehabilitation chronischer Rückenschmerzen wirksamer als Urlaub? Mangels Studien ist dies im Moment offen! (17.9.14)
Stabile KHK und PCI 4: Dramatische Fehleinschätzung des Nutzens auf Seiten der Patienten (13.9.14)
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Stabile KHK und PCI 2: Kardiologen informieren überwiegend falsch (9.9.14)
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Nur 55 % der Assistenzärzte in USA beantworten 20 Fragen zur Diagnose und Behandlung von TBC richtig

Artikel 0846 Zu den Unter- oder Fehlversorgungsrisiken in medizinisch und ärztlich als entwickelt geltenden Ländern gehören auch Spät-, Fehl- oder Nichtdiagnosen und eine sich daraus ergebenden Zuspät-, Falsch- oder Nichtbehandlung von gefährlichen, ja potenziell tödlichen Krankheitsarten.
Dies gilt besonders für eine Reihe von Erkrankungen, die historisch besiegt schienen oder lange Zeit kein Problem mehr in Industriegesellschaften waren, in jüngerer Zeit aber durch die Zunahme des internationalen Reiseverkehrs oder der Immigration auch wieder in Europa oder Nordamerika zunehmen. Exemplarisch gilt dies für die Lungentuberkulose(TBC).

Deren Erscheinungsbild, die Möglichkeit der Diagnostik und die wissenschaftlich gesicherte Art und Weise der Therapíe ist in den USA und Europa in nationalen Leitlinien dargestellt. In den USA wird aufgrund der sozialen Zusammensetzung der Patienten und ihrer Konzentration in Städten davon ausgegangen, dass sie meistens ihren ersten Arztkontakt mit Internisten oder Primärärzten haben werden.

Trotzdem bzw. gerade deswegen untersuchte eine Forschergruppe aus Baltimore und Philadelphia welche Fähigkeiten bei Assistenzärzten, also meist jüngeren Ärzten, an vier medizinischer Versorgungszentren in den Städten Baltimore und Philadelphia existierten, TBC-Fälle zu diagnostizieren und mit den Erkrankten umgehen zu können. Dazu erhielten 131 Assistenzärzte ohne Ankündigung und damit ohne die Möglichkeit gezielter Vorbereitung einen auf Basis der Leitlinie der "American Thoracic Society" entwickelten 20 Fragen (Multiple-Choice- sowie wahr/falsch-Fragen - der komplette Fragebogen ist im Anhang des Aufsatzes nachgedruckt) umfassenden Wissensfragebogen zur TB, den sie in 30 Minuten beantworten konnten. Zusätzlich wurden eine Reihe von Merkmalen zur bisherigen Erfahrung der Ärzte mit TB-Patienten, ihrer Institution und dem Ausbildungsalter erhoben.

Die wesentlichen Resultate lauten:

• Im Durchschnitt werden 55 % aller Fragen von den Surveyteilnehmern korrekt beantwortet.
• Das Wissen der Assistenzärzte wächst nicht mit der Anzahl der im laufenden Jahr behandelten TBC-Patienten und auch nicht mit zunehmenden Dauer der postgraduierten Ausbildung.
• Die verbreiteten Wissenslücken umfassen gerade auch die Diagnose einer TBC und das Management einer latenten Tuberkuloseinfektion, was wichtig ist, um den gefährlicheren Ausbruch der Krankheit zu verhindern oder zu verschieben. Die dazu gestellten Fragen wurden nur noch von 40,7 % der Befragten korrekt beantwortet.

Da andere Studien zeigten, dass das spätere Versorgungsverhalten von niedergelassenen Ärzten in starkem Maße von Verhaltensmustern geprägt wird, welche die Ärzte in ihrer Facharzt-/Assistenzarztausbildung erworben haben, sehen die Forscher wichtige Implikationen ihrer Erkenntnisse für die öffentliche Gesundheit.

Nachdenklich stimmt in diesem Zusammenhang besonders der fehlende oder geringe Zusammenhang von Erfahrung und Wissensstand. Hier könnte sich ein grundsätzliches und auch in anderen Studien entdecktes inhaltliches und methodisches Problem der Qualifikation von Ärzten verbergen. Derartige Wissenslücken und damit falsche Handlungsorientierungen zu beseitigen erfordert danach wesentlich mehr als das Angebot von kognitiver Weiterbildung.

Der komplett 27 Seiten umfassende Aufsatz von Petros C Karakousis, Frangiscos G Sifakis , Ruben Montes de Oca, Valerianna C Amorosa, Kathleen R Page, Yukari C Manabe und James D Campbell erschien jetzt in der Fachzeitschrift "BMC Infectious Diseases" (2007, 7:89 doi:10.1186/1471-2334-7-89) und kann als PDF-Datei hier kostenlos heruntergeladen werden: "U.S. medical resident familiarity with national tuberculosis guidelines"

Bernard Braun, 10.8.2007