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Patienten
Versorgungsforschung: Andere Erkrankungen


Wirkungen von "choosing wisely"-Empfehlungen geringer als erwartet (24.4.17)
Alt, älter, dement???? Neues zur altersspezifischen Inzidenz von Demenz (26.2.16)
Ist die Ergebnisqualität teurer high-end-Leistungen besser oder "hilft viel, viel"? Das Beispiel der Hörgeräteversorgungsreform (30.3.15)
2002-14: Persistenz der Unterrepräsentation von Frauen, Älteren und ethnischen Minderheiten in kardiologischen RCTs und Leitlinien (3.10.14)
Ist die medizinische Rehabilitation chronischer Rückenschmerzen wirksamer als Urlaub? Mangels Studien ist dies im Moment offen! (17.9.14)
Stabile KHK und PCI 4: Dramatische Fehleinschätzung des Nutzens auf Seiten der Patienten (13.9.14)
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Stabile KHK und PCI 2: Kardiologen informieren überwiegend falsch (9.9.14)
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Es müssen nicht immer teure High-Tech-Interventionen sein! Ein Beispiel aus der Schlaganfall-Rehabilitation. (11.7.11)
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Preiselbeerprodukte und die Prävention von Harnwegsinfekten: natürlich, erschwinglich, erhältlich ohne Rezept - aber wirksam???? (23.1.11)
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Wie verallgemeinerbar sind Ergebnisse von und Empfehlungen aus RCT? Externe Validität am Beispiel Asthma. (9.7.10)
Ist es sporadisch und selten, wenn in Japan 99,7 % der Schweinegrippeviren gegen Tamiflu resistent sind? Die WHO meint ja! (18.6.10)
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Australische Studie stellt große soziale Ungleichheit fest bei der Versorgung von Patienten mit Angina pectoris (13.1.10)
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Behandlungs-Tagebuch hilft bei Atemwegsinfekten von Kindern, unnötige Antibiotikaverordnungen zu reduzieren

Artikel 1666 Bei den überaus häufig auftretenden Atemwegsinfekten von Kindern kommt es oftmals zu einer Über- und Fehlversorgung im allgemeinärztlichen Bereich. Die Überversorgung besteht in einer hohen Anzahl von Eltern- und Kind-Kontakten mit dem Arzt, in Kombination mit einer kurz- und vor allem langfristigen Fehlversorgung mit Antibiotika. Diese sind bei den meist vorliegenden Virusinfektionen medizinisch nicht angebracht: Sie sind wirkungslos und fördern allein die Bildung resistenter bakterieller Erreger. Eine der Ursachen dieser problematischen Kombination von Versorgungsfehlern oder -mängeln ist fehlendes Wissen über die Eigenart dieser Erkrankungen bei den wegen der oft heftigen Symptome verständlicherweise besorgten und übervorsichtigen Eltern und ein Mangel an umfassender Kommunikation zwischen Arzt und Eltern.

Dass diese Versorgungsmängel mit relativ einfachen Mitteln beeinflussbar und weitgehend vermeidbar sind, hat nun eine Studie in 61 englischen und walisischen Arztpraxen mit 558 Kindern zwischen 6 Monaten und 14 Jahren gezeigt. Per Zufall wurden die Teilnehmer einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeordnet.

In der Interventionsgruppe wurde ein persönliches interaktives Behandlungstagebuchs eingesetzt, in das der Arzt bei Behandlungsbeginn alle wichtigen Daten des erkrankten Kindes eintrug. Ferner wurden wichtige wissenschaftlich gestützte Hinweise auf die Eigenart der Erkrankung und ihrer Behandlung kurz erläutert. Das Tagebuch blieb dann für die gesamte Behandlungszeit im Besitz der Eltern und ihres Kindes. Die Ärzte in der Kontrollgruppe behandelten vergleichbar erkrankte PatientInnen und ihre Eltern wie gewohnt und ohne ein solches Buch.

Die Auswirkungen auf die Häufigkeit der Arztkontakte und der Antibiotika-Verordnungen sahen so aus:
• 12,9% der TeilnehmerInnen in der Interventionsgruppe und 16,2% in der Kontrollgruppe hatten eine oder mehrere Folgekonsultationen. Der Unterschied ist statistisch nicht signifikant.
• Hochsignifikante Unterschiede gab es dagegen bei den Verordnungen von Antibiotika beim ersten Arztbesuch und der Einnahme von Antibiotika innerhalb der ersten zwei Wochen nach diesem Termin: Den 19,5% der Kinder in der Interventionsgruppe, die eine Verordnung erhielten, standen 40,8% in der Kontrollgruppe gegenüber.

Da viele Ärzte meinen, durch eine abwartende oder zurückhaltende Verordnung von Arzneimitteln Patienten zu verlieren oder zu enttäuschen, ist hervor zu heben, dass dies offenkundig in dieser Studie nicht der Fall war. D.h. es gab keine Unterschiede, was Zufriedenheit und Beruhigung der Eltern anbetrifft. In Zukunft beabsichtigen die so aufgeklärten und einbezogenen Eltern sogar, mit einem erkälteten Kind nicht mehr so schnell einen Arzt aufzusuchen.

Vom Artikel gibt es eine vollständige Version als PDF-Datei kostenlos: Nick A Francis et al.: Effect of using an interactive booklet about childhood respiratory tract infections in primary care consultations on reconsulting and antibiotic prescribing: a cluster randomised controlled trial (British Medical Journal, 2009; 339: b2885)

Bernard Braun, 11.11.09