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Patienten
Versorgungsforschung: Andere Erkrankungen


Alt, älter, dement???? Neues zur altersspezifischen Inzidenz von Demenz (26.2.16)
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"Bevor ich’s vergesse": Antidemenz-Mittel kann man bei milden Gedächtnisstörungen vergessen; tägliche Spaziergang wirken merklich.

Artikel 1335 Während es für die Wirkung der angeblich auch für die Behandlung milder Gedächtnisstörungen besonders geeigneten Antidementiva bisher keinen eindeutigen Wirkungsnachweis gibt, liefern ihn jetzt die im neuesten us-amerikanischen Fachjournal "Journal of the American Medical Association (JAMA) (JAMA 2008; 300: 1027-1037) veröffentlichten Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie für tägliche 20-Minuten-Spaziergänge oder ähnliche bewegungsorientierten Betätigungen.

Dazu wurden in der im westaustralischen Perth zwischen 2004 und 2007 durchgeführten so genannten "Fitness for the Ageing Brain Study" mittels spezieller Telefoninterviews 311 Personen im Alter von 50 und mehr Jahren identifiziert, die an leichten, auch noch von ihnen selbst bemerkten Gedächtnisstörungen litten, die klinisch noch unterhalb des Niveaus einer beginnenden Demenz lagen. Auf einer Skala von 0 für gesund und 70 für schwer dement lagen die hier genauer untersuchten Personen zu Beginn der Studie bei durchschnittlich 7 Punkten.

In der Studie wurden sie auf zwei Gruppen randomisiert. In einer Gruppe wurden ihnen drei wöchentliche Trainingseinheiten zu jeweils 50 Minuten verordnet. Die meisten entschieden sich für stramme Spaziergänge, aber auch tanzen oder schwimmen war möglich. Am Ende hatten die Teilnehmer der Gruppe im Durchschnitt 142 Minuten pro Woche, d.h. täglich rund 20 Minuten Sport getrieben. In der Vergleichsgruppe wurde kein Sport vereinbart und lediglich gezielt über die Präventionsmöglichkeiten gegen Demenz informiert und ansonsten die normale, d.h. in der Regel medikamentöse Behandlung durchgeführt.

Das Bewegungsprogramm lief über 24 Wochen und am Ende hatte der "(Prä-)Demenzwert" der TeilnehmerInnen 0,26 Punkte abgenommen, während es in der Vergleichsgruppe zu einer Zunahme um 1,04 Punkte gekommen war, insgesamt also eine Differenz der Angehörigen der beiden Gruppen von 1,3 Punkten bestand. Die TeilnehmerInnen der Interventionsgruppe wurden angehalten, weiter in Bewegung zu bleiben und erhielten dazu noch 4 Informationsbriefe.

Nach Beendigung der Interventionen untersuchten die ForscherInnen nach 6, 12 und 18 Monaten die weitere Entwicklung der Angehörigen beider Gruppen. Zunächst näherten sich beide Gruppen langsam wieder an. Ein Jahr nach dem Ende der Trainingsphase war aber noch ein Unterschied von 0,69 Punkten vorhanden. Auch in einzelnen Gedächtnistests und in den "Clinical Dementia Rating Scores" wurden Unterschiede gefunden.
Damit steht nach Ansicht einer der Verantwortlichen der Studie, Nicola Lautenschlager, erstmals eine bescheiden nutzvolle Behandlung der Alzheimervorstufe zur Verfügung.
Der von der Forschergruppe vermutete Wirkmechanismus einer durch Sport oder andere Bewegung verbesserten kardiovaskulären Fitness und damit der Hirndurchblutung, gibt zur Hoffnung Anlass, dass davon auch Menschen ohne erkennbaren Gedächtnisstörungen profitieren könnten.
Eine der Hauptschlussfolgerungen zum Nutzen der Studie lautet daher auch: "An important merit of this trial was to demonstrate the potential benefit of a simple intervention that is almost universally available".

Den 12 Seiten umfassenden Aufsatz "Effect of Physical Activity on Cognitive Function in Older Adults at Risk for Alzheimer Disease: A Randomized Trial" von Nicola T. Lautenschlager; Kay L. Cox; Leon Flicker; et al. kann man als PDF-Dokument kostenlos herunterladen.

Bernard Braun, 4.9.2008