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Patienten
Versorgungsforschung: Andere Erkrankungen


Alt, älter, dement???? Neues zur altersspezifischen Inzidenz von Demenz (26.2.16)
Ist die Ergebnisqualität teurer high-end-Leistungen besser oder "hilft viel, viel"? Das Beispiel der Hörgeräteversorgungsreform (30.3.15)
2002-14: Persistenz der Unterrepräsentation von Frauen, Älteren und ethnischen Minderheiten in kardiologischen RCTs und Leitlinien (3.10.14)
Ist die medizinische Rehabilitation chronischer Rückenschmerzen wirksamer als Urlaub? Mangels Studien ist dies im Moment offen! (17.9.14)
Stabile KHK und PCI 4: Dramatische Fehleinschätzung des Nutzens auf Seiten der Patienten (13.9.14)
Stabile KHK und PCI 3: Nutzlose Stents als Folge überflüssiger Herzkatheteruntersuchungen (9.9.14)
Stabile KHK und PCI 2: Kardiologen informieren überwiegend falsch (9.9.14)
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NEJM-Journal Watch: Wissenschaftliche Publikationen über Ebola 1995-2014 (12.8.14)
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Evidenz für den Nutzen von Gewichtsabnahme, Bewegungssport und Muskelaufbau als Methoden für Patienten mit Knie-/Hüft-Arthrose (16.12.13)
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"Wer hat noch nicht, wer will noch mal": Ist die "Statinisierung" der Weltbevölkerung zwingend, sinnvoll oder vermeidbar? (3.12.13)
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Ist die Entwicklung von Demenz wirklich nicht oder nicht ohne unerwünschte Nebenwirkungen zu verlangsamen? (17.4.12)
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Es müssen nicht immer teure High-Tech-Interventionen sein! Ein Beispiel aus der Schlaganfall-Rehabilitation. (11.7.11)
Warum sich ältere Frauen nicht darauf verlassen sollten, ihr Risiko für Herzdefekte durch Grill- oder Backfisch senken zu können? (29.5.11)
Preiselbeerprodukte und die Prävention von Harnwegsinfekten: natürlich, erschwinglich, erhältlich ohne Rezept - aber wirksam???? (23.1.11)
Warum verordnen Ärzte erkälteten Patienten "gegen besseres Wissen" immer noch viel zu viele Antibiotika? (2.11.10)
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Wie verallgemeinerbar sind Ergebnisse von und Empfehlungen aus RCT? Externe Validität am Beispiel Asthma. (9.7.10)
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Unter-, Über- und/oder Fehlversorgung? Asthmabehandlung bei Kindern: individuelle Flexibilität und weniger Standardisierung! (7.9.2008)
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Der Kampf gegen die Malaria in Afrika: Weltbank-Bürokratie verhindert pragmatische Lösungen (17.6.2007)
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"Beschneidung von Männern reduziert HIV-Risiko um etwa die Hälfte" (27.2.2007)
Malaria: Informationen über eine exotisch-stille Massenkrankheit. (12.12.2006)
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Versorgungsforschung: Wirksamkeit von Grippeschutzimpfung für Ältere meist "bescheiden" (9.10.2005)

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Unter-, Über- und/oder Fehlversorgung? Asthmabehandlung bei Kindern: individuelle Flexibilität und weniger Standardisierung!

Artikel 1340 Ob eine bestimmte Behandlung oder eine Behandlungsweise "richtig" und "nützlich" ist, ist oft nicht so eindeutig und patentrezepthaft zu sagen, wie sich dies manche Ärzte und Patienten wünschen.

Dies zeigen auch die gerade veröffentlichten Ergebnisse einer randomisierten, kontrollierten und doppelblinden Studie über die Behandlung von mildem aber hartnäckigen Asthma bei finnischen Kindern im Alter von 5 bis 10 Jahren.

Dabei ging es vor allem um den Vergleich der Wirkungen einer täglichen Inhalation des Kortikosteroids Budesonide und der Anwendung dieses Wirkstoffs bei Bedarf. Die antiasthmatische Wirkung der inhalierten Kortikosteroide war in Langzeitstudien bereits zuvor verlässlich nachgewiesen worden. Allerdings sind dabei auch unerwünschte Wirkungen erkannt worden, wie etwa die gerade bei Kindern wichtige Reduktion der Größenwachstumsgeschwindigkeit. Hinzu kommt, dass die Daueranwendung derartiger Therapien bei Kleinkindern eine Art Medikalisierungseffekt hat und außerdem spezielle Complianceprobleme auftreten können. Letztere treten natürlich bei Kindern auch bei einer Medikation nach Bedarf auf.

Für die vorliegende Studie wurden in der "The Helsinki early intervention childhood asthma study" 176 Kinder im fraglichen Alter per Zufall in drei Interventionsgruppen aufgeteilt: Die Teilnehmer der ersten Gruppe nahmen kontinuierlich und zweimal am Tag einen Monat lang eine 400 mg-Dosis des Medikaments ein, erhielten vom zweiten bis sechsten Monat regelmäßig eine 200 mg-Dosis und schließlich in den Monaten 7 bis 18 nur noch eine 100 mg-Dosis; in der zweiten Gruppe sah die Behandlung für den ersten bis zum sechsten Monat so aus wie in der ersten Gruppe, bestand in den restlichen 12 Studienmonaten aber aus einem Placebo; die Teilnehmer der dritten Gruppe erhielten das Antiallergikum Natriumcromoglicat (DSCG) dreimal täglich über die gesamten 18 Monaten der Studienlaufzeit. Sofern sich Verschlechterungen des Gesundheitszustands ergaben bzw. Asthmaanfälle auftraten, wurden die betreffenden Kinder in der zweiten und dritten Gruppe zusätzlich für zwei Wochen mit zweimal täglich 400 mg Budesonide behandelt.
Zur Wirkungsanalyse wurden die Lungenfunktion, die Anzahl der Verschlechterungen und die Wachstumsgeschwindigkeit der Kinder untersucht.

Die Ergebnisse dieser Messungen sahen folgendermaßen aus:

• Beim Vergleich der Ergebnisse der Anfänge der DSCG-Behandlung mit der mit Kortikosteroiden führte letztere zu einer signifikant verbesserten Lungenfunktion und zu weniger Anfällen. Außerdem war das Größenwachstum etwas aber signifikant geringer.
• Nach 18 Monaten unterschied sich aber die Lungenfunktion aller jungen Patienten in den drei Gruppen nicht mehr.
• Zwischen dem siebten und achtzehnten Monat der unterschiedlichen Behandlungsweisen hatten die kontinuierlich mit dem Kortikosteroid behandelten Teilnehmer der ersten Gruppe signifikant weniger Asthmaanfälle als die Teilnehmer mit anderen Behandlungsmustern. Die Anzahl der asthmafreien Tage und eine Reihe weiterer Indikatoren unterschieden sich aber zwischen der Gruppe mit regelmäßiger und der mit der Inhalation nach Bedarf nicht. Die Verringerung des Größenwachstums normalisierte sich in der Gruppe mit regelmäßiger Einnahme bei geringer werdender Dosis und war in der "Bei-Bedarfs-Gruppe" praktisch nie ein Problem.

Die finnischen ForscherInnen sehen zunächst den positiven Einfluss der kontinuierlichen Kortikosteroidbehandlung auf die Anzahl der Asthmaanfälle als gesichert an. Wegen der systemischen und gerade bei Kindern unerwünschten systemischen Wirkungen empfehlen sie aber für Kinder, die nach einer anfänglichen kontinuierlichen Behandlung mit Kortikosteroiden ihr Asthma gut unter Kontrolle haben, mit der Dauerinhalation aufzuhören und nur noch bei Bedarf auf den Einsatz dieser Mittel zurück zu greifen. Hier wie sicherlich bei der Behandlung vieler anderer Krankheiten sollte daher stärker als bisher auch auf die "evolution of individual disease" geachtet werden.

Den fünfseitigen Aufsatz "Daily versus as-needed inhaled corticosteroid for mild persistent asthma (The Helsinki early intervention childhood asthma study" von Turpeinen M, Nikander K, Pelkonen AS, Syvänen P, Sorva R, Raitio H, Malmberg P, Juntunen-Backman K und Haahtela T aus den "Archives of Disease in Childhood (2008;93:654-659) erhält man komplett kostenlos.

Bernard Braun, 7.9.2008