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Wer aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente muss, hat schon jetzt erhebliche finanzielle Probleme

Artikel 0613 Das durchschnittliche Zugangsalter zur Rente ist gestiegen - in den letzten zehn Jahren um rund 12 Monate auf 63 Jahre. Ein Grund dafür sind die 1997 eingeführten Rentenabschläge, die ein frühes Ausscheiden aus dem Arbeitsleben unattraktiv machen. Wer gut im Beruf steht und gesund ist, bleibt länger im Job. Doch nicht alle älteren Erwerbstätigen können über ihren Abschied von Büro und Werkbank selbst bestimmen. Darum müssen - trotz des steigenden Durchschnittsalters - zunehmend mehr Senioren mit 60 in den Ruhestand gehen und von einer um Abschläge geschmälerten Rente leben.

Dies zeigt der neue Altersübergangs-Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung. "Die Abschlagsregelung kann als eine sanfte Anhebung der Altersgrenzen gesehen werden", so Martin Brussig, Autor des Reports. Die Folgen sind jedoch nicht immer sanft, denn die Rente reduziert sich um 0,3 Prozent für jeden Monat, der zum 65. Geburtstag fehlt. Das kann gerade bei Langzeitarbeitslosen zu massiven Einbussen führen.

2005 waren die Auszahlungen an vier von zehn Neu-Rentnern gekürzt. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Anteil der vorzeitigen Abschiede aus dem Erwerbsleben deutlich erhöht: 2003 waren es noch 35 Prozent, zwei Jahre später bereits 42 Prozent. Etwa jeder siebte Erwerbstätige musste 2005 sogar eine erhebliche Rentenkürzung hinnehmen, weil er mit bereits mit 60 in den Ruhestand ging - die dann anfallenden maximalen Abschläge betragen 18 Prozent. Der Altersübergangs-Report identifiziert als besondere Problemgruppe Männer und Frauen, die in den drei Jahren vor dem Renteneintritt entweder arbeitslos, Minijobber oder lange krank waren. Von dieser Gruppe wechselte jeder fünfte Mann mit 60 - also zum erstmöglichen Zeitpunkt - in den Ruhestand. Unter den Frauen war es jede dritte. "Diesen Personen fehlen - verglichen mit durchgängig Erwerbstätigen, die mit 65 Jahren in Rente gehen - acht Jahre am Aufbau ihrer Alterssicherung", erklärt Brussig. Entsprechend gering seien die Auszahlungen.

Der Rentenzugang spiegelt die regionalen Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt wider. Am schwierigsten ist es in Ostdeutschland, bis zum Ende dabei zu bleiben: Sieben von zehn Rentnern gehen vorzeitig. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind dabei im Osten gering, im Westen beträchtlich - weil westdeutsche Frauen weniger stark ins Erwerbsleben eingebunden sind, wie Brussig erklärt. Der Forscher unterscheidet drei Grundmuster des Altersübergangs:
• Einen direkten Rentenzugang hatten etwa 31 Prozent der neuen Altersrentner 2005. Das waren meist durchgängig sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die auch in den letzten drei Jahren vor dem Ruhestand im Job blieben.
• Einen kurzen Altersübergang erlebten 12 Prozent. Der ergibt sich, wenn die Beschäftigten auf der Zielgeraden des Arbeitslebens in einen prekären Arbeitsmarktstatus gewechselt sind.
• Ein langer und prekärer Altersübergang traf 20 Prozent. Die Ursache sind dauerhafte Arbeitslosigkeit, Krankheit oder geringfügige Beschäftigung.

Hinzu kommen rund 38 Prozent der Rentner, die keiner dieser Gruppen zuzuordnen sind - weil sie sich im Ausland aufhalten oder schon länger nicht mehr erwerbstätig sind, was gerade für viele Frauen gilt. Auch Beamte, die in frühen Berufsjahren als Angestellte Rentenansprüche erworben haben, gehören dazu.

Die Härten und die sozialen Abstände im Alter werden zunehmen, prognostizieren Brussig und der IAQ-Wissenschaftler Matthias Knuth. Denn berufliche Fehlschläge älterer Beschäftigter bergen ein doppeltes Risiko: das der Arbeitslosigkeit und der folgenden Rentenkürzung. Die Analyse der Abschläge erlaube zudem bereits eine Einschätzung der Rente mit 67, die ab 2012 eingeführt werden soll. Die Forscher folgern, "dass eine Anhebung der Altersgrenzen nur dann sozialpolitisch gerechtfertigt ist, wenn die Versicherten die Möglichkeit haben, ihre Erwerbstätigkeit bis unmittelbar zum Rentenzugang aufrechtzuerhalten". Das aber werde auch in Zukunft für viele sehr schwer werden, sofern sich das Einstellungsverhalten und die Weiterbildungsaktivitäten nicht verändern: Die Erwerbsmöglichkeiten Älterer werden nicht voll mit den Altersgrenzen mitziehen, warnen sie. Und für sozialversicherungspflichtige Jobs gelte das erst recht.

• Zusammenfassung der Studie (PDF, 1 Seite): Rente - Herbe Einschnitte für Arbeitslose
• Aufsatz in WSI-Mitteilungen 6/2006 (PDF, 7 Seiten): Martin Brussig, Matthias Knuth: Altersgrenzenpolitik und Arbeitsmarkt - Zur Heraufsetzung des gesetzlichen Rentenalters
• Altersübergangs-Report (PDF, 15 Seiten): Martin Brussig: Vier von zehn Zugängen in Altersrente erfolgen mit Abschlägen

Gerd Marstedt, 5.3.2007