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Welche Einzelfaktoren "befeuern" mit welcher Kraft den demografischen Wandel?

Artikel 2068 Egal, ob "Deutschland altert" oder "immer mal wieder ausstirbt": "Ursächlich dafür sind der seit langem anhaltende Anstieg der Lebenserwartung und die auch seit längerem beständig niedrigen Geburtenzahlen". So weit ein Teil der zahllosen Schlagzeilen und schlaglichtartigen Ursachenzusammenstellungen zum demografischen Wandel. Was weit seltener zu lesen oder zu hören ist, sind Antworten auf die eigentlich naheliegende Frage, wie stark der Einfluss der Einflussfaktoren denn im Ensemble ist und ob es nicht auch Einflüsse in Richtung Verjüngung der Bevölkerung gibt. Selbst wenn aber über diese Art von Einfluss durch Migration geredet wird, fehlen auch hier quantitative Aussagen über das Wechselspiel aller genannten Faktoren.

In einem kurzen Beitrag in der Januar 2012-Nummer des vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)" herausgegebenen Newsletters "Bevölkerungsforschung aktuell" quantifiziert nun BiB-Forscher Scharein die Einflüsse der Faktoren aktuelle Altersstruktur, Fertilität, Mortalität und Migration im Wechselspiel für die Jahre 1991 bis 2009 in Deutschland.

Er beginnt seine Darstellung mit dem für die Messung der Alterung seltener verwandten Indikator des Medianalters, d.h. das Alter, das die Bevölkerung in eine Hälfte aufteilt, die älter und eine, die jünger ist. Dieses Alter stieg für die weibliche Bevölkerung in dem genannten Zeitraum von 39,5 auf 45,1 Jahre und bei Männern von 35,1 auf 42,8 Jahre an.

Mittels einer so genannten Kohoerten-Komponenten-Fortschreibung der Bevölkerung bestimmt der Autor dann, wie viele dieser Jahre von den vier Faktoren bestimmt werden: Die Altersstruktur der Bevölkerung beeinflusst bei Männern zu rund 69% den Anstieg des Medianalters (bei Frauen rund 64%), die Fertilität war bei den Männern zu knapp 39% daran beteiligt und bei den Frauen mit 52%. Die längere Lebenserwartung beeinflusste schließlich bei Männern "nur" noch zu 10,5% und bei den Frauen zu rund 14% die Erhöhung des Medianalters. Die Migration wirkte sich bei beiden Geschlechtern bremsend auf die Zunahme des Medianalters aus, nämlich mit 14,5% bei Männern und 20,3% bei Frauen. Interaktionen der vier Effekte wirkten sich ebenfalls mildernd aus, und zwar mit 4% bzw. 9,8% bei Männern und Frauen. Alles in allem wird also die Alterung in Deutschland "hauptsächlich durch die nach wie vor niedrigen Geburtenzahlen" erklärt.

Der Kurzaufsatz "Altersstruktur, Fertilität, Mortalität und Migration - Vier Komponenten befeuern den demografischen Wandel" von Manfred Scharein (Seite 23/24) ist kostenlos herunterladbar.
Den 6x im Jahr erscheinenden Informationsdienst "Bevölkerungsforschung aktuell" des BiB kann man stets komplett kostenlos herunterladen.

Bernard Braun, 25.1.12