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Neues aus der Demografieforschung: Wir leben nicht länger, weil der Alterungsprozess länger dauert, sondern später anfängt!

Artikel 1837 Ist die in den meisten europäischen und nordamerikanischen Ländern auch heute noch stetige Verlängerung der Lebenserwartung in Richtung 90 und mehr Jahre der nächste Höhepunkt der "demografischen Bedrohung" oder muss man sich vielmehr überlegen, was die immer zahlreicher werdenden 90+-Menschen mit den immer mehr werdenden gesunden Lebensjahren anfangen können?

Auf diese Frage liefert jetzt eine materialreiche Studie zum Stand der demografischen Forschung des Rostocker Bevölkerungswissenschaftler James Vaupel in der renommierten Wissenschaftszeitschrift "Nature" klare Antworten.

Die empirischen Tendenzen in Schweden (seit 1861), den USA (seit 1933) und Japan (seit 1947) belegen die von Vaupel in einer deutschsprachigen Zusammenfassung seines "Nature"-Aufsatzes so formulierte Kernthese: Es gibt "ein deutliches Indiz dafür, dass die Zahl gesunder Lebensjahre wächst. Die Lebenserwartung der Menschen nimmt also zu - nicht, weil der Alterungsprozess sich insgesamt verlängert, sondern weil er immer später einsetzt. Heute Geborene können somit nicht nur darauf hoffen, den 100. Geburtstag zu feiern, sondern auch die Zeit bis zum 90. Lebensjahr in zufrieden stellender körperlicher und geistiger Gesundheit zu verbringen."
Dies wird im wesentlichen an einer insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg in allen Ländern stetig zunehmenden Verschiebung des Zeitpunkts, ab dem es eine Restlebensdauer von 5 oder 10 Jahren gibt, ins immer höhere Alter belegt, wobei der Abstand zwischen beiden Tendenzen in etwa gleich bleibt. Seit 170 Jahren, seit dem gibt es in Schweden Lebenserwartungsstatistiken, verlängert sich das Leben pro Jahr durchschnittlich um drei Monate und hat, das sei den vielen zeitgenössischen Demografie-Auguren ins Stammbuch geschrieben, fast jede für absolut und unüberwindbare Altersmarke übersprungen.

Der Trefferstand in dem im "forum-Gesundheitspolitik" schon öfter erwähnten "Spiel" zwischen "compression of morbidity" und "Medikalisierung" verbessert sich damit zugunsten der Kompressionshypothese gut und gern auf 8:1.

Eine zweite wichtige Erkenntnis der Forschung über die Zunahme so genannter Hochbetagter lautet, dass Altern und die Umstände des Alterns beeinflussbar sind. Dabei spielten aber bisher nicht der medizinisch-technische Fortschritt und die genetische Disposition die entscheidenden Rollen, sondern "ein allgemeiner Anstieg im Lebensstandard, eine bessere Ernährung, Fortschritte in der Medizin und in der Gesundheitsversorgung sowie soziale Errungenschaften, wie etwa der erhöhte Zugang der Menschen zu Bildung" in einem bestimmten Mischungsverhältnis.

Wenn man über die gesellschaftlichen Konsequenzen des immer später eintretenden Alterungsprozesses nachdenkt, wird klar, dass sich hier auch Spreng- oder Konfliktstoff verbirgt. Hält man an den Berentungsgrenzen 60 und 65 Jahren fest, bedeutete es, dass demnächst immer mehr Menschen berentet werden, die den längsten erwachsenen und relativ autonomen Zeitabschnitt ihres Lebens erst bzw. noch vor sich haben.

Alternativ, so Vaupel, könnte eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit über die heutigen Altersrentenjahre hinaus zum einen helfen, dass das gegenwärtige Arbeitsstundenvolumen und damit ein wichtiger Faktor des heutigen und künftigen Wohlstands erhalten bleibt und dies sogar bei weniger Arbeitsstunden pro Person. Dass dies nicht bei allen Tätigkeiten geht, sollte nicht die reflexartige Beendigung dieser gesamten Diskussion provozieren, sondern der Ausgangspunkt einer Suche nach unbelastenderen Alterstätigkeiten für Dachdecker oder Krankenschwestern sein. Und wie der umstrittene Versuch der "Rente mit 67" zeigt, sollten solche andere Beschäftigungszeiten auch nicht nur zu Rentenabschlägen führen oder indirekt Beiträge zur Entlastung der Rentenkassen und des Bundeshaushalts sein.

Diese Debatte in aller Ausführlichkeit zu führen und sich auch zu streiten ist angesichts der langsam erdrückenden Datenlage zur tatsächlichen Dynamik des Alterns allemal besser als das dumpfe Räsonnieren über das Menetekel der "demografischen Bedrohung".

Der Aufsatz "Biodemography of human ageing" von James W. Vaupel ist in der Zeitschrift "NATURE" (Vol 464 vom 25.3. 2010: 536-542) erschienen und komplett kostenlos zu erhalten. Trotz seiner Kürze vermittelt er eine komplette Übersicht über die Inhalte und Quellen der seriösen demografischen Forschung, die zum Weiterlesen animiert.

Die deutschsprachige Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse des Aufsatzes findet sich unter der Überschrift "Eine angeborene Lebensspanne gibt es nicht" in der Nummer 2/2010 des u.a. vom Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung herausgegebenen kostenlosen Informationsdienstes "Demografische Forschung aus erster Hand".

Für diejenigen, die sich jetzt vielleicht zurücklehnen und vom unaufhaltsamen Nahen ihres hundertjährigen Geburtstags träumen, enthält das genannte Heft des Informationsdienstes aber auch noch eine gehörige Portion Essig. Mit der Überschrift "Wirtschaftskrisen kosten zehn Monate Lebenszeit" deutet ein Autorenteam nämlich die Wahrscheinlichkeit an, dass andere beeinflussbare soziale Ereignisse auch lebenserwartungsverkürzend wirken können.

Bernard Braun, 22.7.10