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Finnische Studie zeigt: Chronisch erkrankte Männer sind öfter als Frauen verletzlich und depressiv

Artikel 0725 Herbert Grönemeyer hat es schon 1984 in seinem Song "Männer" besungen, doch eine finnische Studie hat es jetzt auch wissenschaftlich belegt: "Männer sind so verletzlich" - verletzlicher jedenfalls als gleichaltrige Frauen. Berücksichtigt wurden in der Untersuchung zwar nur jüngere Männer und Frauen (Alter 32) und nur Personen, die an einer chronischen Erkrankung (vor allem Asthma, Allergie, Diabetes) litten. Es zeigte sich dann, dass die einbezogenen männlichen Chroniker in erheblichem Maße auch über depressive Symptome klagten, während dies bei den weiblichen Chronikern sehr viel seltener der Fall war. Trotz der stichprobenbedingten Einschränkungen interpretieren die Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse jedoch so, dass sie dahinter einen generellen Effekt vermuten, der Männer gegenüber externen Beeinträchtigungen schutzloser macht. Sie fanden nämlich auch heraus, dass psychosoziale Schutzmechanismen bei Frauen mit einer chronischen Erkrankung sehr stark wirksam sind, also die psychischen Folgen einer chronischen Erkrankung deutlich mildern, während dieser Effekt sich bei Männern nicht aufzeigen ließ.

In die Untersuchung einbezogen waren Teilnehmer einer größeren finnischen Verlaufsstudie, insgesamt 257 chronisch erkrankte und 664 gesunde Männer und Frauen, alle im Alter von 32 Jahren. Es zeigte sich dann, dass etwa 20 Prozent der chronisch Erkrankten, aber nur 12 Prozent der Gesunden auch Anzeichen einer depressiven Erkrankung aufwiesen. Gemessen wurde dies mit klinischen Fragebögen zur Erfassung von Depressivität. Besonders überraschend waren dann aber die Geschlechtsunterschiede: Innerhalb der Gruppe chronisch Erkrankter wurden 25 Prozent der Männern, aber nur 10 Prozent der Frauen als depressiv eingestuft. Bei einer Kontrolle auch sozialstatistischer Merkmale blieb dieser Unterschied bestehen: Während chronisch erkrankte Männer etwa dreimal so oft wie nicht erkrankte Männer Depressions-Symptome zeigten (3,1:1), unterschieden sich chronisch erkrankte und nicht erkrankte Frauen hinsichtlich psychischer Auffälligkeiten gar nicht (1,1:1).

Die Wissenschaftler hatten neben dem Aspekt Depressivität auch noch einige andere Persönlichkeitsmerkmale in Fragebögen erfasst wie Kontrollerwartung (Locus of Control, das Ausmaß, in dem man glaubt, selbst Bedingungen beeinflussen zu können), unterschiedliche Bewältigungsstrategien im Umgang mit Krankheit (wie kognitive Deutungen, aktives Handeln) und soziale Unterstützung, also die Intensität und Reichweite des persönlichen Netzwerkes guter Freunde. Hier zeigte sich nun, dass insbesondere die persönliche Kontrollerwartung bei Frauen stärker ausgeprägt war, also die Überzeugung, die eigenen Lebensumstände und damit auch die Krankheit erheblich mit beeinflussen zu können. Bei Männern hingegen überwogen Überzeugungen, dass dies eher von äußeren Einflüssen (Schicksal, Erbanlagen usw.) abhängig ist. Die persönliche Kontrollerwartung war nach den Analyse-Ergebnissen jedoch jener Faktor, der am stärksten vor psychischen Beeinträchtigungen bei Vorliegen einer chronischen Erkrankung schützt.

Die Wissenschaftler der jetzt online und vorab in der Zeitschrift "Social Science & Medicine" veröffentlichten Studie formulieren als Fazit, "dass in präventiver Perspektive jüngere Männer mit einer chronischen Erkrankung als Risikogruppe für Depressivität zu betrachten sind, die möglicherweise davon profitieren könnten, wenn sie zu einem aktiveren Umgang mit ihrer Krankheit gelenkt werden könnten und wenn sie es lernen, ein stärkeres Ausmaß an persönlicher Kontrolle und Überzeugung davon zu gewinnen, dass sie ihre Krankheit beherrschen und nicht umgekehrt."

Ein kostenloses Abstract der Studie ist hier nachzulesen: Psychosocial resources and depression among chronically ill young adults: Are males more vulnerable? (Social Science & Medicine (2007), doi:10.1016/j.socscimed.2007.02.030)

Gerd Marstedt, 7.6.2007