Home | Patienten | Gesundheitssystem | International | GKV | Prävention | Epidemiologie | Websites | Meilensteine | Impressum

Sitemap erstellen RSS-Feed

RSS-Feed
abonnieren


Weitere Artikel aus der Rubrik
Epidemiologie
Männer & Frauen, Gender-Aspekte


Profitieren Ehemänner gesundheitlich von Ehekrach? Ja, bei Diabetes, aber Ehefrauen nicht! (27.5.16)
Wie wirken sich viele kürzere Episoden von Arbeitslosigkeit auf Gesundheit und Gesundheitsverhalten aus? Sehr unterschiedlich! (30.11.14)
"Frauen, die wie Männer rauchen sterben auch wie Männer" - 50-Jahre-Trends der nikotinassoziierten Sterblichkeit nach Geschlecht (5.2.13)
"Baby blues". Nachgeburtliche Depression hat nicht selten nichts mit dem Baby zu tun, sondern mit gewalttätigen Partnern (11.12.11)
Kinder sind nicht nur "süß", sondern können ihre Väter auch vor dem Herztod bewahren - je mehr Kinder desto besser! (24.10.11)
Hitzewallungen in der Menopause: Wenn eine "kurze Zeit" dauert und dauert und was dies für eine gute Versorgung bedeutet. (5.6.11)
100 Jahre Internationaler Frauentag: Für viele Mädchen und Frauen in unterentwickelten Ländern (noch) kein Grund zu feiern. (8.3.11)
Geschlechterunterschiede in der Asia-Pacific-Region: 100 Millionen "fehlende Mädchen" und "verschwundene Frauen" (9.3.10)
Alle Jahre wieder: Ein, zwei, drei und viele Gleichheits-"Lücken" zum Weltfrauentag (7.3.10)
"Schlägst Du mich, schlag ich meine Frau" - Wie in Palästina politische Gewalt mit häuslicher Gewalt gegen Frauen verbunden ist (25.1.10)
Wenn ein Partner an Krebs erkrankt: Frauen übernehmen eher die häusliche Pflege, Männer neigen zu Flucht und Trennung (17.11.09)
Eine Scheidung hinterlässt gesundheitliche Spuren - lebenslänglich! (2.8.09)
"Vor dem Schlaganfall sind alle gleich" ? Viele ältere Frauen unterschätzen ihr Schlaganfall-Risiko (10.7.09)
Jüngerer Partner = Jungbrunnen oder Sterberisiko? Es kommt aufs Geschlecht an! (28.5.09)
Leitliniengerechte Behandlung von Herzinsuffizienz: Ärzte benachteiligen Frauen, Ärztinnen aber Männer nicht! (31.1.09)
"Kein Problem mit null Bock im Bett" oder gute Argumente gegen eine geschlechterübergreifende Viagraisierung des Sexuallebens. (4.12.08)
Frauen leiden stärker unter einer Krebsdiagnose - selbst wenn nicht sie selbst, sondern der Partner an Krebs erkrankt ist (3.3.2008)
Verlaufsstudie über 17 Jahre zeigt: Streitunterdrückung in einer Paarbeziehung verkürzt die Lebenserwartung (23.1.2008)
Osteuropa nach dem Kommunismus: Die Lebenserwartung der Männer ist durch den Systemwechsel gesunken (2.7.2007)
Alleinerziehende Väter und Mütter haben einen schlechteren Gesundheitszustand als Paare (13.6.2007)
Finnische Studie zeigt: Chronisch erkrankte Männer sind öfter als Frauen verletzlich und depressiv (7.6.2007)
Geplante Kaiserschnitt-Geburten: Höhere Risiken als bislang angenommen (27.3.2007)
Jede dritte Frau hat auch ein Jahr nach der Geburt noch Beschwerden beim Sex oder Inkontinenzprobleme (19.3.2007)
Women are sicker, but men die quicker - der "Gender Datenreport" (9.2.2007)
Neue Datenbank der BzgA zur Frauengesundheit (31.1.2006)

Seite mit den Texten aller Artikel aufrufen:
Männer & Frauen, Gender-Aspekte
 

Andere Rubriken in "Epidemiologie"


Themen- und länderübergreifende Berichte

Soziale Lage, Armut, soziale Ungleichheit

Umwelt und Ökologie

Arbeit und Betrieb, Berufe, Branchen

Spezielle Krankheiten

Psychische Erkrankungen

Übergewicht, Adipositas

Ältere, Altersaspekte

Kinder und Jugendliche

Männer & Frauen, Gender-Aspekte

Gesundheitsverhalten (Rauchen, Ernährung, Sport usw.)

Gesundheit und Krankheit in den Medien

Andere Themen



Osteuropa nach dem Kommunismus: Die Lebenserwartung der Männer ist durch den Systemwechsel gesunken

Artikel 0766 Der Zusammenbruch der sozialistischen Systeme in Osteuropa hat für die Bevölkerung in diesen Ländern drastische Veränderungen mit sich gebracht. Diese Verwerfungen in den Arbeits- und Lebensbedingungen wurden von vielen Betroffenen als existenzieller Stress erlebt und haben sogar zu einer kürzeren Lebenserwartung geführt. Dies betrifft insbesondere die Männer im ehemaligen Ostblock: Deren Lebenserwartung ist in den ersten Jahren nach dem Systemzusammenbruch um sechs Jahre gesunken, während sich bei Frauen nur geringfügige Veränderungen zeigten.

Insgesamt zeigt sich nach einer jetzt in der Zeitschrift "Evolutionary Psychology" veröffentlichten Studie, dass der Geschlechts-Unterschied in der Mortalität, also die unterschiedliche Sterblichkeitsrate bei Männern und Frauen sich massiv vergrößert hat. Männer erleben die Anforderungen der Marktwirtschaft und die damit gesetzten Zwänge in erheblich höherem Maße als persönlichen Stress, mit der Folge, dass ihre Lebenserwartung sich seit 1990 im Vergleich zu Frauen sehr viel stärker gesunken ist.

Die beiden Wissenschaftler der University of Michigan verglichen in ihrer Studie die Sterblichkeit von Männern und Frauen und bildeten daraus einen Mortalitäts-Quotienten "Mortalität Männer : Mortalität Frauen". Die Veränderungen dieses Quotienten in unterschiedlichen Phasen (vor, während und nach dem Systemwechsel, von 1985-1999) verfolgten sie für insgesamt 14 Länder des ehemaligen Ostblocks und etwa ein Dutzend westeuropäische Länder. Die Daten hierzu stammen von der World Health Organization WHO bzw. für die DDR aus der Human Mortality Database.

Der zentrale Befund der Studie wird von der Forschern so interpretiert, dass "ein stärkerer Wettbewerb um Ressourcen auch verbunden ist mit dem Zwang zur erfolgreichen Sicherung des Lebensunterhalts, und dies führt zu gesundheitsriskanteren Verhaltensweisen und Stress." Dies wird nach Angaben der Autoren, Daniel J. Kruger und Randolph M. Nesse, etwa daran deutlich, dass die Mortalität durch Gewalttaten und Tötungsdelikte angestiegen sind. "Der ökonomische und politische Systemwechsel war in gesundheitlicher Hinsicht für Männer sehr viel schädlicher als für Frauen, da es vorher kaum Wettbewerbszwänge gab: Hinsichtlich des Sozialstatus oder der materiellen Bedingungen gab es kaum Unterschiede." Nun aber, so Kruger, würden Männer sehr viel stärker als Frauen zu Verhaltensweisen angestachelt, die gesundheitsschädlich sind und Stress mit sich bringen.

Die Analyse hat nach Meinung der Forscher jedoch nicht nur Aussagekraft für den ehemaligen Ostblock. "Die Ergebnisse", so ihr Fazit, "zeigen uns, welche politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen auch unsere Gesundheit beeinflussen. Weitere dramatische Steigerung der Einkommens-Ungleichheit könnten zu ähnlichen Effekten auch in westlichen Ländern führen." Sie weisen in ihrem Aufsatz darauf hin, dass der sogenannte Gini-Koeffizient, eine Maßzahl für die ökonomische Ungleichheit eines Landes beispielsweise in Russland sich drastisch erhöht hat. Die Einkommenshöhe der unteren 10 Prozent der Bevölkerung im Vergleich zum Einkommen der oberen 10 Prozent ist dort im Zeitraum 1980-1994 von 3.16 auf 15.10 gestiegen.

• Hier ist eine Pressemitteilung der University of Michigan mit den wichtigsten Befunden: Freedom isn't always healthy for men
• Die Studie ist hier im Volltext nachzulesen (PDF): Economic Transition, Male Competition, and Sex Differences in Mortality Rates (Evolutionary Psychology, 2007. 5(2): 411-427)

Gerd Marstedt, 2.7.2007