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Disease Management (DMP), Qualitätssicherung


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Erste Ergebnisse einer Evaluationsstudie: Patienten mit Diabetes profitieren von der Teilnahme an einem DMP nachhaltig

Artikel 1317 Für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 scheint sich die Teilnahme an einem Disease-Management-Programm (DMP) zu lohnen. Nach jetzt veröffentlichten ersten Ergebnissen der sogenannten ELSID-Studie (Evaluation of a Large Scale Implementation of Disease Management Programmes, Evaluation eines umfangreichen Einsatzes von DMP) gibt es deutlich weniger Todesfälle im Vergleich zu Patienten, die nicht in ein solches Programm eingeschrieben sind. Die Ergebnisse stammen aus der bundesweit ersten kontrollierten Studie zum Vergleich zwischen DMP-Teilnehmern und Patienten in der Regelversorgung, die von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg in Kooperation mit dem AOK-Bundesverband durchgeführt wird. Die Daten der Patienten waren über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren beobachtet worden.

Nach den ersten Endergebnissen lag die Sterblichkeitsrate bei den älteren Diabetikern im DMP mit 10,9 Prozent deutlich niedriger als bei den Patienten in der Regelversorgung mit 18,8 Prozent. Da jedoch die Patienten in der Regelversorgung etwas älter waren, verglichen die Heidelberger Wissenschaftler eine Teilgruppe von DMP-Patienten und eine zweite vergleichbare Gruppe mit Patienten in der Regelversorgung mit gleichem Alter, Geschlecht, Diabetes-Schweregrad und Begleiterkrankungen. Auch hier zeigte sich bei der Sterblichkeitsrate ein Unterschied: Während unter den DMP-Teilnehmern 9,5 Prozent der Patienten verstarben, waren es in der Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer 12,3 Prozent. "Wir führen dies auf die Kombination der verschiedenen Maßnahmen zurück, die im DMP für Typ-2-Diabetiker vorgesehen sind", erklärte Prof. Joachim Szecsenyi vom Universitätsklinikum Heidelberg. "Die regelmäßigen Untersuchungstermine und die Vereinbarung von Therapiezielen in Kombination mit Schulungen und gezielten Informationen für Patienten und Ärzte tragen möglicherweise besonders dazu bei, dass gesundheitliche Komplikationen und Probleme bei den Patienten vermieden oder schneller erkannt werden."

Ausgewertet wurden die Daten von 2.300 älteren DMP-Teilnehmern, die in 85 Hausarztpraxen in Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz behandelt wurden. Die Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer umfasste 8.779 Diabetiker aus 337 Praxen. Alle Patienten wurden mit antidiabetischen Medikamenten behandelt. In die ELSID-Studie, die Ende 2005 gestartet ist, fließen sowohl medizinische Daten als auch gesundheitsökonomische Parameter wie Verordnungen oder Klinikeinweisungen ein. Weitere Auswertungsergebnisse, unter anderem zu den Kosten der Behandlung, sollen in den nächsten Monaten veröffentlicht werden.

Schon bei einer Patientenbefragung im Rahmen der ELSID-Studie hatten sich positive Resultate zugunsten der DMP-Teilnehmer gezeigt. Danach waren die DMP-Patienten mit dem Ablauf und der Organisation ihrer Behandlung deutlich zufriedener als Patienten in der Regelversorgung. Zudem wurden sie von ihrem Arzt häufiger nach ihren Vorstellungen bei der Gestaltung des Behandlungsplans gefragt und wurden besser darin unterstützt, sich konkrete Ziele in Bezug auf ihr Essverhalten und ihre körperlichen Aktivitäten zu setzen. Die DMP-Patienten erhielten auch eher im Vorfeld Informationen, wie sie in schwierigen Phasen mit ihrer Erkrankung umgehen können.

Die Disease-Management-Programme sind in Deutschland 2003 eingeführt worden, um die Versorgung von chronisch kranken Patienten zu verbessern. Insgesamt nehmen derzeit knapp 2,3 Millionen Versicherte an den Behandlungsprogrammen der AOK teil. Schon seit mehreren Jahren bietet die AOK bundesweit Programme für Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, Koronarer Herzkrankheit, chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) und Brustkrebs an. In den meisten Ländern können sich die Versicherten darüber hinaus in Programme zur Behandlung von Asthma und Diabetes mellitus Typ 1 einschreiben. Mit fast 1,4 Millionen bilden die Zuckerkranken die größte Gruppe unter den Teilnehmern der AOK, gefolgt von Herzpatienten (580.000) und Patienten mit COPD (150.000).

Eine wissenschaftliche Veröffentlichung zur Evaluation gibt es bislang nicht. Von daher bleibt auch abzuwarten, ob sich die Befunde auch bei einer noch strengeren methodischen Kontrolle (Einbezug von weiteren denkbaren Einflussfaktoren wie Rauchen, BMI, Bewegung usw.) bestätigen. Die AOK hat jedoch jetzt schon Materialien zum Download zur Verfügung gestellt:
Folienvortrag Prof. Dr. Joachim Szecsenyi, Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg
Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes und des Universitätsklinikums Heidelberg zur Studie
Statement Dr. Bernhard Egger, Leiter des Stabsbereichs Medizin im AOK-Bundesverband
Statement Prof. Dr. Joachim Szecsenyi (Abstract der Studie und Befunde)

Gerd Marstedt, 13.8.2008