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Warum sterben so wenig Berliner, Bremer und Hamburger am Herzinfarkt? - Überraschungen aus dem "Herzbericht 2005"

Artikel 0461 Die Differenz zwischen 18 Infarkttoten pro 100.000 Berlinern und 103 Herzinfarkt-Gestorbenen pro 100.000 der benachbarten Brandenburgern zeigt es am deutlichsten: Ob jemand einen Herzinfarkt überlebt, hängt spürbar auch von seinem Wohnort ab. Während die Sterbeziffern in den drei Stadtstaaten und gerade noch im Flächenland Hessen unterdurchschnittlich sind, liegen sie in den anderen Flächenländern und den ostdeutschen Bundesländer über dem Durchschnitt. Als Erklärung hält der langjährige private "Macher" des 18. so genannten "Herzberichts", der ehemals in Niedersachsen für die Krankenhausplanung verantwortliche Ministerialbeamte Dr. Ernst Bruckenberger, teilweise die "bessere Versorgungsstruktur in den Städten" bzw. die "kurzen Wege zur Klinik" für "wahrscheinlich".

Weitere wichtige Daten zur Risiko- und Versorgungssituation für Herz-/Kreislauferkrankte in Deutschland zeigen ein differenziertes und ambivalentes Bild:

• Regionale Unterschiede zeigen sich auch, wenn man nicht allein den Herzinfarkt betrachtet, sondern die Sterblichkeit an der koronaren Herzkrankheit, an Herzklappenerkankungen, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz: Diese liegt in den drei Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen sowie in Baden-Württemberg (in diesem Land ist die Versorgungssituation am besten) um 10 bis 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt und in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen dagegen rund 17 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. "Von einer homogenen Versorgungsstruktur in der deutschen Herzmedizin kann nicht die Rede sein." (Bruckenberger)

• Trotzdem ist für das Berichtsjahr 2004 auch Erfreuliches zu berichten: Die Sterbeziffer (Gestorbene pro 100.000 Einwohner) für die häufigsten Herzerkrankungen sank seit 1980 um 9 %. Die stationäre Morbiditätsziffer (Zahl der vollstationären Fälle pro 100.000 Einwohner) sank 2004 ebenfalls weiter.

• Ein im Bericht vorgenommener Vergleich der Sterbe-, Erkrankungs- und Versorgungsziffern in Deutschland mit denen in Österreich und der Schweiz vertreibt allerdings den Glanz der zuerst einmal positiven Zahlen in Deutschland schnell. Bei Morbidität und Mortalitätsziffern lag Deutschland nämlich an der Spitze. Die stationäre Morbidität lag hierzulande um 6,3 % höher als in Österreich und sogar um 115 % höher als in der Schweiz. Bei der Sterbeziffer überragte der Wert in Deutschland den aus Österreich um 20,6 % und den der Schweiz um 52,6 %. Auch das Pflegetagvolumen pro 1 Million Einwohner lag in beiden Alpenstaaten deutlich niedriger als in Deutschland. Zu beachten ist, dass diese Unterschiede durch mehrere Faktoren bedingt werden.

• Was im Berichtszeitraum stieg war die Anzahl mehrerer spezifischer Untersuchungen und Interventionen im Herz-/Kreislaufsystem: Die Zahl der Linksherzkatheter-Untersuchungen stieg um 7,9 Prozent auf 772.137 Untersuchungen und die Zahl der Ballondilatationen stieg um 8,9 Prozent auf 270.964. Bei der Implantation von Stents zur Erweiterung verengter Gefäße gibt es eine steigende Tendenz: 2005 wurden mit insgesamt 230.580 um 13,6 Prozent mehr Stents eingesetzt als 2004, der Anteil der Arzneimittelbeschichteten Stents hat sich im Vergleich zum Jahr davor von 13 auf 28 Prozent erhöht.

• Vergleicht man auch hier die Angebotsstrukturen und -mengen in Österreich, der Schweiz mit denen in Deutschland nimmt letzteres fast immer den Spitzenplatz ein: Nur bei den Herzzentren pro 1 Million Einwohnern lag Deutschland mit 0,9 Herzentren hinter der Schweiz (2,3) und Österreich (1,1) auf Platz drei. Die meisten Linksherzkatheterplätze in Zentren oder Labors pro 1 Million Einwohner existierten in Deutschland (4,8) vor Österreich mit 3,9 und der Schweiz mit 3,6.
Diese Reihenfolge findet man auch bei den Linksherzkatheter-Messplätzen. Vergleicht man nun auch noch wie häufig diese Messeinrichtungen genutzt wurden, finden sich plastische und drastische Belege für das Phänomen der angebotsinduzierten Nachfrage. Pro 1 Million deutsche BürgerInnen wurde bei 9.366 eine Linksherzkatheteruntersuchung durchgeführt. Dies geschah in Österreich nur bei 5.537 Menschen und in der Schweiz sogar lediglich bei 4.885 Personen pro 1 Million Einwohner.
Die so genannte "Perkutane transluminale coronare Angioplastie (PTCA)", eine Ausdehnung von verengten Herzkranzgefäßen mittels eines Katheters, erfolgte in Deutschland bei 3.287, in der Schweiz bei 2.229 und in Österreich bei 2.072 Menschen pro 1 Million Einwohner. Die Rangfolge bei den Heroperationen sah ähnlich aus.

Wohlgemerkt: Ohne, dass diese Versorgungsdichte durch irgendwelche besseren und Gesundheitsergebnissen gerechtfertigt würden oder gar die Österreicher und Schweizer unterversorgt wirkten.

• Der Schlussfolgerung des Präsidenten der deutschen Kardiologie-Gesellschaft: "Bei der Betrachtung der therapeutischen Leistungszahlen begründen die vorliegenden Zahlen nicht zwangsläufig die Annahme einer Überversorgung" kann daher nicht ohne weiteres gefolgt werden.

• Auch wenn, wie Bruckenberger berichtet "von 2002 bis 2004 die Krankheitskosten, entgegen dem bei anderen Krankheitsbildern meist anders verlaufenden Trend, für die ischämischen Herzkrankheiten um 5,5 Prozent und für die angeborenen Herzfehler um 3,2 Prozent abgenommen (haben)" und es nur bei der Behandllung der Herzinsuffizienz zu einem geringfügigen Anstieg von 0,9 % kam, rechtfertigt dies nicht die zumindest vordergründig nicht durch Gesundheitsfaktoren begründete Überversorgung mit den genannten medizinischen Interventionen. Jede dieser Untersuchungen ist nämlich mit einem teilweise erheblichen iatrogenen Risiko verbunden.

Schade ist, dass der von mehreren Fachgesellschaften und Professionsgruppen wie beispielsweise den Chefärzten der Herzchirurgien unterstützte Bericht, nicht als Gesamttext kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt wird. Die dafür bemühten Argumente überzeugen im Zeitalter von DSL und Flatrates nicht mehr. Der 18. Herzbericht bzw. die "Versorgungsanalyse zur Kardiologie und Herzchirurgie in Deutschland für das Jahr 2005" mit einem Umfang von 226 Seiten muss für 35 Euro im A4 Format mit über 220 farbigen Abbildungen und 80 Tabellen aber zumindest hier bestellt werden.

Hier finden sie auch noch eine ausführlichere Zusammenfassung.

Bernard Braun, 9.1.2007