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Lungenkrebs-Screening verlängert die Überlebenszeit - aber nicht die Sterblichkeit

Artikel 0627 In einer großen New Yorker Studie wurden in den Jahren von 1993 bis 2005 knapp 32.000 Personen mit einer sog. Mehrschicht-Spiral- Computer-Tomographie, einem Röntgen-Verfahren zur Krankheits-Diagnose, untersucht. Es handelte sich durchweg um Personen ohne Symptome einer Erkrankung oder gar Lungenerkrankung. Die Untersuchungen wurden bei jedem Teilnehmer mehrfach wiederholt, meist im Abstand von einem halben bis anderthalb Jahren. Insgesamt wurde bei 484 Personen Lungenkrebs diagnostiziert. Die 10-Jahres-Überlebensrate in dieser Gruppe wurde von den Autoren mit 88% angegeben.

In einer Untergruppe von 302 Personen, die sich unmittelbar nach der Diagnose einer Operation unterzogen hatte, lag sie mit 92% sogar noch ein wenig höher. Vergleicht man die aktuelle 10-Jahres-Überlebensrate für Lungenkrebs in den USA, die nur etwa 10% beträgt, mit den Daten der Screening-Studie, dann leuchtet das Fazit der Wissenschaftler sofort ein: "Ein jährliches Screening auf Lungenkrebs mit einer Spiral-Computer-Tomographie kann Lungenkrebs-Erkrankungen finden, die heilbar sind." Ein Abstract der im Oktober 2006 im "New England Journal of Medicine" veröffentlichten Studie ist hier: Survival of Patients with Stage I Lung Cancer Detected on CT Screening.

Die Ergebnisse der Studie schienen anzudeuten, dass ein möglichst frühzeitiges (also in jüngeren Lebensjahren) eingesetztes Screening auf Lungenkrebs, durchgeführt mit der im Vergleich zum traditionellen Röntgen sehr viel sensibleren Computertomografie ein lohnenswertes Unterfangen wäre. Krebs wird frühzeitig entdeckt und die Patienten haben daher eine sehr hohe Überlebensrate. Nur kurze Zeit später allerdings verdeutlichte eine zweite Studie, veröffentlicht im März 2007 im "Journal of the American Medical Association", dass die Bilanz der New Yorker Studie etwas zu rosig ausgefallen war.

In dieser Studie waren etwa 3.200 Patienten, alles Personen, die knapp 40 Jahre oder mehr geraucht hatten, in mehreren medizinischen Versorgungszentren der USA seit 1998 über einen mittleren Zeitraum von vier Jahren beobachtet worden. Es wurden mehrere CT-Untersuchungen vorgenommen, zu Beginn der Studie und später in jährlichen Abständen mindestens noch dreimal. Die Quoten der Patienten, bei denen ein Lungenkrebs gefunden wurde, verglich man mit Daten, die in früheren sehr großen Studien gewonnen worden waren, Daten, die das "normale" Risiko eines solchen Tumors beziffern. Es zeigte sich, dass die entdeckten Lungenkrebs-Raten dreimal so hoch waren wie zu erwarten (144 entdeckte, 45 erwartete Fälle). Betrachtete man jedoch die Zahl der Todesfälle, so wurde deutlich: 38 Fälle wurden beobachtet, erwartet wurden annähernd genau so viele, nämlich 39. Fazit der Wissenschaftler zu dieser Studie war: Die Sterberate aufgrund von Lungenkrebs kann durch frühzeitige und systematische Untersuchungen mit CT nicht verändert werden. Die Studie ist hier im Volltext nachzulesen: Computed Tomography Screening and Lung Cancer Outcomes (JAMA. 2007;297:953-961)

Die Studie weist auf eine problematische Folgen eines umfassenden Screening hin: Moderne CT-Verfahren kommen sehr viel häufiger auch zu Krebs-Diagnosen, die - hätte man sie nicht gefunden - nicht lebensgefährlich sind oder erst in einem extrem späten Stadium kritisch werden. Aufgrund der Diagnose werden jedoch weitere, zum Teil überaus gesundheitsriskante diagnostische Verfahren eingesetzt oder auch riskante Therapien (wie Lungenresektion) durchgeführt, die ohne entsprechendes Screening unterblieben wären. So hat die in JAMA veröffentlichte Studie gezeigt: Wenn 1.000 Personen über einen Zeitraum von 5 Jahren untersucht werden, würde man 48 zusätzliche Fälle von Lungenkrebs finden und es würden zusätzlich 46 Operationen durchgeführt, ohne dass ein einziger Todesfall durch Lungenkrebs vermieden wird.

Deutlich wird aus dem Vergleich beider Studien aber auch, dass die in Zeitungen und Zeitschriften oft kritiklos übernommenen Schlagzeilen medizinischer Studien Fallstricke enthalten. Wenn von einer "Verlängerung der Lebenserwartung" oder "längerer Überlebenszeit" berichtet wird, muss dies nicht unbedingt eine segensreiche Botschaft sein. Es kann schlicht daraus resultieren, dass eine Diagnose etwa aufgrund einer Reihenuntersuchung früher als bei anderen gestellt wird. Das bedeutet aber nicht automatisch auch: Die Betroffenen erreichen ein höheres Alter.

In einem Aufsatz in der New York Times "How Two Studies on Cancer Screening Led to Two Results" setzen sich mehrere Autoren hiermit auseinander und verdeutlichen die scheinbare Paradoxie an einem Beispiel: "Man stelle sich zwei Personen vor, die beide Lungenkrebs haben. Auch wenn beide im Alter von 70 Jahren sterben - der Patient, bei dem mit 59 Jahren durch CT Screening die Krankheit diagnostiziert wurde, hat eine längere Überlebenszeit als der andere Patient, bei dem im Alter von 67 Jahren der Krebs gefunden wurde, weil er wegen ganz anderer Beschwerden beim Arzt war. Der erste Patient überlebt 11 Jahre, der zweite nur 3 Jahre. Aber beide sterben im selben Alter von 70. Die Überlebenszeit ist ersten Fall ist höher, aber die Mortalität ist genau so groß."

Gerd Marstedt, 15.3.2007